Klatschen wurde der Leitton zum Presto . Aber für den Notar wurde dieses nur zu einer wildern Fortsetzung des Adagios , das sich selber löset , nicht zu einer englischen Farce hinter dem englischen Trauerspiel . Noch sah er Wina nicht ; sie konnte es vielleicht im langen himmelblauen Kleide sein , das neben dem ihm zugewandten Rücken saß , der , nach den Kopffedern und nach der nahen Stimme zu schließen - die in einem fort , unter der Musik , die Musik laut pries - , Raphaelen zukam ; aber wer wußt ' es ? Gottwalt sah bei solcher Mehrheit schöner Welten unter dem Prestissimo an dem weiblichen Sternenkegel hinauf und hinab und drückte mit seinen Augen die meisten ans Herz , vorzüglich die schwarzen Habite , dann die weißen , dann die sonstigen . Unglaublich steigerte die Musik seine Zuneigung zu Unverheirateten , er hörte die Huldigungsmünzen klingen , die er unter die Lieben warf . » Könnt ' ich doch dich , gute Blasse « , dacht ' er ohne Scheu , » mit Freudentränen und Himmel schmücken . - Mit dir aber , du Rosenglut , möcht ' ich tanzen nach diesem Presto - Und du , blaues Auge , solltest , wenn ich könnte , auf der Stelle vor Wonne überließen , und du müßtest aus den weißen Rosen der Schwermut Honig schöpfen - Dich , Milde , möcht ' ich vor den Hesperus stellen und vor den Mond , und dann wollt ' ich dich rühren durch mich oder sonst wen - Und ihr kleinen helläugigen Spieldinger von 14 , 15 Jahren , ein paar Tanzsäle voll Kleiderschränke möcht ' ich euch schenken - O ihr sanften , sanften Mädchen , wär ' ich ein wenig das Geschick , wie wollt ' ich euch lieben und laben ! Und wie kann die grobe Zeit solche süße Wangen und Äuglein einst peinigen , naß und alt machen und halb auslöschen ? « - - Diesen Text legte Walt dem Prestissimo unter . Da er schon seit Jahren herzlich gewünscht , in einem schönen weiblichen Auge von Stand und Kleidung einer Träne ansichtig zu werden - - weil er sich ein schöneres Wasser in diesen harten Demanten , einen goldnern Regen oder schönere Vergrößerungslinsen des Herzens nie zu denken vermocht - : so sah er nach diesen fallenden Licht- und Himmelskügelchen , diesen Augen der Augen , unter den Mädchen-Bänken umher ; er fand aber - weil Mädchen schwer im Putze weinen - nichts als die ausgehangenen Weinzeichen , die Tücher . Indes für den Notar war ein Schnupftuch schon eine Zähre und er ganz zufrieden . Endlich fingen die in allen Konzerten eingeführten Hör-Ferien an , die Sprech-Minuten , in denen man erst weiß , daß man in einem Konzert ist , weil man doch seinen Schritt tun und sein Wort sagen und Herzen und Gefrornes auf der Zunge schmelzen kann . » Wer Henker « , sagt Vult sehr gut in einem Extrablatt seines Hoppelpoppels oder das Herz , überschrieben Vox Humana - Konzert » Wer Henker wollte Ton- wie Dicht-Kunst lang ' aushalten ohne das Haltbare , das nachhält ? Beider Schönheiten sind die herrlichsten Blumen , aber doch auf einem Schinken , den man anbeißen will . Kunst und Manna - sonst Speisen - sind jetzt Abführungsmittel , wenn man sich durch Lust und Last verdorben . Ein Konzertsaal ist seiner Bestimmung nach ein Sprachzimmer ; für den leisen Ton der Feindin und Freundin , nicht für den lauten der Instrumente hat das Weib das Ohr ; wie ähnlicherweise nicht für Wohlgeruch , sondern nur für Geruch feindlicher und bekannter Menschen nach Bechstein die Nase der Hund hat . Bei Gott , man will doch etwas sagen im Saal , wenn nicht etwas tanzen . ( Denn in kleinen Städtchen ist ein Konzert ein Ball , und keine Musik ohne Sphärentanz himmlischer Körper . ) Dahero sollte das Pfeifen und Geigen mehr Nebensache sein und wie das Klingeln der Mühle nur eintreten , wenn zwei Steine oder Köpfe nichts mehr kleinzumachen haben . Aber gerade umgekehrt dehnen - muß ich klagen , so gern ich auch allerdings einige Musik in jedem Konzerte verstatte , wie Glocken und Kirchenmusik vorher , eh Kanzeln bestiegen werden - sich die Spielzeiten weit über die Sprechzeiten hinaus , und mancher sitzt da und wird taub und darauf stumm , indes es doch durch nichts leichter wäre als durch Musizieren , Menschen , so wie Kanarienvögel , zum Sprechen zu reizen , wie sie daher nie länger und lauter reden als unter Tafelmusiken . - Nimmt man vollends die Sache auf der wichtigern Seite , wo es darauf ankommt , daß Menschen im Konzert etwas genießen , es sei Bier oder Tee oder Kuchen : so muß man , wenn man erfährt , daß das Musizieren länger dauert als das Trinken , gleichsam das Blasen zur Hoftafel länger als die Tafel selber , oder das Mühlen-Geklingel länger als das Zähne-Mahlen « - - - und so weiter ; denn der Hoppelpoppel gehört in sein eignes Buch und nicht in dieses . Jetzt , da sich die ganze neue Welt und Hemisphäre der Schönheiten vordrehte und aufstellte , mußte Wina zu finden sein . Raphaela stand schon herwärts gekehrt , aber die himmelblaue Nachbarin saß noch vor ihr . Der Notar erkundigte sich zuletzt geradezu bei Paßvogeln nach ihr . » Die « , versetzte der Hofbuchhändler , » neben der ältern Dlle . Neupeter - in Himmelblau mit Silber- mit den Perlenschnüren im Haar-sie war bei Hof- Jetzt steht sie auf - sie wendet sich wahrlich um . - Aber gibts denn schwärzere Augen und ein ovaleres Gesicht - ob ich gleich sehr wohl weiß , daß sie nicht regelmäßig schön ist , z.B. scharfe Nase und die ausgeschweifte Schlangenlinie des entschiedenen Mundes , aber sonst , Himmel ! « - Als Walt die Jungfrau erblickte , sagte die Gewalt über der Erde : » Sie