einem alten Kreishauptmann im sächsischen Kurkreise , Herrn Christian Wilhelm von Thümen , dessen Porträt von zwei Engeln gehalten wurde . Weiter unterwärts erblickten wir eine sich in den Schwanz beißende Schlange , mit dem inschriftlichen Zusatze , » daß seine Ehe mit Sabine Hedwig von Schlieben durch achtzehn Kinder gesegnet worden sei . « Wenn uns nun hier ein an Erzvater Jakob erinnernder Segen entgegentrat , so gemahnten dafür andre sich vorfindende Denkmäler : ein Grabstein und eine Schilderei , mehr an Abraham und Sarah . Auf dem Grabsteine lasen wir freilich nur die Worte : » daß Anna von Schlabrendorf , Kuno von Thümens ehelich Gemahl in Kindesgeburt gottselig entschlafen sei « , das Bildnis aber vervollständigte diese kurze Mitteilung in einem ihm angefügten Reimspruche : Hier liegt begraben ohne Qual Kuno von Thümens ehelich Gemahl , Die tugendsame Frau Anna gut v. Schlabrendorf das edle Blut , Welche gegeben war von Gott Dem Kuno von Thümen bis an den Tod . Als ihm eine Tochter sie gebar , Zählte sie siebenundsechzig Jahr . Am ersten Jännertag es war . Sei ihr gnädig Herr und Gott Und helf auch uns aus aller Not . So wenig befriedigend diese Reime sein mögen , so trefflich ist das Bild , unter dem sie stehen . Es ist gute Lucas Cranachsche Schule . Nach Sitte der Zeit Sündenfall , Gesetzgebung , eherne Schlange , Kreuzigung und Auferstehung , alles dicht nebeneinander stellend , gibt es auf engem Raume den Hauptinhalt der christlichen Heilslehre . Dies Bild , zum Gedächtnis Anna von Schlabrendorfs gemalt , ist , wie das künstlerisch beste , so auch das interessanteste , was die Kirche bietet . Keineswegs aber ist die Reihe der Sehenswürdigkeiten und Erinnerungsstücke damit abgeschlossen . In einer Ecke , beinah unmittelbar über dem vorerwähnten Grabstein , hängen Schwert und Sporen 57 eines längst heimgegangenen von Thümen , und in der Höhe des neuerbauten Turmes befinden sich die durch den ganzen Thümenschen Winkel hin bei jung und alt bekannten » Glocken von Blankensee « , daran allerlei Sagen anknüpfen , wie an den Kapellenberg . Es war um die vierte Stunde fast , als wir aus dem Kirchhofstor wieder in die Dorfgasse hinaustraten . Hier hatte sich inzwischen das Bild verändert : die Stille des Sonntagvormittags war hin und die Heiterkeit des Nachmittags hatte begonnen . Um die Dorflinde drehte sich das junge Volk im Ringelreihen und die Dirnen – wie immer tanzlustiger als das männliche Element – deckten jedes Defizit durch Anleihen bei sich selbst . Wir sahen auf das fröhliche Treiben und hätt ' uns jemand die Ehre angetan , wir hätten ' s wohl auf jede Gefahr hin selber noch gewagt . Aber die Versuchung blieb aus und unser Wagen fuhr vor . Und nun mahlten wir wieder durch den Sand . Eine Weile noch , wenn wir uns umsahen , sahen wir die springende Bewegung und die roten Tücher . Dann aber kam eine Biegung des Weges , alles was Bild gewesen , war hin und nur die Posaunen markierten noch den Takt und erzählten uns von dem lustigen Volk in Blankensee , » der Residenz des Thümenschen Winkels « . Trebbin Wilhelm Hensel Wilhelm Hensel Wenn zwei Lose vor uns legt , ein Beschluß der Zeit , Schwer ist ' s , wirklichem Ruf folgen und falschen fliehn ! ... * Sieh , dich lockten indes heimische Triebe bald Fernhin ( wo in des Nords Winter ein edler Fürst Aussät ein Athen des Geistes ) An die skytische , kalte Spree . Platen Wilhelm Hensel wurde den 6. Juli 1794 zu Trebbin geboren , wo sein Vater an der dortigen Marienkirche Geistlicher war . Schon einige Monate später übersiedelte man von Trebbin nach Linum , in dessen Pfarrhause wir denn auch unsern Wilhelm Hensel während seiner Knabenjahre zu suchen haben . Allen erforderlichen Unterricht gab ihm der Vater und bracht ' ihn , gut vorbereitet , auf die Bergakademie . Das war 1809 . Dem schon damals geäußerten Wunsche des Sohnes , sich der Kunst widmen zu dürfen , hatte der Vater nicht nachgeben wollen . Das Talent W. Hensels war aber zu ausgesprochen , als daß die Laufbahn , auf die seine Natur ihn anwies , ihm dauernd hätte verschlossen bleiben können . Seine eigenen Vorgesetzten ermunterten ihn , in seiner Beschäftigung mit den Künsten auszuharren , und als er bei bestimmter Gelegenheit ein Blatt in Wasserfarben ausführte , das innerhalb weniger Stunden eine ganze tropische Landschaft vor aller Augen hinzauberte , drang der Direktor des Instituts in ihn , das Bergfach aufzugeben und Maler zu werden . 58 Den Widerstand des Vaters , der auch jetzt noch fortdauerte , brach endlich der Tod . Pastor Hensel starb 1811 und unser Wilhelm Hensel war nun Maler . Er studierte Anatomie und Perspektive , zeichnete nach der Antike und dem lebenden Modell und bewährte sich als so tüchtig , daß er schon 1812 die Kunstausstellung ( die erste , die in Berlin überhaupt stattfand ) beschicken konnte . Der Frühling 1813 unterbrach die kaum begonnene Laufbahn . Von Jugend auf voll patriotischen Eifers , folgte er dem » Aufruf « und trat in das eben errichtete Garde-Kosaken-Regiment ein . Ein kleines Gouachebild , im Besitz der Familie , stellt ihn blondlockig unter einem schwarzen Barett in dieser phantastischen Uniform dar . Er machte in dem genannten Truppenteile , der sehr bald in Namen und Erscheinung sich borussifizierte , die Schlachten bei Lützen und Bautzen mit , trat dann zu den freiwilligen Jägern über , nahm teil an den Kämpfen des Yorkschen Korps und war unter denen , die zweimal in Paris einzogen . 1815 als Offizier . Hier war es auch , wo er in den Bildersälen des Louvre die Bekanntschaft des Grafen Blankensee machte und den Grund zu einem Freundschaftsverhältnis legte , das bis zum Tode fortbestand . Nach dem Friedensschlusse kehrte W. Hensel zu seiner Kunst zurück , freilich auch zu seinen Bedrängnissen . Seit dem Tode