man , daß es hier in Italien so heiße , und die Diener haben strenge Weisung , etwaige Anfragen in diesem Sinne zu beantworten . “ Beatrice horchte bei dieser zweideutigen Erklärung auf . „ Soll ? Aber es ist nicht so ? Ich ahnte es , daß sich ein Geheimniß dahinter berge . Sie haben es entdeckt ? “ „ Bediente schweigen nie , wenn man es versteht , in der rechten Weise anzuklopfen , “ bemerkte Gianelli spöttisch . „ Ich fürchte nur – es ist ein äußerst zarter Punkt – und da er Signor Rinaldo betrifft – “ „ Rinaldo ? “ fuhr Beatrice auf . „ Wie so ? Was hat Rinaldo damit zu thun ? Sagten Sie nicht , daß es Rinaldo betreffe ? “ Der Maestro neigte das Haupt und sagte in seinem sanftesten Tone : „ Ich war wohl im Irrthume , Signora , wenn ich voraussetzte , daß die Veranlassung zu Ihrem Wunsche , etwas Näheres über die Erlau ’ sche Familie zu erfahren , von Signor Rinaldo ausging . “ Die Sängerin biß sich auf die Lippen . Sie . hätte es freilich vorher sehen können , daß bei dem Auftrage , den sie ihm gab , den beobachtenden Augen eines Gianelli nicht die Regung entgehen konnte , die diesen Auftrag dictirte . „ Lassen wir jetzt Rinaldo bei Seite ! “ sagte sie mit einer Anstrengung , ruhig zu erscheinen . „ Sie wollten von Signor Erlau sprechen . “ „ Das möchte wohl schwer von einander zu trennen sein , “ warf Gianelli hin . „ Ich fürchte nur – Signor Rinaldo ist mir leider schon ungünstig gestimmt , gewiß ohne mein Verschulden – ich fürchte , seinen höchsten Unwillen zu erregen , wenn er erfährt , daß ich es war , der eine solche Mittheilung gerade Ihnen – “ er stockte und zeichnete in gut gespielter Verlegenheit mit seinem Spazierstöckchen Figuren auf den Boden . „ Gerade mir ? “ wiederholte Beatrice heftig . „ Also ist diese Mittheilung nicht für mich bestimmt ? Sie werden sprechen , Signor Gianelli ! Sie werden mir auch nicht ein Wort , nicht eine Silbe verschweigen ! Ich verlange , ich fordere es von Ihnen . “ „ Nun denn , “ – er schien wirklich einen Anlauf zur Erklärung nehmen zu wollen , aber das Spiel war doch zu interessant , um es jetzt schon aufzugeben , und der Maestro hatte selbst zu oft unter den Launen der schönen Primadonna gelitten , als daß er sich die Genugthuung hätte versagen sollen , sie noch länger auf die Folter zu spannen . „ Nun denn – Sie kennen jedenfalls die früheren Bande Signor Rinaldo ’ s. Man weiß hier in Italien wenig oder nichts davon , daß er bereits vermählt war ; ich selbst erfuhr es erst bei dieser Gelegenheit . Ihnen ist die Thatsache jedenfalls bekannt . “ „ Ich weiß es , “ entgegnete Beatrice gepreßt . „ Aber wie gehört das hierher ? “ „ Doch wohl einigermaßen . Sie kennen die Gemahlin Rinaldo ’ s nicht , Signora ? “ „ Nein . Doch ja , ich sah sie einmal flüchtig . Eine höchst unbedeutende Erscheinung . “ „ Das scheint man hier durchaus nicht zu finden , “ bemerkte Gianelli wieder in seinem sanften Tone . „ Die schöne blonde Deutsche fängt trotz ihrer Zurückgezogenheit bereits an , Aufsehen zu erregen . “ „ Wer ? “ Beatrice erhob sich so jäh und ungestüm , daß der Maestro es für gut fand , um einige Schritte zurückzuweichen . „ Von wem sprechen Sie ? “ „ Von Signora Eleonore Almbach , die allerdings hier den Namen ihres Pflegevaters Erlau führt , wohl um neugierigen Nachforschungen auszuweichen . “ „ Das ist unmöglich , “ brach die Sängerin jetzt mit vollster Heftigkeit aus . „ Das kann nicht sein . Sie täuschen mich , oder Sie sind selbst getäuscht worden . “ „ Bitte , “ vertheidigte sich Gianelli , „ meine Quelle ist die sicherste . Ich stehe für deren Richtigkeit ein , und Signor Rinaldo selbst wird sie mir bestätigen müssen . “ „ Unmöglich ! “ wiederholte Beatrice noch immer fassungslos . „ Seine Frau diese Erscheinung ! Ich habe sie ja damals gesehen , wenn auch nur auf Minuten Bin ich denn blind gewesen ? “ „ Oder war er es ? “ ergänzte Gianelli im Stillen bei sich , laut aber sagte er : „ Ich bin untröstlich , Sie in solche Aufregung versetzt zu haben , Signora . Sie werden mir das Zeugniß geben , daß ich nicht sprechen wollte , daß Sie mir diese Mittheilungen förmlich abgezwungen haben . Ich beklage dies ganz außerordentlich . “ Seine Worte gaben Beatrice wenigstens einigermaßen die Besinnung zurück . Sie fühlte wohl , was sie von dem Mitleid des Mannes zu erwarten hatte , der in ihrem Auftrage den Spion spielte . „ Nicht doch ! “ erwiderte sie mit einem hastigen , aber vergeblichen Versuch , ihre Selbstbeherrschung zurückzugewinnen . „ Ich – ich danke Ihnen , Signor . Ich bin nur überrascht , weiter nichts . “ Der Maestro sah , daß er am besten that , sich zu entfernen , aber während er Anstalt machte , zu gehen , legte er betheuernd die Hand auf das Herz : „ Sie wissen , Signora , daß ich ganz zu Ihren Befehlen bin , und wenn Sie es für nöthig halten sollten , in dieser Angelegenheit über mein unbedingtes Schweigen zu verfügen , so bedarf es wohl keiner Versicherung , daß Ihnen auch dies zu Diensten steht . Ganz , wie Sie befehlen . “ [ 541 ] Er verließ mit einer tiefen Verneigung das Gemach , und es war ihm Ernst mit den letzten Worten . Gianelli war ein zu guter Rechner , um Etwas , das sich vielleicht früher oder später doch einmal gegen den gehaßten Rinaldo verwenden ließ ,