die alte Gräfin Camphausen hier durchgereist ist , ohne sich nach mir erkundigt zu haben ! Postscript . Die Damen Schnuphase lassen ihren Vater bitten , sich nicht zu erkälten ! ... Von London nichts - gar nichts ! ... Ob sie meiner noch gedenkt ! - O ! - - - Große Revolution im Männergesangsverein , parteiische Vertheilung der Solis , Sturz des Präsidiums , Austritt der Minorität , Bildung eines Oppositionsmännergesangsvereins ... ... Nächstens besuch ' ich Kocher am Fall ... Schreiben Sie bald Ihrem - Unverbesserlichen ! - - Compliment auch von Gebhard Schmitz an Herrn Ritter Fuld in Wien Man waiß schon ... « Wie lag das alles - nach Ton und Inhalt - dem bekümmerten und fieberhaft erregten Gemüth Benno ' s fern ... Er legte den Brief - wehmüthig lächelnd in Thiebold ' s Geschenk , das große Reiseportefeuille , das vor ihm aufgeschlagen lag ... In den Andeutungen über Nück , über den Kirchenstreit , Bonaventura ' s Predigt lag eine Mehrung der Sorgen ... Benno sah voraus , was der Staatskanzler von ihm hören und erläutert wissen wollte ... Er dachte an die Scherze mit seinem Bruder ... Einen » Posa « hatte er spielen wollen ! ... Wie sollte er einem vielleicht wohlwollend Entgegenkommenden eine Seite entgegenkehren , die sich für seine Jugend und unbedeutende Lebensstellung nicht ziemte ? ... Und doch - verlockend blieb die Begegnung immer ! ... Unwahr blieb es , wenn er dem Fürsten in allem zustimmte - ihn glauben ließ , daß mit ihm Nück in Uebereinstimmung gehandelt hätte ... Er warf sich in die schickliche Toilette voll äußersten Unmuths ... Der Chorherr kam herüber und machte ihm wegen seiner Zurüstungen zur Abreise , die er nun bestätigt sah , ernstliche Vorwürfe ... Sie sind , sagte er fast gekränkt , auf der hohen Flut der Gunst und des Glücks ! ... Ich schreibe heute dem Dechanten ... Gestern Abend war ich bei einer Anzahl alter Freunde und Freundinnen Ihres Onkels ... Alle wünschen , Sie zu sehen ... Und nun bekommen Sie - das Kanonenfieber ... Von einem vernünftigen Posa heißt es nicht : Nach Munkatsch ! sondern : » Der Ritter wird künftig unangemeldet vorgelassen ! « ... Zur Mehrung der Verlegenheit , zur Schärfung der Vorwürfe des Chorherrn kam der Mohr des Prinzen Rucca , brachte eine wiederholte Mahnung , um vier Uhr das Diner nicht zu vergessen und schlug aus einem Rosaseidenpapier ein prachtvolles Bouquet , das aus dem Palatinus ihm von Altezza Amarillas oder von Excellenza Contessina geschickt wurde ... Der Absender blieb unaufgeklärt - selbst gegen ein überreiches Trinkgeld ... Es war ein mit italienischer Kunst gewundener Blumenstrauß von weißen Camellien , in der Mitte ein Herz von Pensées ... Pensez - à - moi ! scherzte der Chorherr und verließ Benno mit dem satyrischen Zublinzeln , daß er sich wol hüten würde , einen Boden zu verlassen , wo ihm jeder traurige Eindruck so hold und vielversprechend verwischt würde ... Die weißen Camellien konnten nur der Gedanke seiner Mutter sein ... Aber den Muth , einem jungen fremden Mann überhaupt Blumen zu schicken , flößte ohne Zweifel nur die junge Gräfin ein ... Ihr Verlangen nach ihm schien keiner Beherrschung mehr fähig ... Gegen zehn Uhr nahm Benno einen Fiaker und fuhr in die Staatskanzlei ... In einem Gewirr größerer Gebäude , die in winkeliger Zusammenstellung allen Jahrhunderten angehörten , hier an die Babenberger , dort an die Zeit der Maximiliane , da an Kaiser Joseph erinnerten , liegt ein Haus mit mäßiger Fronte , einladend nur durch seine nach den Basteien hinaus gerichteten Seitenfenster ... Der Wagen hatte sich pfeilgeschwind durch diese Winkel und kleinen Plätze hindurchgewunden ... Benno stieg aus ... Bereits ein zweiter Miethwagen stand vor dem Portal ... Der Minister wohnte im ersten Stock ... Ein großes dunkles Vorzimmer wurde durchschritten ... Dann kam man in ein lichteres , das eine schöne Aussicht auf die belebten Umgebungen der Stadt und den Volksgarten bot ... Hier hatte der Angemeldete sich aufzuhalten ... Benno traf , wie er erwartet und gefürchtet , mit Schnuphase zusammen ... Herr Maria stand unter dem Druck seiner » hochgespönten « Nerven ... Vom Sperl , aus Döbling , aus Hietzing , von allen möglichen Zerstreuungen , die die Tuckmandls und Pelikans ihrem Gastfreund trotz der Wundermedaillen und Paternostervereine bereiteten , erschöpft , schnappte und schnalzte er nach Luft ... Jetzt , beim Anblick des Barons von Asselyn , hob sich ihm etwas die Brust vor Freude und Ueberraschung ... Der Gruß des Herrn Thiebold de Jonge und die Mahnung an seine Leibbinden rührten ihn ... Jedes Knarren einer Thür unterbrach die Mittheilungen ... Benno war wie in einem Traum ... Er wußte nicht , wie er hierher gekommen ... Um seine Aufregung zu verbergen , fragte er scherzend : Werde ich jetzt erfahren , welches Ihre geheime Mission war ? ... Schnuphase hob seine weißen Handschuhe gen Himmel ... Da öffnete sich die Thür ... Schnuphase verbeugte sich bis zur Erde ... Der Eingetretene war noch nicht der Beherrscher aller europäischen Cabinete , sondern jener Hofrath , der an Benno geschrieben hatte ... Die leutseligste Anrede von der Welt berichtigte Schnuphase ' s Irrthum ... Der Herr Hofrath wandte sich an den Herrn Baron von Asselyn und entschuldigte Seine Durchlaucht , die noch einen Augenblick verhindert wären ... Herr Stadtrath Schnuphase - ? ... Zu Dero - ! ... Die Kiste ist angekommen ... Zu Dero - ! ... Zum ersten Mal in Wien ? kehrte der freundliche Herr zu Benno zurück ... In dem Augenblick wurde Stadtrath Schnuphase durch einen Bedienten abgerufen ... Nach einer Thür zu , die eben da wieder hinausführte , wo er hereingekommen war ... Schnuphase flog und taumelte mehr , als er ging ... Mit einem , wie es schien , stereotypen , an die » Gemüthlichkeit « Pötzl ' s erinnernden Lächeln , halb prüfend , halb zerstreut , setzte der hohe Beamte sein