lieblichen Reiz ... Die Bildung tief , tief vernachlässigt ... Ja , mein Sohn , das ist entsetzlich ... Aber ihr Charakter sanft , leider freilich - versteckt und - von jener Zurückhaltung , die mir , du weißt es , an den Katholiken so peinlich ist ... Nichts Offenes , nichts Ehrliches ... Sie versichern dich der größten Freundschaft und du gewinnst kein Vertrauen ... Das große Priestergeheimniß hat sie alle mit umstrickt ! ... Man glaubt , sie lebten in dem , was wir sie täglich treiben sehen - aber es umspinnen sie ganz andere Dinge ... Paula heilt noch immer und segnet Kissen und Amulete , aber sie sagt , daß sie selbst nicht mehr daran glaube ... Die Geistlichkeit wünscht ihre Visionen nicht , da sie merkwürdigerweise - nicht katholisch sind ... Monika sagte mir , es gäbe eine Partei , die heimlich dahin wirkte , sie für eine Besessene zu erklären ... Das ist Aberglaube ... Aber die Macht des bösen Feindes bleibt groß ... Wenn ich je an seine umgehende Macht und die Verschmitztheit des Teufels geglaubt habe , war mir ' s manchmal beim Anblick - dieser unstäten , irrenden , versteckten - Augen ... Mutter ! unterbrach Graf Hugo die von ihren in Westerhof empfangenen Eindrücken aufgeregte Greisin ... Ich will das jungfräuliche Kind nicht anklagen - sagte die Mutter , fuhr aber ganz wie die heilige Hildegard fort : Glaubst du nicht , daß der Teufel auch die Gestalt der Engel annehmen kann ? ... Doch - lenkte sie dann ein , ich klage die Comtesse nicht an und theile Monika ' s Meinung , daß die Ehe das alles ändere ... Aber ein Ja ! ein Nein ! von Paula selbst , von diesen halben Menschen , diesem Levinus , dieser Benigna zu gewinnen , war unmöglich ... Kurz vor dem Tage , wo ich die letzte Entscheidung wünschte , bekam ich endlich ein offenes Wort ... Aber - rathe , woher ? - Aus London - von Armgart ... Der Graf nahm einen Brief entgegen , den die Mutter den ganzen Tag auf ihrem Herzen getragen zu haben schien ... Seufzend zog sie ihn hervor und entfaltete ihn mit den Worten : Dieser Brief ist ein trauriger Beleg für die Verstockung der Gemüther durch das Papstthum ... Graf Hugo nahm den Brief und las , nachdem er über die noch unfertige Handschrift wie die eines Kindes und die mit derselben so in Widerspruch stehende Wichtigkeit des Inhalts mit schmerzlicher Miene gelächelt hatte ... » Liebes Großmütterchen ! « schrieb Armgart ... Die Gräfin unterbrach : Ich wiederhole dir , daß dies , ich kann wol sagen , liebenswürdige Kind zwar mit den Engländern und namentlich mit Lady Elliot auf dem gespanntesten Fuße lebt , sich aber an mich , ich kann sagen , wie ein Hündchen angeschlossen hat - Ja , das Wort paßt ganz ... Die hohe Begeisterung , die ich für ihre Aeltern empfinde , namentlich für ihren Vater , den ich fast höher stellen muß , als Monika - Oder ist es blos meine Reue , daß ich ehemals Terschka ' s Bewerbung unterstützen konnte ? ... Genug , Armgart liebt mich wie ihre Großmutter , erträgt alle meine Vorwürfe , murrt und knurrt dann wol ein bischen - ist aber gleich wieder gut ... Doch lies ! ... » Liebes Großmütterchen ! « wiederholte der Graf ... » Wie sehr ich Dich liebe und wie ungern ich mit Dir streite , weißt Du ! Porzia soll Dir « - Porzia , erläuterte die Mutter , ist in Witoborn geblieben bei jenem Hedemann , der sich mit ihr in einen Briefwechsel einließ , ihr zu meiner Ueberraschung eine italienische Bibel schenkte und sie heirathen wird - ein Mensch , der mir so gefallen hat , daß ich ihn auf Castellungo besitzen möchte ... Frâ Federigo würde seine Freude an ihm haben ... » Porzia soll Dir den Brief nur geben , wenn Du Dich wohl fühlst « , fuhr der Graf zu lesen fort . » Sind dann die Berge und dunkeln Wälder meiner Heimat um Dich und die guten treuen Menschen , wie es deren in ganz England keine gibt , so verzeihe mir , daß ich , ein Kind , in so ernste Dinge hineinzureden wage ... Leider kenne ich ja schon alles , was Gattinnen , Mütter und Mädchen im Leben zu dulden haben . Meine Haare sind mir im Geist schon so grau wie der Mutter . Ich bin weiter , als die jungen Ladies Elliot , die vor jedem Mann noch roth werden - müssen ! ... Sage : müssen - Sie suchen alle mit Eifer , was ich bereits aufgegeben habe ... Meine siebzehn Jahre haben wie welke Blüten schon Samen der Erkenntniß hinterlassen ... Geprüfte Seelen suchen nicht mehr für sich das Glück ... Auch Paula sucht nicht für sich das Glück ... Aber klare Rechnung haben macht den Gentleman ! sagt der garstige dicke Koch Deiner Lady , der sie genug betrügt - « Ich höre die Mutter des Kindes ! sprach der Graf lächelnd , doch durch seine Stimmung geneigt , zu überschlagen ... Selbstgerechtigkeit ! warf die Mutter ein ... » Daß Ihr Euch der Urkunde unterwerft « , las der Graf weiter , » ist schön von Euch ! ... Terschka rieth Dir noch vorgestern , sie durch einen Proceß anzuzweifeln ... Das konnte nur ein ehemaliger Jesuit rathen ... Das ist das Schlechte an den Jesuiten , daß sie so klug und pfiffig sein wollen , wie eben die Zweifler auch ... Glaube mir , unser himmlischer Vater hat auch für den katholischen Glauben vielerlei Wohnungen ... Katholisch und katholisch ist ein Unterschied ... Wir Rechtgläubigen seufzen genug über viele unserer Priester und möchten sie , besonders wenn sie so recht tabacksschmutzige blaue Sacktücher , grobe Pfundsohlen an den Stiefeln und harte Hände vom Heufahren und Mistabladen in ihren Höfen haben , fast hätt