' ich gesagt prügeln , gerade wie , nach Onkel Levinus , die Russen mit ihren betrunkenen Popen thun ... Das wissen wir Katholiken unter uns selbst sehr gut und leiden darunter , bei der Messe sowol wie im Beichtstuhl ... Gewisse andere Priester mögen wir Katholiken auch wieder deshalb nicht , weil sie im Gegentheil wie die Tanzmeister sind ... Die , die immer süß den Mund spitzen und die Augen verdrehen und aus dem lieben Herrgott einen Conditor machen , von dem sie bei jedem Besuch Bonbons mitbringen , auch das sind für uns rechtgläubige Christen bloße Pfaffen - und zu denen gehören meist die Jesuiten - alle aber auch nicht , Großmütterchen ... Dein Fefelotti mag freilich schlimm sein ... « Du weißt , unterbrach die Mutter , wie unsere Bedrängnisse schon anfangen ? ... Ich werde zu Cardinal Ceccone gehen müssen , um das Kapitel von Cuneo anzuklagen ... Doch - lies ! ... » Ebenso sagte Terschka , er wollte Beweise beibringen , daß eine gewisse Lucinde Schwarz , im Auftrag Deines Doctors aus dem Abgrund , an dieser Veranstaltung nicht unbetheiligt gewesen ... Ich halte Lucinden allerdings für fähig , Feuer anzulegen ; aber es gibt Verbrechen , die so groß sind , daß sie ehrwürdig werden , zumal wenn sie Gutes stiften und Engel zu unwissentlichen Mitschuldigen machen « ... So vertheidigt die Götzendienerin gegen Lady Elliot auch die gefälschten Rechte des Bischofs von Rom ! ... warf die Mutter ein ... » Großmütterchen , das hat mir von Dir gefallen « , las der Graf weiter , » daß Du dem falschen Heuchler , dem Terschka , endlich einmal über eine Sache unrecht gabst ... Der erleuchtete Mann hat ewig bei Dir recht ... Ganz vornehm und würdevoll lehntest Du die Zweifel ab und wolltest lieber Dich darein ergeben , daß Paula in ein Kloster und Euer Name und Euere Herrlichkeit zu Grund ginge , als wieder processiren und die andere Linie ins Zuchthaus schicken , wie Du sagtest ... Paula geht nicht ins Kloster ... Sie schreibt mir , daß ich es übernehmen soll , Dir ihre ganze Meinung zu sagen ... So wisse denn : Ja ! sie nimmt Deinen Sohn , wenn - « ... Graf Hugo war an dieser Stelle schon aufgesprungen und hatte den Brief voll Zorn und Abscheu von sich geschleudert ... Schon hatte sein Auge die Bedingung gefunden , die jetzt die Mutter las , nachdem sie den Brief an sich genommen ... ... Das ist es ! seufzte sie ... » Wenn der liebste Beichtvater ihrer Jugend nach Wien reist , Deinen Sohn persönlich kennen lernt und dann entscheidet , ob sie ihm ohne Gefahr für ihre Seele die Hand reichen kann « ... Der Graf war außer sich und rief : ... Von Terschka - von hundert Zeugen weiß ich , daß sie diesen Priester liebt ! .. Es ist Bonaventura von Asselyn ... Die Mutter schwieg eine Weile , faltete den Brief zusammen und beschwichtigte den zornig Auf- und Abgehenden : Aber sein Verwandter , der junge Benno von Asselyn , hat dir doch wohlgethan ... Ich habe mich gewöhnen wollen , sprach der Graf , daß meine Gattin das Bild einer andern Neigung im Herzen trägt ... Ich würde mich bekämpft haben ... War ich doch selbst nicht treu ... Aber ich rang danach , treu zu werden ... Ich konnte Angiolina entbehren ... Der Himmel erleichterte mir diesen Kampf - ... Und nun soll der Geliebte Paula ' s mir persönlich gegenübertreten , mich prüfen , erst seine Entscheidung geben ? ... Das ist mein Ruf ? So werd ' ich in Westerhof beurtheilt ? Beurtheilt um ein Verhältniß , das der Himmel auf diese schmerzliche Art löste ? Nein ! Nun trotz ' ich Allem ! ... Mein Sohn - ! ... Ihr Geliebter soll mich - prüfen ! ... Es ist ein Priester , mein Sohn , suchte die Mutter zu beruhigen ... Einer der besseren ... Ich hörte ihn predigen ... Der Graf lehnte jede Beruhigung ab ... Das ist die Erklärung , die du von Westerhof mitbringst ? fragte der Graf mit Entschiedenheit ... Die Mutter zitterte über seine drohenden Mienen ... Mit bebenden Lippen sprach sie : Ich zeigte den Brief Monika ... Diese , empört darüber , stürmte zu ihrer Schwester Benigna ... Benigna zog den Onkel Levinus ins Vertrauen ... So traten sie alle drei an Paula ' s Lager und fragten sie , ob so wirklich ihr Entschluß wäre ? Ob sie wirklich so nach London geschrieben hätte ? ... Ja ! sagte sie , wandte sich ab , sah an die Wand , wo ihr Crucifix hing und ihr Weihwasserbecken - sprach kein Wort mehr und mit dieser Entscheidung kehr ' ich zurück ... Der Graf konnte sich nicht beruhigen ... Seine Erinnerung an die Hingebung Angiolinens , sein Stolz , die Erwägung seiner ihn zur Annahme solcher Bedingungen zwingenden Verhältnisse , ja eine Spannung sogar auf Paula , die zu einem tiefern Interesse geworden war , alles stürmte zu mächtig auf ihn ein ... Er rief aus : So beginne aufs neue der Proceß ! Ich zweifle die Urkunde an ... Terschka muß helfen ... Mein Heiland ! rief die Mutter entsetzt und mit gefalteten Händen ... Darüber gehen wir zu Grunde ! ... Die Zickeles subhastiren Salem und Castellungo ... Mag es ! rief der Graf wild und riß sich los ... Verzweifelnd stand die Mutter und hörte das Verhallen seiner Sporen , das heftige Zufallen der Thüren , die er aufriß ... Nicht zu seinen Zimmern im Palais ging er ... Er wandte sich zur großen Treppe ... Sie eilte ihm nach ... Er war verschwunden ... Graf Hugo stürmte dahin ... In seinen weißen Mantel gehüllt , mit klirrenden Sporen ... Sein Innerstes - gelähmt durch jenes tiefe Weh , das sich über unsern ganzen Menschen ausbreitet - wenn wir Rührung über uns selbst empfinden ... Er