Wagen rollen hörte . Er fuhr rasch von der Gegend des Amtshauses herunter und die Frau Pfarrerin , die mit weiblichen Arbeiten beschäftigt am Tische saß , behauptete , es müßte Herr Ackermann sein . Der Wagen hielt vor dem Pfarrhause . Die Kinder sprangen hinaus . Es war Ackermann , Selma , Fränzchen und die kleine Clara Stromer , die mit einem Korbe in ' s Haus traten . Guten Abend , ihr Kinder . Guten Abend , Herr Oleander ! Guten Abend , Herr Wildungen ! So still hier ? Kein Jubel ? Keine blechernen Trompeten ? Keine Trommeln ? Und schon hatte Selma den Korb , den Fränzchen trug , aufgedeckt und trommelte auf einem kleinen Tambourin , und Clara , die in das Geheimniß eingeweiht war , zog Hedwig und Waldemar heran , um ihnen die übrigen Herrlichkeiten zu zeigen . Es ist St.-Niklastag , sagte Oleander , glücklich durch den unerwarteten Besuch . Siegbert besann sich auf diesen Tag , an dem er in seiner Kindheit immer schon eine Vorfreude der Weihnacht genossen und erinnerte sich seines guten Vaters , der in einem nach außen gekehrten rauhen Pelzschlafrocke und verhüllten Kopfe den Niklas spielte . Zu Denen , die solche alte Sitten und Unsitten aus zärtlicher Schonung der » lieben Kleinen « verwarfen , gehörte er nicht . Siegbert gedachte wehmüthig der Angst , die die Mutter hatte , wenn sie beteten und sich nicht recht klar werden konnten , ob sie sich wirklich zu fürchten oder nur so zu stellen hätten ; denn der Vater war ja wol sogleich erkannt . Selma erzählte den staunenden und über die kleinen Geschenke jubelnden Kindern , sie hätte alle diese Sachen vom heiligen Nikolaus bekommen und fragte dann : War er denn noch nicht da ? Er sagte doch , er wollte heute alle Kinder besuchen und sehen , ob sie geschickt wären und beten könnten ? Auch den großen Kindern da , Herrn Siegbert und Oleander , drohte er mit der Ruthe ! Gott sei Dank , er kommt wol nicht . Indem pochte es aber draußen an der Hausthür donnernd . Die Kinder horchten erschrocken auf ... Als Ackermann , der mit väterlicher Freundlichkeit auf den Scherz einging , bemerkte , ob Das wol der Niklas wäre , und das Pochen sich wiederholte , wollten sie sich verstecken . Wer geht hinaus und öffnet ? Die Frau Pfarrerin hatte keinen Muth ; der räthselhafte Ankömmling klopfte so stark , daß sie zitterte . Oleander , der gespannt war , was da kommen sollte , ging und öffnete . Sogleich hörte man auf dem Vorplatz eine gewaltige Klingel schellen und eine hohle rauhe Stimme rufen : Sind hier Kinder ? Wie die Kinder dies bezügliche Wort hörten , wollten sie sich hinter der Mutter verstecken . Oleander erschrak selbst über den mit Ackermanns einverstandenen , ihm aber nicht erkennbaren Besuch . Die Thür ging auf und eine tief in Pelzwerk gehüllte und wol mit einem gebrannten Korke schwarzbemalte Figur trat herein . Der Kopf war von Damenshawls wie mit einem Turban überwunden . In der Hand trug der Wilde eine große Ruthe aus Besenreisern und in der andern einen Sack . Die lange Stange hatte er draußen stehen lassen . Ernst blickte sich der unheimliche Gast im Zimmer um . Selma , um seinen Scherz zu unterstützen , schrie und lief sich zu verstecken . Du schon wieder da ? sagte der Niklas und rannte ihr mit der Ruthe nach , um ihr auf die Finger zu klopfen . Die Kinder wagten kaum hinter der Mutter hervorzukriechen . Nur Waldemar war etwas kecker und wollte den Niklas am Pelze zupfen . Da hatt ' er einen Schlag auf die Finger weg . Zugleich warf aber der schlimme Heilige doch aus seinem Sacke Nüsse , Äpfel , Lebkuchen in Fülle . Das lockte die Kinder , aber so wie sie etwas erhaschen wollten , setzten sie sich der großen drohenden Ruthe aus ... Der Kleinste , Oskar , weinte . Hedwig nahm sich seiner an und suchte den Zorn des Niklas durch ein Gebet zu beschwichtigen , das sie rasch herstammelte . Da sagte der Niklas mit einer rauhen , Siegbert und Oleander und der Frau Pfarrerin völlig unbekannten Stimme : Seid ruhig , ihr Kleinen ! Ich weiß , daß ihr beten könnt und geschickt seid ! Auf die großen Kinder ist es abgesehen . Hier ! Da versteckt sich ein rechtes altes Kind , das sich in der Welt herumtummelt , die Schule und das Elternhaus schwänzt ... Wart ' , Gesell ! Sag ' deine Lection her ! Damit hatte der Niklas Siegberten so eingeschlossen , daß dieser in der That vor der Ruthe sich nicht bergen konnte . Siegberten war es , als sollt ' er trotz der Verstellung die Stimme kennen . In der Eile rieth er hin und her . Aber der Niklas ließ ihm nicht Zeit zu fragen , sondern verlangte einen Spruch . Siegbert warf den ersten besten Schulvers hin . Der Niklas sagte : Siehst du , trivialer Schulschwänzer , Besseres kannst du nicht ? Treibst dich herum , jagst Nebelbildern nach und vernachlässigst die Ölfarbe ! Schäme dich , Portraitklexer ! Jetzt gewann Siegbert einen Paß , dem seltsamen Niklas zu entwischen , der nun Oleandern vornahm . Oleander unterstützte die Vermuthung der Frau Pfarrerin und der Kinder , daß dies wol gar der Vater wäre , Guido Stromer selbst , der die Seinigen zur Weihnachtszeit überraschen wollte . Ach wie schlug der verlassenen Frau das Herz ! Sollte er ' s sein ? Guido ? Aber seine Stimme ist nicht so rauh ! Dieser Humor nicht im Mindesten von seiner Art ! Aber vielleicht hat sich sein Wesen in der Stadt geändert ? Er ist fröhlicher geworden ? Kinder , seid artig , betet , es ist der Vater ! Der Niklas verfolgte Oleandern , dessen lange Figur sich beim Entschlüpfen komisch genug ausnahm und wirklich