die volle Integrität des Gewächses , so konnten dreißigtausend Gulden auf dem Spiele stehen ... Es thut mir leid , sagte der Fürst in freundlicher Laune beim Zurückkehren in das vorher von ihnen eingenommene Zimmer , daß ich meine Einladung , mein Gast zu sein , nicht auch an Sie richten kann , Herr Baron ! Die Aufgabe , die ich Ihnen vorschlage und der Sie , wenn auch nur Ihrer Reisekasse wegen , da Sie doch nach Italien wollen , sich immerhin unterziehen sollten , bedingt eine sofortige Abreise ... Um fünf Uhr Nachmittag geht die Eilpost ... Sie brauchen sich nur der Post zu bedienen ... Von Triest aus müssen Sie über Ancona zur See ... Das ist unerläßlich ... Nach einem halben Jahr kommen Sie auf demselben Wege - ich meine , ohne Ihrer eigenen Kasse wehe gethan zu haben - zu uns zurück und ich werde begierig sein , Ihre römischen Eindrücke zu vernehmen , falls Sie nicht vorziehen sollten , sie mir sogleich direct oder an die Allgemeine Zeitung zu schicken ... Wählen Sie für erstem Fall die Adresse eines unsrer Großhandlungshäuser ... Versteht sich , bald diese , bald jene ... Die Depesche händigt Ihnen der Herr Hofrath ein , mit dem Sie vorhin gesprochen haben ... Man soll Sie zu ihm führen ! ... Glückliche Reise ! Frohes Wiedersehen ! ... Der Fürst klingelte ... Damit war die Audienz beendet ... Es war Benno , als konnte er nicht von der Stelle ... Er hatte nicht widersprechen , hatte bei seiner Jugend , seiner gedrückten Stimmung überhaupt nur hören , - wenn er sprach , nur Nüchs Empfehlungen ablehnen wollen ... So aber hundert angelegte Fäden - und nicht ein einziger ausgeführt ! ... Jetzt verstand er , was man » Treppenwitz « nennt ... Demosthenische Reden blieben auf seiner Zunge liegen ... ... Was mochte er nicht alles gesprochen haben ! ... Dicht am Weltrade stand er ... Wie ein donnernder Wassersturz mußte ihm die Triebkraft erscheinen , die dies Rad in Bewegung setzte ... Noch blieb er wie von einem unsichtbaren Sprühnebel umrieselt und betäubt ... Aber ein Diener folgte ihm und führte ihn schon zu dem Hofrath ... Sie mußten noch eine Treppe höher steigen ... Sollst du - oder sollst du nicht ? ... So stand er eine verhängnißvolle Secunde und sagte sich : Eine Gunst des Geschicks ! ... Die Uebernahme dieser Verbindlichkeit verpflichtet dich zu nichts ... Du hast einen triftigen äußern Grund , vor Situationen zu entfliehen , die sich jetzt noch nicht von dir durchleben lassen ! So trat er in ein düsteres Zimmer ... Hier wurde ihm die Depesche , ein einfach versiegelter großer Brief eingehändigt ... Am besten trägt man das in einer kleinen Tasche , sagte der freundlichste aller Hofräthe , aber an einem Riemen ! ... Haben Sie die Schnalle immer hübsch vorn auf der Brust ! ... Schließlich hält das auch noch den Leib warm ... Für die Seefahrt gut ... Die Reisekosten sind für acht Tage berechnet , für jeden Tag zehn Dukaten ... Sie bekommen eine Anweisung auf die Cassa , Herr von Asselyn ! ... Bitte ! Nehmen Sie ! ... Hier ist sie ! ... Damit Sie keine weitere Mühe haben , werden wir einen Platz im Coupé reserviren lassen ... Sie zahlen ihn dann bei der Abfahrt ... Habe die Ehre , eine glückliche Reise zu wünschen ! ... Benno reiste als Courier ... Eine unverfängliche Gefälligkeit ... Er nahm die Depesche , die Anweisung ... Er ließ sich einige Zimmer weiter achtzig Dukaten zahlen ... Das Ablehnen dieser Summe würde wunderlich erschienen sein und den Auftrag leicht rückgängig gemacht haben ... Beim Verlassen des Palais fand er die Treppe belebt ... Boten , Jäger , Diener liefen hin und her ... Zwei Lakaien in auffallender Livree eilten hastig an ihm vorüber ... Hinter ihnen schritt langsam die Treppe herauf mit schwebendem Gang und einer lächelnd um sich blickenden Sicherheit eine hohe , breitschultrige Gestalt in fremdartig priesterlicher Tracht ... Hinter ihm zwei andere , ebenfalls Priester ... Benno empfing aus einem stark gerötheten Antlitz einen Blick des holdseligsten Grußes ... Er trat zur Seite und erfuhr , daß es Cardinal Ceccone gewesen , der an ihm vorübergeschritten ... Sein freundlicher Blick war ihm wie der Stich eines Messers ... Wenn ihn etwas aus Wien vertrieb , hätte nur noch diese Begegnung gefehlt ... Der üppigste Triumph , verbunden mit dem Schein der holdseligsten Demuth und wieder mit den unauslöschlichen Merkmalen einer schon von der Natur in den Augen , ja in den Ohren vorgezeichneten List ... Welche Begegnung jetzt drinnen zwischen zwei nur äußerlich verbundenen Principien ... Der Fürst , der die Jesuiten haßte , der Cardinal , der auf seine alten Tage unter dem Druck der Frauen die » Freiheit Italiens « anbahnte ... Wie unfertig , wie halb , wie überlebt erschien ihm alles nach dieser Audienz ... Wie wehte ihn der Odem Gottes mit neuen , den Völkern und dem Jahrhundert verheißenen Offenbarungen an ... Am Portal sah Benno die beiden Miethwagen in bescheidener Entfernung und hatte noch Zeit nöthig , sich zu besinnen , wohin er fahren wollte ... Schnuphase kam , begleitet vom Kellermeister ... Ersterer hatte alle Ursache , dem kräftigen Arm zu danken , der ihn hielt ... Die Aufforderung , in der » Stadt Triest « ein gemeinschaftliches Mahl einzunehmen , lehnte Benno ab , fuhr auf den Kohlmarkt und kaufte sich zunächst - die bewußte Reisetasche ... Zu Hause angelangt , schrieb er an den Principe Rucca einige Zeilen und bedauerte seine plötzliche Abreise nach Rom , behielt jedoch das Billet bis um vier Uhr , wo man ihn erwartete , noch zurück ... Lange kämpfte er mit sich , ob er seiner Mutter schreiben sollte ... Er konnte nicht anders ... Doch drückte er sich in einer Weise aus , die so unverfänglich war , daß sie jedermann lesen konnte ... » Herzogin !