sein alter , unerkünstelter Frohsinn kam ihm erst wieder , wenn er die beiden Gensdarmentürme und die Schloßkuppel am Horizont auftauchen sah . So erschien der Spätherbst 1861 . Hensel sollt ' ihn nicht überdauern . Schön , wie er gelebt , so starb er . Eine menschenfreundliche Handlung wurde die mittelbare Ursache seines Todes . Ein Kind aufraffend , das in Gefahr war von einem Omnibus überfahren zu werden , verletzte er sich selbst am Knie . Von da ab lag er darnieder . Am 26. November schloß sich sein Auge . Sein Tod weckte Trauer bei vielen , Teilnahme bei allen . So viel über den Gang seines Lebens . Wir werfen noch einen Blick auf seinen Charakter , seine Begabung , seine Arbeiten , immer nur bei dem Bemerkenswertesten verweilend . Wilhelm Hensel gehörte ganz zu jener Gruppe märkischer Männer , an deren Spitze , als ausgeprägteste Type , der alte Schadow stand . Naturen , die man als doppellebig , als eine Verquickung von Derbheit und Schönheit , von Gamaschentum und Faltenwurf , von preußischem Militarismus und klassischem Idealismus ansehen kann . Die Seele griechisch , der Geist altenfritzisch , der Charakter märkisch . Dem Charakter entsprach dann meist auch die äußere Erscheinung . Das Eigentümliche dieser mehr und mehr aussterbenden Schadowtypen war , daß sich die Züge und Gegensätze ihres Charakters nebeneinander in Gleichkraft erhielten , während beispielsweise bei Schinkel und Winckelmann das Griechische über das Märkische beinah vollständig siegte . Bei Hensel blieb alles in Balance ; keines dieser heterogenen Elemente drückte oder beherrschte das andere und die Neuuniformierung eines Garderegiments oder ein Witzwort des Professor Gans interessierten ihn ebenso lebhaft wie der Ankauf eines Raphael . Seine Begabung , wie schon hervorgehoben , war eine eminent gesellschaftliche . Das bewies sein Leben bis zuletzt . Er exzellierte am Festtisch , war ein immer gerngesehener Gast , heiter , gesprächig , jedem Scherze zugeneigt , und zugleich doch voll jenes feinen Ehrgefühls , das , während es selber die Grenzlinie wahrt , die Linie des Schicklichen stillschweigend auch von andern gewahrt zu wissen verlangt . So schrieb er , als er bei bestimmter Gelegenheit sich verletzt glaubte , folgendes an Graf B. : » Gesellschaftliche Demütigungen sind das verletzendste , was es gibt ! Du weißt , daß ich Standesunterschiede ehre und liebe , ihnen auch gern die äußere Anerkennung zolle ; allein der Höhere , der mich durch Annäherung ehrt , muß auch die Überzeugung fühlen , daß ich meine eigene unantastbare Ehre habe . Nur diesem festen Gange meines Lebens , nie andringend , aber auch nie schmiegsam zurückweichend , hab ich wohl das reiche Maß von Huld und Güte zu danken , welches mir bisher geworden ist . Und wie ich war , werd ' ich bleiben . « Er war heiter und gesprächig , so sagt ' ich . Die Anekdote , der Toast , der Versebrief , das Gelegenheitsgedicht , – alles war ihm untertan . Seine eigentliche Meisterschaft aber , zugleich seine vollste Eigenart , zeigte er auf dem Gebiete des Impromptu . Hier feierte er seine größten und entschiedensten Triumphe . » Bin Onkel Bonbonkel ... « » Da kommt Abeken im Trabeken « – in solchen plötzlich aufschießenden Reimen war er groß und das geschickte Operieren mit einem epigrammatisch zugespitzten Calembourg verstand er besser als einer . Er war kein Dichter , aber man hätte ihn » Wilhelm den Reimer « nennen können . Eine Sammlung dieser » geflügelten Worte « , wenn es möglich wär ' eine solche noch nachträglich zu veranstalten , würd ' ein Witz- und Anekdotenbuch und zugleich eine Personen- und Charakterschilderung aus dem zweiten Viertel dieses Jahrhunderts sein . Von gesellschaftlicher Bedeutung war auch seine Kunstweise , zumal wenn wir von der Zeit absehen , wo er noch unmittelbar unter dem Einfluß Italiens und der großen Meister stand . Was er in der Gesellschaft und für die Gesellschaft schuf , das wird unter allem , was er künstlerisch geleistet , das Dauerndste sein . Es sind dies seine während eines Zeitraums von vierzig Jahren entstandenen Porträts , die , soweit meine Kenntnis reicht , eine in ihrer Art einzig dastehende Sammlung bilden . Diese Sammlung , in Händen seines Sohnes Sebastian H. befindlich , besteht aus siebenundvierzig Jahresmappen , die in einem alten Schildpatt- oder Bouleschranke aufbewahrt werden und die ganze obere Hälfte desselben füllen . Schon die bloßen Mappendeckel bilden eine Sehenswürdigkeit . Bekanntlich gab es in früheren Jahrhunderten auch eine Buchbindekunst , und einer solchen halbuntergegangenen Kunstepoche scheinen diese Mappen anzugehören . Sie sind alle verschieden in Farbe wie Stoff ; Samt , Seide , Maroquin wechseln ab ; das Vergilbte und Verschossene kleidet ihnen gut ; die Goldverzierungen sind schön erhalten ; einzelne tragen auf dem oberen Deckel ein Mosaikbild oder eine Gemme . Darunter ein geschnittener Onyx von der Größe einer Damenuhr , die Entführung der Europa darstellend . Ebenso schön wie wertvoll . Diese siebenundvierzig Mappen nun , die von 1815 bis 1861 reichen und je nach der Jahresausbeute dünn oder voluminös sind , enthalten nicht weniger als 1027 Porträtköpfe . Man darf sagen , alles oder doch fast alles , was in diesem langen Zeitabschnitt in ganz Mitteleuropa zu Ruhm und Ansehen gelangte , das gibt sich hier ein Rendezvous . Gruppieren wir den Gesamtinhalt nach den Nationalitäten , so finden wir , außer ungezählten Deutschen , 52 Engländer , 43 Italiener , 31 Franzosen , 17 Russen und Polen , und in Einzelexemplaren gesellen sich ihnen zu : Griechen , Fanarioten , Rumänier , Montenegriner , selbst ein indischer Fürst und ein Mexikaner . Lassen wir die Scheidung nach Nationalitäten fallen und gruppieren statt dessen nach Beruf und Lebensstellung , so geben die Mappen , unter Ausschluß der Fürstlichkeiten , die das stärkste Kontingent stellen , folgendes an Ausbeute : Dichter , Gelehrte , Schriftsteller 89 ; Architekten , Maler , Bildhauer , Komponisten 62 ; Staatsmänner und Generale 41 ; Schauspieler und Sänger