ge Schatten Senken auf die Wiesenmatten , Fühl ' ich : Auch im Tod ist Wonne . Wenn die Sterne niederfunkeln , Sieh die müden Augen schließen , Nebel durch die Thäler fließen , Und die Erde schläft im Dunkeln - Wenn der Thau den Plan befeuchtet , Murmelnd alle Quellen gehen , Und die Blätter leiser wehen , Das Johanniswürmchen leuchtet - Wenn aus tiefem Thalesgrunde Eine Uhr mit fernen Schlägen Unserm wachen Ohr entgegen Ruft die mitternächt ' ge Stunde - O dann kommt uns doch ein Träumen , Weht ein Lauschen , spricht ein Rauschen , Und wir fühlen , Geister tauschen Nun mit uns in diesen Räumen ! Fühlen , wie die Theuren , Süßen , Die uns ruh ' n im Schooß der Erden , Wieder scheinen wach zu werden , Wie sie kommen , wie sie grüßen ! Wie sie lächeln ! Sie erscheinen , Leicht von Silberflor getragen ! Und ihr Grüßen will uns sagen : Armer Freund , du sollst nicht weinen ! Trau der Nacht , denn nur ein falbes , Nur ein Zwielicht gibt die Sonne . Höher ist der Schöpfung Wonne Und dies Leben nur ein halbes ! Siegbert schrieb dem Bruder ... Nachdem er seine schmerzlichsten Empfindungen ausgesprochen hatte , verblieb er , Dankmar ' s Zureden folgend , noch einige Zeit in dem Plessener Pfarrhause , auf dem Zimmer des ihm geistig und gemüthlich verwandten Oleander ... Dankmar schien vielbeschäftigt . Er schrieb ihm herzlich , aber kurz . Die Anfrage wegen Selma ' s und Ackermann ' s , die Aufforderung , sich ihnen recht zu widmen , war unterstrichen , aber karg an sich . Doch kam Siegbert nicht so oft nach dem Ullagrunde , weil er wiederum auch nach der jüngst ihm bewiesenen Theilnahme für sein persönliches Leid bemerken mußte , daß Ackermann gegen ihn zurückhaltend war . Selma empfing ihn freudiger und inniger , der Vater mit Befangenheit ... An der Ausführung seines ersten Gedankens , unverweilt zum Bruder zu reisen , hinderten ihn Oleander , Zeisel ' s und manche durch die Jagd dem entlegenen Plessen näher geführte Umwohner , von denen wir nur den Grafen Bensheim und den Freiherrn von Sengebusch nennen wollen . Diese veranlaßten kleine künstlerische Aufträge für die bevorstehende Weihnachtszeit , sodaß sich Goethe ' s Wort bestätigte , wie bald ein bedeutender , seinem Lebenszweck mit Ernst entsprechender Mensch einem Kreise nützlich , ja nothwendig werden und mit ihm verwachsen kann . Siegbert fand auch hier sowol auf dem Schlosse Bensheim wie bei Herrn von Sengebusch , der hinter Randhartingen wohnte , Frauen , strebsame , ansprechende und der Beobachtung vollkommen würdige . Doch stieß ihn leider fast immer die politische Atmosphäre dieser Beziehungen ab . Er hörte nur engherzige , furchtsame , zornige Äußerungen über öffentliche Dinge und nicht etwa zwischendurch gestreut , sondern als das tägliche geistige Brot dieser Menschen . Wenn die Herren von Zeisel , von Sänger , Graf Bensheim , Herr von Sengebusch zusammen waren , äußerte sich ein Fanatismus , dem Siegbert nicht zu widersprechen wagte , da alle ruhige Erörterung unmöglich war . Da wurden die Zeiten und die Menschen verurtheilt , die jüngsten Staatsmänner Räuber genannt , Landverderber , die Demokraten verlangte man für vogelfrei zu erklären und oft sagte Graf Bensheim : Todtschießen müßte man sie alle wie die tollen Hunde ! Das Peinlichste war für Siegbert , daß auch die Frauen diesen Grimm theilten , ja schürten . Ihnen war der Verlust des Adels , mit dem man in dem ersten Stadium der Revolution gedroht hatte , ebenso verletzend wie die Besteuerungsfrage des Grundeigenthums in ihren täglichen Haushalt eingreifend und sie in einen nicht zu beruhigenden Zorn versetzend . Die Offiziere der » fliegenden Kolonnen « und der kleinen hie und dahin versetzten Garnisonen waren ihnen die willkommensten Gäste . Siegbert konnte bei seinem jeweiligen Zusammentreffen aller dieser reaktionären Elemente die Gefahr ermessen , der bei uns die bessere Begründung der Zukunft noch zu lange ausgesetzt ist . Betrübend war für ihn , daß Oleander keines politischen Urtheils fähig war und wenn er einmal eine Stimmung über die Zeitereignisse zu erkennen gab , vollkommen mit diesen ultraconservativen Gesinnungen übereinzustimmen schien . Als ihm Siegbert darüber sein Erstaunen ausdrückte , war seinerseits Oleander noch viel mehr verwundert , wie Siegbert , ein Künstler , dem kunstfeindlichen , pietätlosen Geiste der Zeit zu huldigen vermochte ! Siegbert verschwieg nicht , daß er der mächtigen Einwirkung und überzeugenden Beredtsamkeit seines Bruders Dankmar vorzugsweise die Berichtigung seiner Urtheile verdankte , daß er durch Louis Armand und Max Leidenfrost mit den Arbeitern , ja durch Egon selbst mit einer edleren Theorie über die Gesellschaft , als diese Adligen lehrten , bekannt geworden wäre und misbilligte den Eigendünkel derjenigen schaffenden Talente , die nicht ertragen konnten , daß sich der Lauf der Dinge nach den nächsten Interessen ihres Berufes nicht richtete . Überhaupt , sagte er , wäre ihm das Herleiten einer Meinung aus seinem persönlichen Vortheil gradezu ein Gräuel und diese Frauen , die die Freiheit haßten , weil ihre Männer in die Lage kommen könnten , pensionirt oder in ihren Pensionen besteuert oder in ihren Abgaben an den Staat gesteigert zu werden , diese wären ihm gradezu dem Geiste nach Megären und böse Unholde , möchten sie auch äußerlich noch so reizend und im Übrigen sanft und gefällig sein . Sie übersehen , sagte Oleander , der über die Glut , die in Siegbert ' s Wangen fuhr , erstaunte , sich aber doch freute , daß es ein Thema gab , worüber der Freund seinen Kummer auf Augenblicke vergaß , Sie übersehen , daß dem zarten Sinne der Frauen doch auch wol das rohe und unheimliche Auftreten der Demokratie , besonders in der communistischen Gestalt , als eine tiefe Verletzung der Sitte erscheinen muß . Wenn Sie sagen , der beschränkte , nur physische Lebenstrieb der Frauen verrathe sich in der conservativen Gesinnung vorzugsweise als Egoismus , so möcht '