Rienzi wiederkehren ? lächelte der Fürst , nahm ein großes Kupferwerk , das vor ihm lag , schlug die Abbildung einer Burg auf und zeigte sie seinem Besuch mit den Worten : Sehen Sie da die Burg in Böhmen , auf die Cola Rienzi flüchtete , als seine Zeit in Rom vorüber war ! ... Zu uns ! Nach Böhmen ! ... Ja , fuhr er dann fort , die Italiener sind allerdings die elendeste Nation von der Welt und zu allem fähig ! Diese Nation wird den Monarchen , von denen sie regiert wird , und uns allen in Europa noch viel zu schaffen machen , sie wird conspiriren , morden , vielleicht ein vorübergehendes Glück gewinnen , von einzelnen Mächten vielleicht begünstigt werden , von England , das für seine Waaren sich einen Absatz in Sicilien und Neapel zu verschaffen sucht - aber elend wird alles nach kurzer Zeit zusammenbrechen ... Wie Barbarossa werden wir dann die Städte in Asche verwandeln müssen ! Wir werden den Pflug darüber hingehen lassen und Salz aussäen müssen , um eine neue Erde zu schaffen ... Das Salz werden deutsche , ungarische , böhmische Colonieen sein , unsere Sitten , unsere Verbesserungen , unsere Bürgschaften polizeilicher Ordnung ... Zurückrufen werden die Elenden uns dahin , wo sie uns verjagten , um nicht von ihren eigenen Landsleuten gemordet zu werden ... Gemordet von ihren neuen Häuptern ... Lesen Sie die Geschichte ! ... So ging Crescentius unter ... Cola Rienzi flüchtete ... Was wollen Sie von einer Nation erwarten , wo alles käuflich ist ! Wo die Furcht jeden zum Verräther macht ! Wir haben alle Conspirationen in der Hand ... Von jeder Carbonarologe besitzen wir die Namen ... In Turin regiert ein Fürst , der als Kronprinz Carbonaro war ... Als er den Thron bestieg , lieferte er uns sämmtliche Listen der Venditas aus ... Ich zweifle nicht , daß er wieder als Carbonaro endet ... Lassen Sie Krieg kommen - behalten wir Herrn Thiers noch lange am Ruder Frankreichs und will sein Schüler , der Herzog von Orleans , sich die Sporen verdienen , so haben wir vielleicht Krieg und mit schwankenden Erfolgen ... Wir sind heute geschlagen - aber von dem Tag an , wo die Italiener dankbar und einig sein sollen , rufen sie wieder die Deutschen zurück und geben uns die alte eiserne Krone ... Dies Italien ! Sie müssen es kennen lernen , Herr von Asselyn ! Sie wollen dort hinreisen ? Wollen Sie es bequem , so mach ' ich Ihnen den Vorschlag , Depeschen nach Rom zu übernehmen - Freilich da müßten Sie sogleich und in diesem Augenblick reisen ... Würde Sie das hindern ? ... Nück schrieb mir , fuhr der Fürst fort , die Verlegenheit und aufwallende Röthe der Freude im Antlitz des jungen Mannes bemerkend - Sie wollen eine politische Laufbahn antreten ... Durchlaucht - nein ! sagte Benno fest und bestimmt ... Der Gedanke : Da erlöst dich ja das Geschick im Nu ! ließ ihn mit funkelnden Augen zustimmen ... Sie meinen , Ihre Grundsätze sind noch zu jugendlich ? Sie opponiren noch ? Mein lieber junger Freund , die Staatskunst muß es machen , wie die Kellerei mit den Weinen ... Liegen die Fässer zu lange , so müssen sie aufgefüllt werden ... Alte Jahrgänge mit jungen ... Sie haben ohne Zweifel die Calamität gehört , die sich auf meinem Weinberg zugetragen ? ... Ein nachlässiger Küfer hat sieben der besten Stück nicht aufgefüllt und nun sind sie Alterationen des Entwickelungsprocesses ausgesetzt - Dergleichen muß geheim bleiben ... Bitte ... Da Sie aber mit Herrn Stadtrath Schnuphase gereist sind - ... Der Fürst öffnete die Thür und machte Benno zum Zeugen einer wie es schien sehr ernst genommenen Scene ... Ein feingekleideter , wohlbehäbiger älterer Herr , ohne Zweifel der Kellermeister des Fürsten , saß mit Schnuphase an Einem Tisch ... Vor ihnen eine Reihe kleiner Flaschen , die mit Zetteln beklebt waren ... Einige Dutzend Gläser standen in der Nähe , um nacheinander gebraucht zu werden , da der Duft des Weins sich in jedem gebrauchten Glase zu lange erhielt und eine Aufgabe erschwerte , die die zu sein schien , die Mischungen und Auffüllungen aufs strengste zu unterscheiden ... Schnuphase und der Kellermeister waren aufgesprungen ... Letzterer mit zwei Gläsern in der Hand , die prüfendste Miene in den gerötheten Gesichtszügen ... Noch schienen Zunge und Nase nur mit Geschmack und Duft beschäftigt ... Schnuphase stand mit seinem » Glöse « ganz » Extöse « ... Der Duft , das Probiren , die Situation , die Nähe des größten Mannes der Zeit , die Satisfaction vor Benno , alles war ihm zu Kopf gestiegen ... Es wird wol nicht anders gehen , bemerkte der Fürst , man muß unserer Verwaltung , die an dem Versehen ohne Schuld ist und den Küfer entließ , Recht geben und » Dorf « oder » Berg « zur Erkräftigung des » Schloß « wählen ? ... Ganz wie Ihr jungen Staatsneuerer ja wollt ! ... Gern adoptiren wir Euer junges Blut ! ... Oder beides ? wandte er sich ... Schnuphase stand wie ein Retter des europäischen Gleichgewichts , obgleich er nahe daran war , das eigene zu verlieren ... Das Nippen an jedem dieser Gläser , das Streiten und Aeußern entgegengesetzter Zungenwirkungen , die wiederholt erprobt werden mußten , hatte ihn bereits zum Opfer des in ihn gesetzten Vertrauens gemacht ... Der Fürst billigte jede Entscheidung der gemeinschaftlichen Berathung und ordnete an , daß auch beim heutigen Diner , wo Kenner der Weinblumen des Rheines entboten wären , die Proben servirt und einem Verdict derselben unterworfen würden ... Die maßgebendste Stimme behielten die beiden anwesenden Herren selbst und lieb wäre es ihm , sagte er , schon von ihrer schnellen Meinungsvereinigung zu hören ... Der Gegenstand war hochwichtig ... War für die nächste Auction irgend im Ruf der vernachlässigten Fässer etwas versehen und verbürgten sich nicht die ersten Zungen für