juge veritable ! ... Die schnelle Abreise Benno ' s von Asselyn verdroß die Mutter ... Sie wich den Fragen des Sohnes um Paula ' s Erklärung noch aus ... Sie sagte ihm : Du sollst alles hören ... Nur erst Sammlung und meine langvermißte Ordnung ! ... Inzwischen sprach sie doch schon zu Hugo und den vielen Besuchenden , zu den lutherischen Geistlichen und Glaubensgenossen , die sie sogleich begrüßten , von ihrem Leben bei Lady Elliot , von den Anstrengungen des Papismus , in England wieder Grund und Boden zu fassen , von den englischen Bischöfen , die leider irdische Machthaber geblieben wären und ein Verlangen trügen nach ungeistlichem Einfluß , von einem verblendeten Lehrer in Oxford , Professor Pusey , der ein System aufgestellt hätte , das auf halbem Wege den römischen Irrthümern entgegenkäme ... Dennoch schloß sie : Es ist eine Freude , den Ernst der Engländer zu sehen ... Die Frauen sind voll Muth und Charakter ... Sie beherrschen die Männer , das ist wahr , aber sie beherrschen sie zum Guten - Wofür sich in dieser Welt das Gefühl der Frauen ausspricht , das kann vielleicht auf einem Irrthum beruhen , aber dieser Irrthum schändet nicht ... Muthig sprach sie in ihren eigenen Zimmern und bei den ersten Besuchen , die sie empfing : Seit der Veranstaltung der Jesuiten , meinen Sohn durch Terschka dem Glauben seiner Väter abwendig zu machen , haben wir doppelt Ursache , jeden Schein der Anhänglichkeit an die Irrlehre zu vermeiden ... Gräfin Paula verlangt glücklicherweise von unserer Seite keine Annahme ihrer Religion ... Ja , wandte sie sich zu einem lutherischen Geistlichen , Terschka lag zerknirscht zu meinen Füßen ... Im ersten Augenblick verstand ich nicht , was er mir zu offenbaren hatte ... Ich alte Frau zitterte ... Auch haß ' ich schon an sich die Bezeigung einer Ehrfurcht , die nur Gott gebührt ... Ich betete zum Herrn um Kraft , Terschka ' s Geständnisse zu hören , setzte mich nach Fassung ringend in einen Sessel und hörte nun alles , was mit jener an diesem Unglücklichen bekannten anziehenden Beredsamkeit von seinen Lippen kam ... Da konnte ich wol anfangs vor Zorn ausrufen : » Der das Ohr gepflanzet hat , sollte der das nicht hören und strafen ! « ... Nun aber kam ein reuiges Geständniß ; der Entschluß , auf Englands freiem Boden zu bleiben , seine Irrthümer abzuschwören und zu unserm lebendigen Glauben überzutreten ... So verherrlicht sich Gott in seinen Verächtern ... Graf Hugo theilte diese andauernde Befangenheit für Terschka nicht ganz , behielt aber seine Zweifel an Terschka ' s Aufrichtigkeit für sich ... Er war des Streitens müde ... Der Abend bot die stille trauliche Stunde , in der sich die Gräfin über die Ergebnisse ihres Aufenthalts in Westerhof aussprechen konnte ... In einem hohen , mit Sesseln überfüllten Rococozimmer hatte das Theewasser auf der Maschine zu sieden begonnen , als die Gräfin begann : Mein Sohn , von Paula von Dorste , diesem seltsamen Wesen , trennt mich allerdings mehr , als ich wünschen möchte ... Graf Hugo ' s Ahnung von neuen Hindernissen schien bestätigt zu werden ... Ich fand , fuhr die Mutter fort , ein Wesen , das leider nur zu sehr ihrem Ruf entspricht ... Als ich Westerhof besuchte , war gleich die erste Begegnung entscheidend ... Die Tante Benigna , dann unsere herrliche , nur zu geisteshelle , winterlich helle Monika , die dich herzlich grüßen läßt , der Oberst , auch eine treffliche Persönlichkeit , Onkel Levinus , auch eine gute , nur etwas wunderliche Seele , alle begrüßten mich herzlich und voll Vertrauen - nur Paula war wie die verschüchterte Taube ... Sahst du nie eine ihrer Visionen ? fragte Graf Hugo ... Nie ! entgegnete die Mutter ... Mit meiner Ankunft hörte der Spuk auf ... Ich kann dir nicht leugnen , daß sie während der ganzen Zeit meiner Anwesenheit krank im Bett lag ... Ja , als ich hören mußte , daß meine Persönlichkeit , ich , ich allein es wäre , die ihr Schmerzen verursachte , gerieth ich außer mir ... Man nannte eine frühere Erzieherin von ihr , die ganz ebenso auf sie gewirkt haben soll ... Die Nähe eines Wesens also , das ihren Irrthümern widerstrebt , verursacht ihr Schmerzen ! ... Zur Linderung ihrer Leiden berief man von Witoborn den Obersten , der mit wenigen Handstrichen sie auf Stunden beruhigte ... Graf Hugo stand in großer Erregung auf und machte einige Gänge im Zimmer ... Die Mutter fuhr fort : Glücklicherweise beherrscht Monika das Schloß ... Ich schrieb dir schon , sie hat den Muth gehabt , Armgart , von der du meine Schilderungen kennst , nach England zu schicken , um dies liebe Kind aus der düstern , Verstand und Herz vergiftenden Atmosphäre jener Gegend zu entfernen ... Besonders aber auch , vertraute sie mir - o wie lieb ' ich unsre Monika - deshalb , um auf Paula Armgart ' s Einwirkung zu hindern ... Denn wunderlich ist auch dies Kind ... Was wir allenfalls erreicht haben , hat Monika allein vollbracht ... Allenfalls erreicht ? wiederholte der Graf mit Befremden und Unmuth ... » Alle eure Sorge werfet auf ihn ; er wird es wohl machen ! « sagte die Mutter ... Ich war vierzehn Tage in Westerhof ... Comtesse Paula blieb und blieb krank ... Ich sah sie nur zweimal in Toilette , bei der ersten Begrüßung , der sogleich die Krankheit folgte , und einmal , als die magnetische Behandlung durch den Obersten von besonderer Wirkung gewesen ... Sie ist sehr schön ... Kein Bild von ihr ? ... In jener Gegend malt man nur die Heiligen , mein Sohn ... Ein Kinderporträt wollt ' ich nicht mitbringen , da es nicht mehr ähnlich ist ... Sie ist schön , sag ' ich dir ... Hoch und schlank und in allen Gesichtszügen edel ... Augen , Haar , alles von einem