« schrieb er . » Ich erhalte soeben einen Auftrag vom Fürsten Staatskanzler , der mich zwingt , augenblicklich abzureisen ! Ich reise nach Rom und hoffe Sie dort in nicht zu entfernter Zeit zu begrüßen . Wien ist kein Ort , wo die Trauer einen andern Raum findet , als vor den Altären seiner Kirchen . Gedenken Sie in Maria zur Stiegen , wo die Seelenmetten Angiolinens gehalten werden , unserer Rückfahrt von jenem Hause des Schreckens ... Die dunkeln Tannen , die es beschatten , werden selbst im schönen Italien so lange vor meinen Augen stehen , bis ich Sie wiedersehe ... Benno von Asselyn . « Von Olympia sprach er in beiden Briefen kein Wort ... Auch des Straußes , der vielleicht von Olympia kam , mochte er keine Erwähnung thun ... Der Chorherr blieb über die schnelle , nun freilich motivirte Abreise im höchsten Grade verdrießlich ... Unbekannt mit den Empfindungen , die Benno von dannen trieben , schrieb er sie lediglich auf Rechnung des mächtigen Eindrucks , den der große Kanzler denn doch auf den jungen Mann gemacht hatte ... Er mußte ihm Glück wünschen zu einer vielversprechenden Carrière und sagte : Sehen Sie , so mächtig ist nun doch der blendende Reiz eines bei alledem großen Mannes ... Man muß sich ergeben , hört nur noch und staunt und läßt an dem , was man haßt , das Menschliche in seiner vollen Geltung ... Protestiren Sie nicht ! Sie sind jung ! ... Geht es mir denn anders ? Lieb ' ich denn nicht auch mein Land und mein Volk ? So lebt man in einer unglücklichen Ehe und kann sich nicht trennen ... Man weiß , man paßt nicht füreinander , aber es gibt so viel Bindeglieder des Interesses , so viel gemeinschaftliche Sorgen , so viel kleine Aussöhnungen wieder und so kurze Momente des Glücks , daß man immer wieder neue Hoffnungen schöpft ... ' S ist freilich ein Gemüths-Elend , an dem zwei Menschen und - ganze Staaten zu Grunde gehen können ... Benno mußte schweigen ... Er hielt sich an die ihm von den Umständen auferlegte Nothwendigkeit seiner Abreise ... Er ertrug den Schein der Inconsequenz ... Gern übernahm der sich allmälig in die Trennung findende Chorherr die Meldung an den Onkel ... Auch die Besorgung aller der Visitenkarten , die Benno noch zum Abschied zurückließ ... An den Grafen Hugo schrieb Benno Worte , die seiner Stellung und der Situation angemessen waren ... Worte des Trostes und der Hoffnung für die Zukunft ... In das Comptoir der Zickeles mußte er seiner Creditbriefe wegen ... Es war über dem Schreiben , Packen und Expediren seiner Effecten hoher Mittag geworden . Der alte Herr Marcus war eben von der Börse zurückgekommen ... Leo befand sich in einem Comité ... Harry führte einen neuangekommenen Virtuosen ... Den alten Herrn Zickeles überraschte Benno ' s Abreise nicht im mindesten ... Diese Bankiers grüßen ebenso gleichgültig beim Kommen wie beim Gehen ... Nur seine Tochter Jenny bedauerte er ... Sie hätte dem Herrn Baron noch etwas vorsingen wollen ... Eben wäre sie , sagte er , und auch Angelika Müller , der Benno sich so gern noch empfohlen hätte , mit Therese Kuchelmeister an den Ort gefahren , wo sich gestern das Unglück begeben ... Auch Dalschefski und Biancchi hätten sich dazu entschließen müssen ... Der alte Zickeles sah den Vorfall nur in seinen Folgen an und sagte : Das Geschäft wird sich nun machen ... Der Graf ist jetzt in Wahrheit frei ... Es hängt lediglich jetzt alles von dem ab , was die Frau Mutter aus Westerhof mitbringt ... Wir werden ja sehen ... Benno speiste dann noch mit dem Chorherrn , den des jungen Mannes Entschluß nun nicht mehr störte ... Auch der Schein des » Gefesseltseins « nicht ... Er glaubte , wie der Onkel Dechant , an Neuerungen und Besserungen nur infolge großer Erdrevolutionen in der Art der Gletscherbildung ... Gegen vier , wo die Dinerstunde beim Fürsten Rucca war und die Herzogin und Olympia ihn hochklopfenden Herzens gewiß schon in glänzendsten Toiletten erwarteten , besorgte Benno seine Briefe in den Palatinus ... Die Eilposten nach dem Süden gingen um fünf Uhr .... Man mußte sich schon um vier in Bereitschaft setzen ... Der Chorherr begleitete seinen so schnell gewonnenen jungen Freund , der voll tiefster Trauer von dem edeln Manne schied und ihn bat , alle seine Liebe und Güte auf Bonaventura zu übertragen , falls dieser in der That nach Wien kommen und dann vielleicht gleichfalls bei ihm wohnen sollte ... Man plauderte ... Aengstlich zog Benno die Uhr , aus Furcht , noch eine Wirkung seiner Absagebriefe zu erleben . Der Chorherr neckte ihn darum ... Endlich saß er im Coupé , das ihm in der That durch einen Ministerialboten reservirt war ... Schon benutzte er , da der Chorherr nicht gehen wollte , die Pause , die bis zum Schlagen der Abfahrtsstunde so langsam verrinnt , zu einem Abschiedsgruß an Angelika , den er auf einen Zettel seines Portefeuilles schrieb und dem Chorherrn mit einer Andeutung über Püttmeyer ' s Philosophie zu eigenhändiger Besorgung übergab - da kam ein Mann , der hastig nach Herrn von Asselyn fragte , und brachte eine Visitenkarte aus dem Palatinus ... Von Gräfin Olympia ? fragte lächelnd der Chorherr ... Verzeihen , sagte der Lohndiener , Ihre Gnaden die Contessina wollten selbst kommen , aber der Fiaker muß falsch verstanden haben und hat sie und den Prinzen nach der Briefpost gefahren , wo die Courierposten abgehen , aber erst abends ... Die Karte war von Benno ' s Mutter ... Auf der Rückseite stand ein einfaches : Al revedersi ! ... Benno sah , daß er das Rechte getroffen ... Voll Angst horchte er auf , ob nur nicht noch Olympia und ihr Verlobter kämen ... Er bat den Chorherrn , der » armen Seele « zu gedenken , für die zwölf Tage lang in dem schönen Kirchlein »