wie im Traume befangen an seiner Seite und hörte kein Wort von allem , was ihr der redselige Alte über das Gebirge und den Herbst und Winter hier oben erzählte – Er kehrte also auch nach N. zurück ! – Benedict hatte in der That den Felspfad eingeschlagen , den vor ihm auch Ottfried gegangen war . Er freilich kam auf diesem Wege schneller vorwärts , als die verwöhnten und unsicheren Füße des jungen Grafen es vermochten , schon nach wenigen Minuten lag die Wallfahrtskirche hinter ihm . – – Die hohen Gebirgshäupter haben sich längst wieder in ihr Nebelgewand gehüllt , nur bisweilen schimmern die weißen Schneegipfel hindurch , um sich gleich darauf wieder zu verschleiern . Aus den Schluchten heben sich die Wolken empor , und ziehen hin und her , und lagern sich auf den Pfad des Wanderers , als wollten sie ihn zurückscheuchen . … Ueber der „ wilden Klamm “ zieht es sich drohend zusammen , und das düstere Sturmgewölk , das langsam am Horizonte emporsteigt , hüllt die schon dämmernde Schlucht in noch tiefere Schatten . Als wolle der ganze Himmel herabstürzen in jenen Schlund , so schwer und düster hängt es über jenen Klippen , und unten in der Tiefe kocht und zischt das Gewässer und rauscht triumphirend auf – das ersehnte Opfer ist ihm ja nun endlich geworden ! Zerbrochen hängen die Trümmer des Geländers herab von der Brücke und die Wellen schäumen hinweg über ein jugendliches Haupt , das blutig , zerschmettert im Sturze , in ihrem kalten Schooße sein Grab gefunden ! Die Nachricht von dem jähen und schrecklichen Tode des jungen Grafen Rhaneck machte ungeheueres Aufsehen in der ganzen Umgegend . Der einzige Sohn ! der Majoratserbe ! der letzte Sproß des alten berühmten Geschlechts , auf dem die ganze Hoffnung der Familie ruhte ! Was dem Hause Rhaneck nur irgendwie nahe stand , wurde mitbetroffen von dem furchtbaren Geschick , das so unerwartet die beiden Eltern heimgesucht hatte . Die Gräfin , so unbedeutend und unempfindlich für alles Tiefere sie auch sonst sein mochte , hier war sie nur Mutter , und der Verlust des einzigen Kindes raubte ihr fast die Besinnung , der Graf war unmittelbar nach Empfang der Unglücksbotschaft in ’ s Gebirge zurückgereist und die Verstörung , die im ganzen Schlosse herrschte , steigerte sich womöglich noch am folgenden Tage , wo er mit der Leiche seines Sohnes wieder eintraf . Selbst die Dienerschaft , obgleich sie sonst gerade nicht mit besonderer Liebe an dem jungen Herrn hing , dessen hochmüthiges , verletzendes Wesen sie so oft hatte empfinden müssen , trug mit an dem Schmerze der Herrschaft . Der jähe Tod hatte all die Fehler des Lebenden verwischt und ausgelöscht , man vernahm nur Stimmen des Entsetzens und des Mitleids . „ Ich hab ’ s ja gesagt ! “ jammerte Florian , der alte Reitknecht . „ Ich hab ’ s gewußt , daß es ein Unglück geben würde , schon damals , als wir im Frühjahr hierherkamen und der junge Herr den ersten Ritt in die Berge machte , bei dem der Almansor ihn abwarf . Almansor scheut sonst nie und gehorcht auf ’ s Wort , aber auf der Brücke stand er mit einem Male wie festgemauert und zitterte am ganzen Leibe , während der Schweiß ihm nur so niederfloß , und kein Sporn und keine Peitsche brachte ihn auch [ 186 ] nur einen Schritt vorwärts . Solch ein Thier sieht und weiß oft mehr als Unsereiner ! Er scheute immer nur vor der Schlucht drüben , als wenn er den Herrn damals gesehen hätte , so wie sie ihn heute brachten ! “ „ Der Gräfin wird die Geschichte noch das Leben kosten ! “ meinte einer der Lakaien . „ Die Aerzte und Kammerfrauen wissen nicht mehr , was sie anfangen sollen , sie fällt von einer Ohnmacht in die andere . “ Der gleichfalls schon bejahrte Kammerdiener des Grafen schüttelte ernst den Kopf ! „ Ich will denn doch lieber die Krämpfe und Ohnmachten der Gnädigen mit ansehen , als das Gesicht unseres Grafen , wie der Pfarrer von N. , der die Nachricht brachte , aus seiner Thür trat . Und vollends heute , als er aus dem Gebirge zurückkam – Jesus Maria ! Wie sah der Herr aus ! Als hätte er einen Blick in die leibhaftige Hölle gethan . Ich wagte nicht , ihm nahe zu kommen . “ „ Bei unserem Prälaten ist die Sache auch tiefer gegangen , als wir ’ s alle für möglich hielten , “ mischte sich jetzt ein Diener des Abtes ein , der seinen Herrn nach Rhaneck begleitet hatte , und nun des Befehls zur Abfahrt harrte . „ Der Hochwürdigste hat sonst ein Gesicht wie aus Eisen gegossen . Man sollte meinen , es könnte sich überhaupt nichts darin rühren , und es rührte sich auch wirklich nichts , selbst als der Pfarrer Clemens zu ihm kam – er saß grade mit den übrigen Herren Paters bei Tische – und gleich beim Eintritt meldete , er brächte eine Unglücksbotschaft . Aber als es nun hieß ‚ Graf Ottfried ‘ , da fuhr er doch vom Stuhle auf , weiß wie die Wand , und schrie dem Pfarrer zu : ‚ Sie lügen ! Das ist nicht möglich ! Das kann nicht sein ! ‘ Heiliger Benedict ! In meinem ganzen Leben vergesse ich den Ton nicht . “ Während die Dienerschaft so ihrer Theilnahme Luft machte , herrschte in den oberen Räumen des Schlosses eine unheimliche Stille . Die Gräfin war in ihren Gemächern , von all der äußeren Hülfe umgeben , die ihr Zustand nothwendig machte , der Graf befand sich in seinem Wohnzimmer allein mit dem Bruder , der sofort an seine Seite geeilt war . Auch der Prälat schien von dem furchtbaren Ereigniß härter getroffen , als man es bei seinem stählernen Charakter hätte voraussetzen sollen , er raffte offenbar all seine Kraft