Eigentümers ? « » Ich habe die Genehmigung der Besitzerin vorausgesetzt . « » › Der Besitzerin ‹ ? – Einer Dame gehört das Vorwerk ? « Sie sah erstaunt , aber auch ermutigter auf . » Und Sie sagten vorhin selbst , daß Otto Franz im Hirschwinkel bleiben könne – da wird die neue Besitzerin jedenfalls auch verpachten ? « – Er zog die Schultern empor und sah ihr lächelnd in das angstvoll gespannte Gesicht . » Das weiß ich nicht – da müssen Sie Fräulein Agnes Franz fragen . « Sie stand wie versteinert und ließ es willenlos , wie geistesabwesend geschehen , daß er ihre beiden Hände ergriff und einen Augenblick festhielt . Er erzählte ihr , wie er durch Zufall den letzten Willen seiner Tante gefunden habe , und zog schließlich das Notizbuch der verstorbenen Frau Oberforstmeisterin aus der Brusttasche , um den Beweis zu erbringen . Tränen der Rührung flossen über ihr Gesicht beim Überfliegen der Schriftzüge , aber sie nahm das dargebotene Buch nicht in die Hand , sie schob es vielmehr sanft von sich . » Das ist ja kein rechtskräftiges Testament , mein Herr ! « sagte sie , ihre tiefe Bewegung niederkämpfend , fest und entschieden . » Niemand in der ganzen Welt würde daraufhin der in Aussicht genommenen Erbin auch nur den Schein eines Anspruchs zugestehen . « » › Niemand ‹ ? « wiederholte er . » Ei , was hat Ihnen denn die arme Welt getan , daß Sie meinen , sie sei voll Spitzbuben ? ... Möglich , daß es Leute genug gibt , denen der letzte Wille eines Ihrigen nichts gilt , wenn nicht so und so viele Tintenkleckse von fremder Hand drunter stehen – meinetwegen mögen sie sich dabei sogar vollkommen auf dem sogenannten Rechtsboden befinden – aber so wie ich denke , ist das Anrufen des Gesetzes in einem solchen Falle eine richtige Veruntreuung . Nein , nein , schütteln Sie nur nicht den Kopf über mich , als käme ich aus irgend einem verklungenen , sagenhaften Lande mit meinen Rechtsbegriffen ! Mögen sie immerhin ein wenig schwerfällig sein , wie das ganze Rüstzeug meiner geistigen Beschaffenheit – Sie haben ja selbst erfahren , wie ungelenk ich im Auffassen der Menschen und Dinge bin , wie ich in lächerlicher Vertrauensseligkeit , brav und bieder das Seltsamste wochenlang als bare Münze genommen habe – ich sage , den obersten , unfehlbaren Richter , das Gewissen , haben sie doch für sich . « Sie war bei seiner Anspielung auf die Rolle des Irregeführten , in der sie ihn wider Willen hatte belassen müssen , tief errötend und raschen Schrittes weitergegangen , und er war an ihrer Seite geblieben . Die Gehölzhecke lag hinter ihnen , und der Vorwerksgarten kam in Sicht . » Angenehm war mir der Fund im Arbeitsbeutel meiner seligen Tante allerdings insofern nicht , als er mich mit der fatalen Amtmannsnichte in persönliche Berührung bringen mußte , « fuhr er nach einem sekundenlangen Schweigen fort , und der liebenswürdige Humor , der sein Gesicht so verschönen konnte , brach förmlich leuchtend durch . » Ich betäubte aber sündhafterweise mein Pflichtgefühl und machte mir es selber glaubhaft , daß ja auch mein Sachwalter die Sache ganz gut abwickeln könne , wenn ich den Hirschwinkel wieder im Rücken haben würde ... Nun trat aber plötzlich auch ein Amtmanns sohn in meinen Gesichtskreis , und dadurch wurde die Angelegenheit schwieriger . Ich sah mich gezwungen , die Verhältnisse auf dem Vorwerk näher zu erforschen , wenn ich das Richtige tun wollte . Ich mußte mich fragen , weshalb die Erblasserin ein Mädchen als Vormünderin und Versorgerin für die beiden Alten einsetzte , während sie die natürlichste Stütze , einen Sohn , hatten . « » Ich verstehe die liebe , treue alte Freundin vollkommen , « entgegnete das an seiner Seite schreitende Mädchen bewegt . » Otto war stets gutmütig und nachgiebig bis zur Schwachheit . Seinem herrischen Vater gegenüber hatte er weder Mut noch Willen , genau wie seine arme Mutter ... Aber nun , wo ihm das Leben so bittere Lehren gegeben hat , wo er weiß , wie weh der Hunger tut , und daß er nur durch Sparsamkeit , durch Energie der bewußten Verschwendungssucht gegenüber den Lebensabend seiner Eltern sorglos machen kann , nun – « » So meinen Sie , ich solle die letztwillige Verfügung in diesem Buche zu seinen Gunsten umändern ? « Sie schwieg einen Augenblick und hob die schönen , schimmernden Augen voll unaussprechlicher Dankbarkeit zu ihm empor . » Nun denn , ja ! « – antwortete sie fest – » wenn es nicht ein Unrecht meinerseits ist , Sie in dieser unerhörten Großmut zu bestärken ! « Er lachte und stieß das Gartentürchen auf , vor welchem sie eben ankamen . » So darf ich Sie also nicht auffordern , nunmehr Ihren eigenen Grund und Boden zu betreten , wie ich vorhatte – Sie haben sich Ihres Rechtes begeben – « » Mit tausend Freuden ! « rief sie eintretend und wandte sich nach ihm zurück . » Ich brauche nichts – und das weiß ich , « – sie faltete die Hände inbrünstig über der Brust – » wohin ich auch gehen mag , hier wird mir die Heimat bleiben , hierher darf ich kommen , wenn ich auch einmal das süße Gefühl des › Zuhauseseins ‹ kosten will ! « » Ich sollte meinen , diese Berechtigung hätten Sie sich schwer genug errungen ! – Aber wissen Sie denn nicht , daß der echte , rechte Mann und Hausherr es nicht duldet , wenn sein Weib ein zweites Heim neben dem seinen geltend macht ? « Sie trat von ihm weg mit einem bösen , bittern Ausdruck in ihrem erblaßten Gesicht . » Das sind Verhältnisse , die weit ab von meinem Lebensweg liegen , « entgegnete sie finster . » Mir wird nie ein Mann vorzuschreiben haben , was ich tun oder