Weges , da stieg der Berg mit dem ominösen Namen vor uns auf . Es war ein heißer Tag und Mittagsstunde ; wir hielten deshalb und stiegen aus . Die Sonne fiel glühend auf den Abhang , den wir hinauf mußten . Vor uns weideten ein paar magere Schafe , die sich ihrer Magerkeit an dieser Stelle nicht zu schämen hatten ; nur halbverbranntes , moosartig kurzes Gras zog sich über den Sand hin und nichts grünte als die Wolfsmilch . Endlich oben . Es lohnte sich schon . Wie um dem Missetäter das Scheiden doppelt schwer zu machen , stellte das Mittelalter seinen Dreibaum immer auf die höchsten und schönsten Punkte . Und wieder stand ein Dreibaum dort oben vor uns , aber freilich das Kind einer andern Zeit : ein Vermessungsinstrument spreizte seine drei mageren Beine . Das helle Licht hinderte den Blick ; nur mitunter kam eine leise Trübung und das Auge konnte alsdann die Landschaft umfassen . Zu Füßen Saarmund mit seinen roten Dächern und rotem Turm ; dahinter die Wiesen und die Nuthe ; jenseits aber die stillen Dörfer des Teltow und diesseits die stilleren Berge der Zauche . Wer nach uns an diese Stelle tritt , der freue sich des Bildes und der allgemeinen Vorstellung : an diesem Wasserlauf entlang lagen also die Nutheburgen ! Und er nehme dies Bild und diese Vorstellung in Dankbarkeit mit heim . Aber er hüte sich auf weitere Forschungen und Entdeckungen ausziehen zu wollen . Die Nutheburgen necken ihn nur und sind wie die Fata Morgana dieser Zauchewüste . Wenn er sie zu haben glaubt , so hört er den Mittagsgeist lachen , das Bild zerrinnt und – die Nutheburgen sind ihm ferner denn zuvor . Blankensee Blankensee Da sagte die Mark : Eh bien , wohlan , Ich kann dasselbe wie Kanaan , Und will sich ' s seiner Sarah berühmen , So hab ' ich meine Frau von Thümen . Eine halbe Stunde südlich von Saarmund , immer am Ufer der Nuthe hin , fahren wir in einen schmalen , spitz auslaufenden Landesteil ein , den wir am besten als den » Thümenschen Winkel « bezeichnen . Dieser Thümensche Winkel , in Zeiten , die nicht allzufern zurückliegen , hatte eine gewisse politische Bedeutung , denn er war sächsisches Land , das sich an dieser Stelle weit ins Brandenburgische hineinschob , so weit , daß die Entfernung bis Potsdam nicht voll zwei Meilen betrug . Das war denn , wie sich denken läßt , in den Tagen Friedrich Wilhelms I. eine Sache von » Importance , « jeder Deserteur wußte davon , und so unbequem der Thümensche Winkel für den König lag , so bequem lag er für den Flüchtling . Von dieser » Importance « ist dem Thümenschen Winkel begreiflicherweise nichts geblieben und er muß sich jetzt wieder mit dem begnügen , was er sonst noch aufzuweisen hat , meist Dinge , die viel weiter in unsere Geschichte zurückgehen , als die » großen Blauen « von Potsdam . Die Residenz dieses Fleckchens Erde heißt Blankensee . Hier haben die Thümens ihr Herrenhaus , hier ihre Kirche , ihre Gruft . Auch an Sagen fehlt es nicht , in denen irgendein Vorbesitzer , aber immer ein Thümen , seine halb spukhafte Rolle spielt . Wir werden in der Folge noch davon zu erzählen haben . * Es war Mittagsstunde , als wir vor dem Gasthause hielten . Der Wagen fuhr in den breiten Schatten einer Linde , während wir uns rüsteten und mit den Augen überallhin umherfragten . Unser erstes war ein Gang durch das Dorf . Am schönsten gelegen ist das Herrenhaus . In Front ein Elsenbruch , an den Flügeln zwei breite Seespiegel , und zwischen Schloß und Park ein Wasserlauf , der diese beiden Seeflächen verbindet , – das ist in großen Zügen die Szenerie . Das Gesträuch des Parkes wuchs weit über das Wässerchen hin und schuf einen Laubengang , unter dem die Enten auf und ab fuhren und sich ' s wohl sein ließen . Inzwischen brannte die Sonne mehr und mehr und die Schatten des Parkes luden uns zum Verweilen ein . Aber es war doch schließlich ein anderes , was uns hierher geführt hatte , weshalb wir denn auch Park und Schloß aufgaben , um uns zunächst eines sagen- und landeskundigen Blankenseers zu versichern . Der Zufall wollt ' uns wohl und am Dorfrande wurden wir alsbald eines Mannes ansichtig , der , in einem offenen Torwege stehend , unserm unsichren Untersuchen schon seit einiger Zeit gefolgt zu sein schien . Als er uns auf sich zukommen sah , kam er uns seinerseits unter artigem Gruß entgegen . Es war ein großer , schöner Mann von militärischer Haltung , dabei zugleich von jener ruhigen Sicherheit , wie sie die bibelfesten Leute zu haben pflegen . Es entspann sich folgendes Gespräch . » Wir wollen auf den Kapellenberg . Können Sie uns den Weg zeigen ? « » Ich kenne ihn nicht . Aber nach dem , was ich gestern gehört , ist er nicht zu fehlen . « » So sind Sie nicht von Blankensee ? « » Nein . Ich bin erst seit acht Tagen hier . « » In der Schäferei ? « » Ja . « » Der Schafmeister ? « » Nein . Ich bin sein Knecht . « Mein Begleiter und ich sahen einander an und eine kleine Pause trat ein . Der unumwundenen Erklärung » ich bin dieses oder jenes Mannes Knecht « begegnet man in Städten niemals und auf dem Lande nicht allzuhäufig . Man sucht sich ausweichend zu helfen , so gut es geht . » Ick bin bi Schulz ' Borchardten sine Peerd « , so oder ähnlich wird das Wort umgangen . Was uns aber in dem vorliegenden Falle noch ganz besonders frappierte , war das korrekte Deutsch und der männliche und zugleich bescheidene Freimut , in dem die Antwort gegeben wurde . Diese so seltene Demut und