diesem Winterfeld , was kannst Du ihm sein ? Er mag Dich lieben in seiner Weise , aber er wird Dich hinabziehen in das Alltagsleben und Dir nur die Alltagsliebe geben , nichts weiter . Wenn er Dich verliert , so wird er es verschmerzen und in seiner Zukunft , seinem Berufe , in einer anderen Neigung Ersatz dafür finden . Solche leidenschaftslose Naturen wissen ja nicht , was Verzweiflung ist ; die schleudert nichts aus ihrer Bahn ; die gehen ruhig und pflichtgemäß ihren Weg weiter . Ich , “ hier sank die Stimme des Freiherrn ; der Haß verschwand aus seinen Zügen und der herbe Ton milderte sich mehr und mehr , bis er endlich zur vollsten Weichheit überging , „ ich habe nie geliebt , habe nie gewußt , was Schwärmen und Träumen ist . In dem rastlosen Jagen nach Macht und Ehre ist mir die Sehnsucht nach dem Glücke verloren gegangen , die nun so spät noch in mir erwacht . Jetzt , im Herbste meines Lebens , zerreißt der Schleier und zeigt mir , was ich verlor , ohne es je besessen zu haben . Soll ich es wirklich auf immer verlieren ? Fürchtest Du die Kluft der Jahre , die zwischen uns liegt ? Ich kann Dir keine Jugend mehr entgegenbringen ; sie ist dahin , aber [ 356 ] was aus der Seele des Mannes Dir entgegenflammt , das ist weit heißer , mächtiger , als alle Jünglingsschwärmereien , das erlischt erst mit dem Leben . – Sage , daß Du mir angehören willst , und ich will Dich mit Allem umgeben , was die Liebe , die Vergötterung nur zu schaffen vermag . Ich will jeden Kampf für Dich bestehen , jeden Schmerz von Deinem Haupte abwenden , und wenn wirklich ein Sturm uns droht , Dich soll er nicht berühren ; meine Arme sind stark genug , ein geliebtes Wesen zu schützen . Du sollst nur der Sonnenstrahl meines Lebens sein , sollst nur leuchten und beglücken . Was ich bisher auch erstrebte und errang , der Strahl hat mir gefehlt , und nun er mir einmal geleuchtet hat , kann ich das Auge nicht wieder davor verschließen . Gabriele , sei mein Weib , mein Glück – mein Alles ! “ Es wehte eine grenzenlose Zärtlichkeit aus diesen Worten . Die stürmische Gluth verlor sich in weichen bebenden Lauten , wie sie wohl noch nie von den Lippen Arno Raven ’ s gekommen waren , und dabei umschlang sein Arm fest und fester die zarte Gestalt und zog sie leise und unwiderstehlich an sich . Gabriele ließ es geschehen . Es umspann sie wieder süß und beängstigend , wie einst beim Rauschen des Quells , und wie damals , ließ sie sich widerstandslos fortziehen aus dem hellen Sonnenlicht , in dem sie bisher geathmet , in unbekannte Tiefen . Ihr war , als müsse sie versinken darin , und als sei es eine Seligkeit zu versinken und zu vergehen , von diesem Arme umschlungen . – Ein Klopfen an der Thür schreckte Gabriele und den Freiherrn empor . Es mochte sich wohl schon einige Male wiederholt haben , ohne gehört worden zu sein , denn es tönte ungewöhnlich laut und scharf und drängte sich wie ein schneidender Mißton in das kurze Glück dieser Stunde . „ Was giebt es ? “ rief Raven auffahrend . „ Ich will nicht gestört sein . “ „ Excellenz verzeihen , “ ließ sich die Stimme des Dieners draußen vernehmen . „ Soeben ist ein Courier aus der Residenz angelangt . Er hat Befehl , seine Depeschen nur Euer Excellenz persönlich zu übergeben , und verlangt augenblicklich vorgelassen zu werden . “ Der Freiherr ließ langsam das junge Mädchen aus seinen Armen . „ So werde ich aus meinen Liebesträumen geweckt , “ sagte er bitter . „ Nicht einmal diese wenigen Minuten sind mir vergönnt . Es scheint , als dürfte ich überhaupt nicht träumen und lieben . – Der Courier soll einige Minuten warten , “ fügte er dann laut hinzu . „ Ich werde ihn rufen lassen . “ Der Diener entfernte sich . Raven wandte sich wieder zu Gabriele , aber er sah sie betroffen an . „ Was hast Du denn ? Du bist ja auf einmal todtenbleich geworden . Es ist irgend eine wichtige Botschaft aus der Residenz , die mich allein angeht , eine Amtssache , nichts weiter . Sie hätte freilich zu einer andern Zeit eintreffen können . “ Gabriele war in der That sehr bleich geworden . Jenes Klopfen , gerade in dem Momente , wo das entscheidende Ja auf ihren Lippen schwebte , durchzuckte sie wie die Ahnung irgend eines Unheils . Sie wußte selbst nicht , warum sie bei der Meldung gerade an Georg und seine Abschiedsworte denken mußte . Er war ja jetzt in der Residenz , und dort war etwas gegen den Freiherrn im Werke . „ Ich werde gehen , “ sagte sie hastig . „ Du mußt den Courier empfangen . Laß mich fort ! “ Raven umfaßte sie von Neuem . „ Und Du willst ohne Antwort von mir gehen ? Soll ich noch länger zweifeln und fürchten , daß jener Andere wieder zwischen uns tritt ? Geh , aber laß mir Dein Ja zurück . Es ist ja in einer einzigen Secunde ausgesprochen . Nur dieses eine Wort – dann halte ich Dich nicht länger . “ „ Laß mir Zeit bis morgen ! “ die Stimme des jungen Mädchens klang in bangem , rührendem Flehen . „ Fordere jetzt keine Entscheidung von mir , erzwinge sie nicht ! Arno , ich bitte Dich . “ Ein Aufleuchten des Glückes flog über das Antlitz des Freiherrn , als er zum ersten Mal aus ihrem Munde seinen Namen hörte , ohne jedes andere Wort , das dem Verwandten , dem Vormunde galt . Er drückte rasch und heftig seine Lippen auf ihre Stirn . „ Es sei ,