Maria vom Gestade « , zur Schifferkönigin Maria - zur Schutzpatronin aller im - Hafen Eingelaufenen gebetet werden sollte ... Der Chorherr drückte ihm zusagend die Hand ... Der Postillon schwang sich auf den Sattel des Handpferdes , Benno rückte seine Depesche dahin , wo sie nach dem Bedeuten des Hofraths für seine Gesundheit am vortheilhaftesten lag , der Conducteur setzte sich neben ihn ... Schon waren die funkensprühenden Schläge der sechzehn Rosseshufe auf dem Straßenpflaster verhallt , noch stand der Chorherr träumerisch sinnend auf seinen Bambusstab mit elfenbeinernem Griff gestützt , dem Wagen nachblickend - da kam ein Fiaker angebraust , aus dessen Schlag Principe Rucca und ein weiblicher Kopf sahen ... Das Portal der Fahrpost wurde eben geschlossen ... Pater Grödner stand schon zu fern , um die , wie es schien , heftigen Zornausbrüche der Italienerin zu hören ... Lächelnd über die Jugend , über den Ehrgeiz , über Menschen , die Liebe finden dürfen und sie nicht mögen , kehrte er zurück in seine stille Klause ... Die Bleistiftgrüße an Angelika Müller wollte er erst couvertiren , falls sein Versuch , sie ihr persönlich einzuhändigen , mislingen sollte ... Indessen stand noch ein anderer junger dicker Mann athemlos und verzweifelnd an der Posthofthür ... Harry Zickeles kam zu spät - mit seinem Album . 11. Glocken riefen nicht zu den Hochämtern , die in » Maria zur Stiegen « zum Gedächtniß Angiolina ' s gehalten wurden ... Nicht brauste die mächtige Orgel vom Chor , als ihre Seele der Gnade und Verzeihung des Himmels empfohlen wurde ... Still und geheimnißvoll sind schon an sich diese Trauermetten , die vor einem kleinen dunkeln Nebenaltar abgehalten werden , denen nur Anverwandte beiwohnen ... Hier trat die Rüge des geistlichen Gerichts ein ... Kaum daß die Austheilung jener kleinen Zettel gestattet wurde , die in katholischen Landen den Vorübergehenden mit einem Liebesblick in die Hand gesteckt werden , der sie auffordert , für die abgeschiedene , wenn ihnen auch völlig unbekannte Seele ein gedrucktes Gebet zu lesen ... Therese Kuchelmeister hatte diese Zettel sorgsam ausgewählt ... Hundert Exemplare eines für diese Fälle in den Kunstläden vorräthigen kleinen Bildes , drei Cherubim darstellend , von denen der eine das Jesuskind mit der Friedenspalme trägt , die beiden andern ein Kreuz und eine Dornenkrone - das Jesuskind lächelt , die drei Engel weinen - Auf der Rückseite ließ sie aufdrucken : » O Erschaffer und Erlöser aller Gläubigen , verleihe der dahingeschiedenen Seele deiner Dienerin Angiolina Pötzl vollkommene Verzeihung und Nachlassung aller Sünden , damit sie , von den Schmerzen des Fegfeuers befreit , dich als ihr letztes Ziel anschauen , lieben und in alle Ewigkeit loben und preisen möge ! « ... Das feierliche Requiem Biancchi ' s , Instrumentation von Dalschefski , das sich ein Gesangverein mit Hinzuziehung Theresens und Jenny ' s auszuführen erboten hatte , wurde nicht gestattet ... Unter großem Menschenzulauf hatte das Begräbniß auf dem stillen Dorffriedhof bei Salemhof stattgefunden ... Hier war es , wo sich ein junges Mädchen , einen Korb voll Blumen in der Hand , über den Sarg warf und ihren Schmerz in Worten Luft machte , die niemanden störten , ob sie gleich nicht von Seraphschwingen und Cherubsarmen sprachen , sondern einfach lauteten : Hier ist ' s nun aus , du armer Narr ! Bist auf Erden viel gehanselt worden ! Aber der gute Gott da oben wird schon wissen , wo er auch für dich noch ein Platzt hat ! ... Therese Kuchelmeister überwachte alle die , die sich bei den in der Stadt von ihr bestellten und bezahlten zwölf Seelenmessen einfanden oder einzufinden versäumten ... Luigi Biancchi kam nur einmal und erntete dafür die Bezeichnung eines » Ungeheuers « von Undankbarkeit , da Angiolina die Musik der Italiener liebte ... Dalschefski , den die Nichtaufführung des Requiems wegen des in diesen Tagen außerordentlich erregten Biancchi , der dadurch eine Zerstreuung würde gehabt haben , verdroß , mußte dafür täglich anwesend sein ... Auch Herr von Pötzl versäumte nicht seine Schuldigkeit zu thun ; zu dem Ruf , den er anstrebte , gehörte die strengste Unterwerfung unter alles , was Gefühl und Gemüth mit sich bringen ... Nicht auffallend war die jedesmalige Anfahrt eines vornehmen Wagens , aus dem die ersten drei male zwei Damen in tiefster Trauer stiegen und der Messe beiwohnten ... Therese nannte das die kleinste Schuldigkeit der » Mörderin « ... Zuletzt kam nur noch die ältere Dame allein ... Diese fehlte nie ... Erst am Tage nach dem Begräbniß traf des Grafen Hugo Mutter ein ... Auf ihrer Rückreise war sie aufgehalten worden ... Sie hatte in Nürnberg einer Versammlung der dortigen Bibelgesellschaft beigewohnt ... Unterwegs schon erfuhr sie vom Tod Angiolinens ... Ihre Liebe zum Sohn ging so weit , daß sie diesen Verlust wie ihren eigenen fühlte ... Sie sah vorzugsweise nur Hugo ' s bei noch so jungen Jahren schon so väterlich empfindendes Herz betheiligt ... Als der stattliche Mann an ihrem Halse einen Augenblick festhing und Thränen in seinem Auge blinkten , unterließ ihre Rede nichts , was seinem Schmerz wohlthun konnte ... Sie erkundigte sich nach allen nähern Umständen des rührenden Abscheidens , verwies es aufs strengste jedem der Diener , der etwa ergänzende Berichte geben wollte , die auf Selbstmord schließen ließen ... » Richtet nicht , daß ihr nicht gerichtet werdet ! « ... Dies Wort sprach sie auch später noch mancher vornehmen Dame auf der Herren- und Wallnergasse ... Im Herauskehren seiner geheimen Gedanken ist gerade die vornehme Welt nicht so behutsam , wie wir glauben ... Majestäten , Hoheiten , Excellenzen sprechen , namentlich in Oesterreich , ihre Stimmungen ebenso offen aus , wie sie die geringe Welt zu verbergen pflegt ... Man besprach schon beim ersten Besuch die Angelegenheiten des Grafen , verlangte Nachrichten von der bevorstehenden Heirath , verurtheilte das » horrible Benehmen des Terschka « und gab der stolzen Gräfin Gelegenheit , ihr Wort öfter zu wiederholen : Dieu est le