21. Aus der Gruppe der Dichter , Gelehrten und Schriftsteller stehe hier etwa die Hälfte der Namen . Es sind : Bettina von Arnim ; Maxe , Armgard , Gisela von Arnim ; Boeckh ; Clemens Brentano ; Geh . Rat Bunsen ; Michael Beer ; Dr. Carl Blum ; Professor Droysen ; Ehrenberg ; La Motte Fouqué ; Professor Gans ; Goethe ; Jakob Grimm ; Paul Heyse ; Henriette Herz ; E. T. A. Hoffmann ; Alexander von Humboldt ; Klingemann ; Th . Körner ; Adam Müller ; Wilhelm Müller ; Müllner ; Frau von Paalzow ; Fürst Pückler ; Leopold von Ranke ; Oskar von Redwitz ; Ernst Schulze ( Dichter der bezauberten Rose ) ; Steffens ; Tieck ; Tiedge ; Varnhagen und die Rahel . Wer unser Berliner Leben seit fünfzig Jahren verfolgt hat , wird hier so ziemlich jeden Namen wiederfinden , der , auf schönwissenschaftlichem Gebiet , auf längere oder kürzere Zeit in den Vordergrund getreten ist . Man beachte : Fouqué , Müllner , Hoffmann , Pückler , Dr. Carl Blum , Frau von Paalzow , Redwitz , Paul Heyse . 60 Noch einige kurze Bemerkungen . Hensel hatte keine Feinde , aber er hatte , gerade was diese Porträts anging , Zweifler . Diese haben durch Schelmereien und übermütige Witzworte ( der alte Humboldt sei für den schönen Karlowa gehalten worden ) die Bedeutung dieser Sammlung hinwegspötteln wollen . Aber sehr mit Unrecht . Alle diese Porträtköpfe sind nicht Phantasieschöpfungen , laufen auch nicht auf ein bequemes » corriger la nature « hinaus ; sie verraten vielmehr , abgesehen von einer meisterhaften , unserem Hensel ganz eigentümlichen Technik , vor allem auch eine eminente Begabung für das Charakteristische . Sonderbarerweise haben wir uns neuerdings daran gewöhnt , das Charakteristische vorwiegend im Häßlichen zu suchen , anstatt uns zuzugestehen , daß das Übertreiben nach der einen Seite hin , also das Karikieren und Transponieren en laid , doch mindestens ebenso verwerflich ist , als ein Zuviel en beau . Richtig geübt ist dies eben nichts anderes als der ideale Zug in der Kunst , der doch immer der siegreiche bleiben wird . Die neueste Kunst- und Weltepoche , die » lichtbildnerische « , ist dem Ruhme der Henselschen siebenundvierzig Mappen allerdings nicht allzu günstig geworden . Aber wie immer dem sein möge , der größte Teil dieser Sammlung gibt doch Aufschluß über eine vor-lichtbildliche Zeit und wird über kurz oder lang einen Wert repräsentieren , ähnlich den Initialenbüchern des Mittelalters , aus denen oft Städte , Stände , Persönlichkeiten allein noch zu uns sprechen . Die Mappen Wilhelm Hensels werden dann ein Bibliothekenschatz sein trotz einem , eine Quelle voll historischer Bedeutung , und der Name des Predigersohns aus Trebbin wird zu neuen Ehren erblühen . Am 26. November 1861 war W. Hensel gestorben und am 30. trugen ihn seine Freunde hinaus . Auf dem alten Dreifaltigkeitskirchhof , unmittelbar links vom Halleschen Tore , bereitete man ihm an der Seite Fanny Mendelssohns , deren Andenken er fast einen Kultus gewidmet hatte , die letzte Ruhestätte . Sein Grab zu besuchen , zugleich auch über die Daten seiner Geburt und seines Todes volle Gewißheit zu erlangen , bog ich , in diesen letzten Maitagen , in den dunklen , kastanienüberschatteten Gang ein , der bis an das Tor des alten Kirchhofes führt . » Ist hier der Mendelssohnsche Begräbnisplatz ? « fragte ich . Ein zwölfjähriges , klug aussehendes Kind , an das ich die Frage gerichtet , nickte mir freundlich zu , setzte dann , als ob sich ' s von selbst verstünde , das ihrer Hut anvertraute Schwesterchen ins Gras nieder und sagte : » Kommen Sie nur . Es ist schwer zu finden . « Dabei lief sie vor mir her , ein Gewirr von Gängen und Steigen passierend , und nur von Zeit zu Zeit sich umsehend , ob ich auch folge . Wirklich es war schwer zu finden , schwerer noch als ich gedacht hatte , denn drei , vier Kirchhöfe schoben sich hier mit ihren auslaufenden Spitzen so dicht und eng ineinander ein , wie die Finger zweier gefalteten Hände . Schließlich hielten wir vor einer umgitterten Stelle von mäßiger Größe . » Hier das Mittelgrab ist das Grab von Felix Mendelssohn-Bartholdy . « Sie gab ihm seinen vollen Namen . Daß ich Wilhelm Hensels wegen gekommen sein könne , dieser Gedanke lag ihr fern . Und danach knicksend und meinem Danke sich entziehend , lief sie wieder im Zickzack bis zu der Stelle zurück , wo ich sie gefunden hatte . Die Mendelssohnsche Begräbnisstätte bildet einen Staat im Staat , einen Kirchhof auf dem Kirchhof . Es sind fünf Gräber , alle gleichmäßig von Efeu überwachsen . Darunter ruhen , neben andern Mitgliedern der Familie , Felix Mendelssohn , Fanny Mendelssohn ( die Gattin Wilhelm Hensels ) und endlich Wilhelm Hensel selbst . Dem Hause , dem er im Leben anhing , ist er auch im Tode treu geblieben . Alle Arten von Immergrün fassen das Gitter ein : Efeu , Buchsbaum , Taxus , Lebensbaum und eine hohe Zypresse überragt das Ganze . Die Gräber haben Marmorkreuze ; nur zu Häupten Fanny Hensels steht ein zugeschrägter , schön polierter Granit , der außer Namen und Daten , die Worte trägt : Gedanken gehn und Lieder Fort bis ins Himmelreich Fort bis ins Himmelreich . Auch die Noten der Liedeskomposition sind in Goldschrift beigefügt , was einen sehr eigentümlichen Eindruck macht . Worin übrigens kein Tadel liegen soll . Im Gegenteil . Ich sehe nicht ein , warum nur Fahnen und Kanonen das Vorrecht genießen sollen , als Denkmal- oder Grabstein-berechtigt zu gelten . Je häufiger und konsequenter diese langweilige Tradition durchbrochen wird , desto besser . W. H. ' s Grabschrift lautet : Wilhelm Hensel , Professor und Hofmaler ; geb . zu Linum den 6. Juli 1794 , gest . zu Berlin den 26. November 1861 . Geboren zu Linum . Also doch