unbedingtem Royalismus bestand . Soweit ich den Fürsten Egon zu verstehen glaube , so will er für den bei Seite geworfenen alten Royalismus eine neue politische Religion , d.h. eine moralische Bindekraft des Staates , ein heiliges Joch der Selbstbeherrschung künstlich schaffen . Aber wie alle Vernunft , wenn sie noch so geistreich und weise ist , die Symbolreligionen nicht ersetzen kann , so gibt es auch für die geoffenbarte politische Religion des Royalismus , die ihre weiseren und ihre einfältigeren Bekenner hat , keinen künstlichen Ersatz ; denn die Pflichtenlehre , die der Fürst aufstellt , ist eine Chimäre , an der er scheitern wird . Die Pflichtenlehre , ohne Symbolik , kann wol eine philosophische Sekte zusammenbringen , Auserwählte , Gleichgesinnte , aber nicht die dem Zufall preisgegebenen großen Massen , die der Natur , der pflichtwiderstrebenden Natur , folgen . Statt des Royalismus kann höchstens die Nationalität eine bindende politische Volksreligion werden , wie in Amerika , vielleicht sogar , wenn es besser regiert würde , in Frankreich . Und Deutschland ? unterbrach Siegbert . Nun wohl ! sagte Oleander . Geben Sie uns nur ein Deutschland ! Entfernen Sie mit einem Schlage alle Fürsten ! Schaffen Sie aus Deutschland eine Republik . Vielleicht , daß dann Thuiskon der Heilige des Volkes würde und vom Tempel des Wodan unsre Offenbarungen kämen ... ich habe im Politischen nichts dagegen ; allein schaffen Sie uns durch einen Zauberschlag diese friedlich geordnete , glückliche auf Vaterlandsliebe und nur auf Vaterlandsliebe begründete Republik ! Mit diesem Freiherrn von Sengebusch und den Lieutenants der fliegenden Kolonnen ? sagte Siegbert . Mit der Proletarierpolitik , mit den Kommunisten , den konstitutionellen Taschenspielern , den Portefeuille-jagenden Advokaten ? parodirte Oleander und Beide brachen ab , weil sie in der That noch nicht einmal über das nächste Prinzip einig waren . Wie Siegbert verlangte , für die edlere Demokratie sollte man ihre Auswüchse dulden , so verlangte Oleander , für die edlere Monarchie sollte man auch den vulgären Royalismus der Beamten , Soldaten und Adligen dulden . Die Wahlen schürten diesen Streit immer auf ' s Neue an . Die Agitation war trotz der Jahreszeit , die die Verbindungen erschwerte , überall sichtbar . Die Demokratie blieb im entschiedensten Übergewicht und versprach eine Kammer , noch radikaler als die aufgelöste . Selbst Gemäßigte wie Justus hatten Mühe , gewählt zu werden . Drossel , der Wirth zum Gelben Hirsch , lief ihm fast den Vorrang ab in dem Distrikte , wo er selber wohnte ; doch hatte Justus über drei Wahlkreise zu gebieten und mußte sich begnügen , diesmal nur zweimal gewählt zu werden . Dem Ministerium aber trat er seine zweite Wahl nicht wieder ab ; lieber noch Drosseln , wenn er diesen nicht für die Aufsicht über seine Besitzungen gebraucht hätte . Egon mußte Befehl geben , ihn , den Minister , anderswo durchzubringen . Er hatte in seinem » Jahrhundert « die konstitutionellen Neunweisen , wie es dort hieß , lächerlich machen lassen und deutlich auf jene eingebildeten Biedermänner hingewiesen , die so glücklich wären , die objektive Wahrheit auch immer da zu finden , wo sie mit der Befriedigung ihrer subjektiven Eitelkeit zusammenträfe . Die ministerielle Presse wurde mit Geist geleitet . Siegbert verstand , was ihm Dankmar , der natürlich Egon nicht mehr sah , über dessen rastlosen Eifer schrieb . Er widmet sich ganz seiner thörichten Aufgabe , schrieb Dankmar , er opfert ihr Tage und Nächte , redigirt Noten und Artikel und will das Recht haben , Feinde und Freunde zu brüskiren . Von uns , als Freunden , sprech ' ich nicht . Ich suchte keine Beziehung mehr zu ihm . Louis ist so gut wie aus seinem Umgange verbannt . Aber von jenen Freunden sprech ' ich , denen er doch dient . Bei Hofe wird er noch angebetet . Die Prinzen müssen sich aber schon gefallen lassen , daß er ihre Urtheile ignorirt . Die Lieblinge des Hofes verletzt er schonungslos . Von dem General Voland von der Hahnenfeder , dessen Einfluß beim Könige weltbekannt ist , hat er geäußert : Er besäße die Beweise in der Hand , daß er es mit der Hierarchie halte . Verdächtige Persönlichkeiten , z.B. jener Franzose Rafflard , wurden ausgewiesen . Besonders scharf bewacht er die Clubs und die Gesellschaften , auch die aristokratischen , und manche heftige Scene ist schon vorgekommen , wenn er zuweilen die sogenannten kleinen Cirkel überrascht und sich Nachrichten über die auswärtige Politik erbittet : er höre , die » kleinen Cirkel « hätten eine Depesche bekommen , die bei ihm ausbliebe . Allein bei alledem erkennt man in ihm den Retter der Monarchie und ist gefaßt darauf , die nächste Kammer wieder zu entlassen und nach Egon ' s Theorie ein Zweikammersystem zu oktroyiren , eine Kammer der Interessen der Arbeitenden und eine Kammer der Interessen der Arbeitgebenden . Man versichert , daß Egon dabei alt wird und sehr hinfällig aussieht . Allgemein heißt es , er hätte die Absicht , Melanie Schlurck zur Fürstin von Hohenberg zu erheben . Es würde dies die merkwürdigste Folge sein , die nur einem konsequenten Streben geboten werden könnte . Melanie hielt mich einst für den Fürsten Egon und verliebte sich in mein Incognito . Als sie enttäuscht wurde , behielt sie das Wappen im Auge und wird es erobern . Man sagt , Pauline von Harder , die jetzt Alles in Allem ist und um zehn Jahre jünger geworden sein soll , bediene sich der schönen Melanie , um mit Egon in desto festerer Verbindung zu bleiben ; sie verhindere , sagt man , das ehrgeizige schöne Mädchen , sich ihm unbedingt zu widmen und lehre sie die Koketterie , die sie früher in ihrem eignen Leben selbst nicht beobachtet hat . Egon , ermüdet vom Tageslärm , erschöpft von der Arbeit , ruht bei Pauline von Harder , der Feindin seiner Mutter , der Vernichterin ihrer Memoiren , seit ihrer wunderbaren Aussöhnung ,