rief er , fast eben so weich und gerührt , als Aline , laß nur deine kleine Welt zusammenstürzen , meine Liebe soll dich in den Himmel tragen . Er wußte nicht was er sprach . Sein ganzes voriges Leben stand außer aller Verbindung mit diesem Augenblick . Er glaubte wenigstens sich selbst nicht wieder zu erkennen , und begrüßte diesen neuen heranbrechenden Morgen in Alinens frommen Blicke . So innig beglückt , in die heitre Stille eines ruhigen , für den Augenblick befriedigten Herzens versenkt , eilte er heut nach seiner Wohnung zurück . Von tausend lieblichen Bildern begleitet , öffnete er eine Seitenthür derselben , die durch eine schmale Gallerie zunächst nach seinem Zimmer führte . Es war noch dunkel , er trat leise und behutsam auf , um niemand im Hause zu stören , und hielt sich von Zeit zu Zeit an die Wand , dem Körper bei den unsichern Tritten das Gleichgewicht zu geben , als plötzlich eine schattenartige Gestalt unter seinen Armen hinschlüpfte . Ohne sonderlichen Schreck faßte er ganz mechanisch nach dem fremden Körper , und trug ihn sicher und geräuschlos zu der brennenden Ampel am Haupteingange . Er mußte laut auflachen , als er in dem kleinen zappelnden , sich sträubenden Wesen , Erwin erkannte , der in einen bräunlichen Mantel gewickelt , vor Angst und Frost zitternd , auf Liebesabentheuer ausging . Ein schwacher Lichtstrahl , der aus Laura ' s halb geöffneter Thür drang , zeigte Rodrich , in welcher verborgnen Blume der geheimnißreiche Forscher heut das Universum gefunden hatte . Doch konnte er sich eines innern Unwillens nicht enthalten , indem er bemerkte , daß sie beide hier als beglückte Liebende einander gegenüber standen , und daß sein lieblichstes Entzücken , so grob und gemein in dem verzerrten Bilde ausgesprochen sey . Fast war ihm , als treffe er hier im Hause , unaufhörlich auf ein gespenstisches Höhnen seiner innersten Natur . Er ließ den frierenden Nachtwandler gleichgültig fahren , und ging verdrießlich nach seinem Zimmer . Die folgenden Tage waren indeß reich an Freuden , die nur Liebe erzeugt und versteht . Das geheimnißreiche Anneigen und Berühren , die flammende Ungeduld , wie das stille Beieinanderseyn , all die Wonne und das innerliche Leben zweier liebeathmender Herzen , wogte in Rodrich auf und ab . Er schmiegte sich hingebend in süße Bande , und schloß die Augen vor dem Gewebe , daß sich immer dichter über ihm zusammenzog . Aline ging ruhig an seiner Hand auf dem blühenden Teppich , der vor ihr ausgebreitet lag . Sie sann und forschte nicht , was die bunte Hülle verbarg . Wie sollte sie die Zukunft bedächtig herauf führen , da die Gegenwart sie wie ein lächelndes Kind aus hellen Augen ansah ! Beide begnügten sich lange mit dem flüchtigen , verstohlnen Genuß , den eine beschränkte Lage und wachsende Aufmerksamkeit für die erweiterten Umgebungen ihnen gönnte . Indeß hatte Stephano ' s wiederkehrende Genesung nach und nach so viele seiner Kameraden zu ihm geführt , und diese wieder so manche von Alinens Verwandten angezogen , daß endlich alles Eigenthümliche des ehemaligen häuslichen Zirkels bis auf die geräuschlose , milde Heiterkeit daraus verbannt war . Fade Scherze und kleinstädtische Prätensionen , rangen hier nicht immer zum zierlichsten mit einander . Manches fiel Rodrich unangenehm auf , was gegen einen natürlichen Takt feiner Sitte stritt . Er war vergebens bemüht , in den allgemeinen Ton einzugehen . Der kleine Vorrath flacher Späße erschöpfte sich um so eher , je sichtlicher das Verlangen darnach bei den Andern hervorleuchtete . Es war ihm unmöglich , sich , wie seine Freunde , in das grob geschürzte Netz roher Koketterie hineinziehen zu lassen . Jeder Aufflug von Gemeinheit , jede Hindeutung dürftigen Herkommens , war ihm eine ärgerliche Störung , und trieb seine Ungeduld oft so weit , daß er im Begriff war , Alinen in seine Arme zu schließen , und mit ihr außerhalb jeder lästigen Schranke zu fliehen . Sie gehörte wirklich keinem bestimmten Kreise an . Ihr eigenthümliches , kindliches Wesen , trieb sie leicht zwischen den hölzernen , dürr ausgesprochnen Gestalten hindurch , zu Rodrichs innerer Flammenwelt , in der sich ihr ganzes Daseyn liebend auslöste . Sie theilte seinen Unmuth , weil er unmittelbar aus den trüben Blicken in ihre offne Seele überging , und bemühete sich , durch zarte Aufmerksamkeit jede aufsteigende üble Laune zu sänftigen . Indeß gelang ihr dies nur halb , und als er einst mehrere Stunden gegen alle äußere Unannehmlichkeiten ankämpfend , vergebens einen flüchtigen Moment zu erhaschen hoffte , in welchem die leidenschaftlichen Gluthen sich auf Alinens rosigen Lippen kühlen sollten , da hielt er sich nicht länger , er entfernte sich einen Augenblick , und schrieb mit klopfendem Herzen folgende Worte , welche er geschickt in Alinens Hände spielte . » Tadle es nicht , meine Aline , wenn dein sanfter , flehender Blick die inneren Stürme nur noch mehr anregt , wenn ich vergebens ringe , mich in die stillen Fluthen deiner frommen Seele zu tauchen , wenn alles , alles , mein Verlangen glühend hinauf treibt ! Ich bebe , wenn du an mir vorüber streifst , meine Arme zucken unwillkührlich , ich widerstehe dem inneren Zuge nicht länger , laß mich , ich bitte dich , laß mich nur einmal wieder , deine süße Nähe berauschend fühlen , laß mich deinen Athem trinken , der wie Himmelsduft um die innern Flammen spielt . Bei Gott , Aline , ich muß dich an meine Brust drücken , oder ich zertrete alle Schranken , die dich und mich fesseln ! « Sie flog mit dem geheimnißreichen Blättchen in ihre Kammer , und kam bald darauf mit verweinten Augen und in sichtlicher Bewegung zurück , indem sie Rodrich ein ähnliches Papier folgenden Inhalts zusteckte . » Fodre nur , Ungestümer , du wußtest ja wohl , daß ich keinen andern Willen als den deinigen kenne . Gott weiß indeß , ob es so recht ist