Schlittens . Das Gefährt gehörte wieder Ackermann . Man kannte schon das Glöckchen . Man kannte die Art des Knechtes , mit der Peitsche zu knallen . Die Hunde schon verriethen , daß es Martin war , der zurückkam . Ist Oleander in Schönau geblieben ? Ist er nach Randhartingen zu Wildungen ? So vermuthete man durcheinander , bis die Botschaft kam , Martin wäre es wirklich . Oleander und Siegbert stiegen vor dem Hause aus , warfen ihre Hüllen ab und traten in das warme , trauliche Zimmer . Das sonst so behagliche Gefühl , eine Familie des Abends spät im Winter zu überraschen , wo schöne Töchter im Hauskleide bei weiblichen Arbeiten sich einfach und gemüthlich dem Blicke darbieten , konnte diesmal in Siegbert nicht aufkommen . Oleander erzählte sogleich , da Siegbert schwieg , was sie herbrächte , was sie bekümmerte ... Großer Gott , sagte Ackermann , hätt ' ich Das ahnen können ! Damit öffnete er ein Schreibepult und gab Siegberten den Brief , den er durch Einlage von Leidenfrost empfangen hatte . Ihre Mutter , Wildungen , wäre todt ? Karoline ? ... Ich weiß , daß sie Karoline heißt ! Siegbert bemerkte nichts um sich her . Er riß den Brief auf , begann einige Zeilen zu lesen und ließ ihn sogleich fallen , weil ein Thränenstrom aus seinen Augen stürzte . Er sank auf einen Sessel und legte den Kopf auf die Arme , die er über den Tisch kreuzte . Ackermann trat an ' s Fenster , schlug die Gardinen zurück und sah in die Schneenacht , die keine Sterne glänzen ließ . Selma weinte . Fränzchen zog sie an sich , um sie zu trösten ; doch war sie zu ergriffen . Sie schluchzte , wie Siegbert , sie verließ das Zimmer . Oleander stand ruhig und faltete die Hände . Ackermann wandte sich dann und sagte mit bewegter Stimme zu seinem Neffen , dem er sich noch nicht enthüllen mochte : Muß Sie Das zu mir führen ? Sammeln Sie sich , junger Freund ! Sehen Sie diese Winternatur ! Die Erde ist ein einziger Grabeshügel . Entbehren , Scheiden , Verlieren ist unser Loos . Nehmen Sie ' s wie etwas Erwartetes , Gewußtes ! Es mußte so sein . Siegbert gab ihm die Hand , ohne daß er zu ihm aufblicken konnte . Die einzigen Worte , die er sprach , waren : Mein armer Bruder ! Ackermann fand diesen Gedanken an den Bruder wahr und natürlich . Lieben Sie den Bruder so , sagte er , daß Sie seiner gedenken , wie er hat leiden müssen , dieses Todes Zeuge zu sein ? Und dennoch ist es ein Trost , daß Ihre Mutter einen ihrer Söhne um sich hatte ... als sie dem Gatten folgte ... Ackermann konnte nicht weiter sprechen . Er mußte sich wieder zum Fenster wenden . Oleander erbot sich , um sogleich den ganzen Kelch zu schlürfen , Dankmar ' s Brief zu lesen . Siegbert gab dazu die stumme Erlaubniß . » Mein guter Siegbert « , schrieb Dankmar , » wenn ich so lange schwieg , that ich es aus brüderlicher Liebe ! Ich sagte dir , daß die Mutter krank ist . Ich schilderte ihre Leiden geringer und mache mir jetzt Vorwürfe darüber . Fasse dein Herz zusammen , Siegbert : Unsre Mutter ist nicht mehr . Diese Nacht entschlief sie sanft nach heftigen Leiden , die mir das Herz zerrissen . Wie ich nach Angerode kam , fand ich sie schon auf ihrem letzten Lager . Sie hatte uns nicht betrüben , nicht in unserm Lebensgange stören wollen ! Du kennst ihr starkes Herz , das wir oft anklagten , weil es nicht so weich zu schlagen schien wie das des Vaters . Ihr starker Sinn war nur die Kraft des hochherzigsten Charakters . Wie ich kam und sie auf dem Lager sah , wollt ' ich dich rufen . Sie erhob sich und wollt ' es nicht . Mein Siegbert , sagte sie , steht vor mir ... so lehnte sie sich zurück und ich wagte nicht , ihrem befehlenden Worte zu widersprechen . O Bruder , nun brachen zehn jammervolle Tage an . Jeden begrüßt ' ich mit der Hoffnung , ein Lichtstrahl würde in diese Nacht des Elends und der Leiden fallen . Vergebens , kein Wort des Arztes lautete tröstend . Ich wachte an ihrem Lager . Sie verbot es , wenn sie mich erkannte und Tag von Nacht noch unterscheiden konnte . An den Ort wollte sie getragen sein , wo der Vater starb . Da lag sie , ein Bild des Jammers ! Keine Nahrung , keinen Schlaf mehr , der sie erquickte . Die Brust hob sich von ihren schweren Athemzügen , oft erhob sie sich wie eine Hülferufende , da ihr der Athem stockte . In meinen Armen erholte sie sich und sprach mit der langsamen , feierlichen Rede einer Fieberkranken : Ich sehe meines Siegbert ' s Augen ! Du standest vor ihr , als wenn sie dich mit Händen fassen konnte . Das Fieber verwirrte ihre Begriffe - die innere Glut , von der sie unaufhörlich sprach , theilte sich ihrem Hirne mit . Ein Licht ! Ein Licht ! rief sie in einer Nacht und sah , als man ihr eine Kerze entgegenhielt - Nachbarinnen , Freundinnen , Ärzte unterstützten mich - so unverwandt sah sie in die Flamme , daß ich den Gedanken faßte , wenn sie genesen sollte - ich hoffte noch immer - müßte sie erblinden . Aber mit der Heftigkeit , deren sie in jüngern Jahren fähig war , rief sie : Nein ! und immer blickte sie in das Licht , ganz dicht mit den Augen fast in die Flamme hinein , als kühlten sich die heißen Wimpern sogar an der Flamme , als wäre Licht für ihr Auge Thau . Oft auch rief sie : Heinrich ! worunter sie ihren Bruder