Wertmüller fest hinter ihm verschloß . Jenatsch kehrte sich , immer noch tief erblaßt , zu dem Bürgermeister . » Unsere Sache ist gewonnen « , sagte er . » Man muß dem Herzog Rohan Ruhe lassen . Entfernt die Leute . Ich stehe dafür , daß er unterschreibt . « Dann befahl er dem Hauptmann Gallus , der unschlüssig stehen geblieben war : » Sagt dem Janett , seine tapferen Prätigauer sollen des Eides wegen unbehelligt bleiben . Der Herzog sei mit der Regierung der drei Bünde einverstanden und werde die Kompanie in kurzem seinen Willen wissen lassen . « – – – Wenige Minuten waren verstrichen und die Gemächer des Herzogs hatten sich zu leeren angefangen , als die innere Türe sich öffnete und Wertmüller mit dem von Rohan unterschriebenen Vertrage in der Hand erschien . » Wer von den Herren hier hat gegenwärtig das Ding in Händen , das in Bünden mit dem unpassenden Namen › gesetzliche Gewalt ‹ bezeichnet wird ? « fragte er schneidend und streckte dem Bürgermeister von Chur , der mit ernster Amtsmiene vortrat , die Bündens Los entscheidende Rolle entgegen mit einem Ausdrucke von verächtlicher Schärfe , dessen nur sein Gesicht fähig war . Herr Fortunatus Sprecher , der gerade oben an der Treppe einige bündnerische Staatspersonen beglückwünschend wegkomplimentiert hatte , sah jetzt einen jungen Mann in Reisekleidern atemlos die Stufen hinaneilen , ergriff seine Hand und zog ihn beiseite , um ihm das Geschehene mit bedauernden Worten mitzuteilen Es war der längst erwartete und in diesem verhängnisvollen Augenblicke eben von Paris angelangte Priolo . » Um Gott « , rief Priolo , » haltet mich nicht auf , Herr Doktor . Vielleicht ist es noch Zeit . Ich muß zum Herzog – der Vertrag von Chiavenna ist unterschrieben – alles und mehr gewährt ! Nur schließt keinen Bund mit Spanien ! « Und er durcheilte das Vorgemach . Als ihn Jenatsch , der im Gespräche mit dem Bürgermeister stand , mit verstörtem Gesichte vorüberhasten sah , sagte er zu diesem mit bitterm Lächeln : » Der Kardinal glaubte sich des Schicksals bemächtigt zu haben , doch diesmal hat es ihn gefoppt . « Meyer antwortete nicht , aber er umfaßte die Schicksalsrolle mit gefalteten Händen . Eine Stunde später war es in den äußern Gemächern des Herzogs still und einsam geworden . Jenatsch allein schritt im Vorzimmer auf und nieder , die aus dem Geschehenen hervorbrechende Zukunft erwägend . Was ihn beunruhigte , war das Los seines Gefangenen , und er verweilte hier in der Hoffnung , das unlängst ihm so freundliche Antlitz noch einmal zu sehen . Daß Herzog Heinrich ein Sklave seines gegebenen Wortes sein werde , daran zweifelte der Verräter keinen Augenblick ; aber es war ebenso gewiß , daß der Kardinal einen Haß werfen würde auf Rohan , das Werkzeug , dessen edler feiner Stahl zerbrochen war in seiner es mißbrauchenden Hand , und daß der Herzog Frankreich nicht wieder betreten könne , ohne der Rache Richelieus zu verfallen . Jenatsch hätte ihn gerne vor dieser Rache sicher gewußt – aber wo ? Welches war die Stätte , die dem Arme des Kardinals ihn entzog und die doch kein trostloses Exil für ihn war , das zu erwählen er sich weigern würde ? Er wartete vergebens . Der Herzog kam nicht und als endlich die Tür sich öffnete , war es der Adjutant Wertmüller , der , ein Schreiben in seine Brieftasche steckend , heraustrat und ohne Gruß an ihm vorüberschreiten wollte . » Könnt Ihr mir nicht eine kurze Audienz bei dem Herzog verschaffen , Wertmüller ? . . . In seinen eigenen Angelegenheiten « , fragte der Bündner . » Damit verschont Ihr ihn besser « , versetzte der Locotenent . » Euer Anblick hat für ihn seinen Reiz verloren . Was seine persönlichen Angelegenheiten betrifft , so seid Ihr nicht der Mann , sie erfreulich zu ordnen . Er hat es eben selbst getan . « » Er hat schon über seine Zukunft entschieden ? « fragte Jenatsch gespannt . » Geht er nach Zürich oder Genf ? dort könnte er in edler Muße seinen Studien leben . « » Ein militärisches Handbuch schreiben , meint Ihr ? « höhnte Wertmüller . » Nicht doch ! In der Lage , die Ihr ihm so kunstvoll bereitet habt , bleibt für Herzog Rohan nur eines übrig : der Tod auf dem Schlachtfelde . Ihr begehrt zu wissen , wohin mein Herr sich wenden wird , wenn er aus Euern Judasarmen sich losgemacht hat , und ich will Euch nicht belügen – entgegen der Sitte , die von Euch hiezulande eingeführt wurde . Ich überbringe ein Schreiben meines edlen Herrn an den Herzog Bernhard von Weimar , seinen Schwiegersohn , worin er sich zu gemeinem Reiterdienste im deutschen Heere anbietet . Kann ich Euch etwas an den Herzog Bernhard ausrichten ? Besinn ich mich recht , so folgtet auch Ihr einst seiner Fahne . Er wird sich über Euch wundern . Noch heute reit ich ab und genieße so auch meinerseits zum letzten Male Euern Anblick . Wäre ich dessen nie teilhaft geworden ! Besonders jenes Mal vor der Festung Fuentes nicht , als Ihr in gebührenden Ehren einherschrittet ... schon damals mit spanischem Gefolge ! Manches stünde besser und Ihr wäret schon längst an Euern richtigen Platz erhöht . « » Ihr reizt mich nicht « , sagte der andere finster . » Ich bin des Blutes satt und an Eurer persönlichen Achtung liegt mir nicht das mindeste . – Was ich für mein Land tue , versteht Ihr nicht . – Geht und sagt dem Herzog Bernhard « , schloß Jenatsch und schritt , das Haupt übermütig zurückwerfend , dem Eingange zu , » er möge sich vorsehn , daß er sein Elsaß so glücklich den Krallen Frankreichs entwinde wie ich mein Bünden . « Neuntes Kapitel Neuntes Kapitel Der warme Mai hatte das Tal des Rheines mit Blüten und üppigem Grün bedeckt ,