liegen weit zurück . Der Orient ist seine Welt und der Turban nicht bloß das Kleid , das ihn kleidet , sondern auch das Zeichen , darin er siegt . Ernst , solide , gewissenhaft wie der ganze Mann , ist auch das , was er schafft ; ein feiner Humor , der sein Leben durchdringt , adelt auch seine Kunst und heimelt uns daraus an . Er gehört zu den Nicht-Vielen , an denen man sich ermutigen darf , und wenn ich im Streit mit den Verurteilern unserer Zeit aufgefordert werde , Namen zu nennen und den Beweis zu führen für meine günstigere Meinung , so nenne ich auch Wilhelm Gentz und freue mich der Landsmannschaft und daß ich Wand an Wand mit ihm geboren wurde . * Diese biographische Skizze wurde 1889 auf 1890 geschrieben . W. Gentz war damals siebenundsechzig Jahre und seine feste und erprobte Gesundheit schien ihm noch eine Reihe von Jahren zu versprechen . Es war aber anders beschlossen . Genau um die vorgenannte Zeit ( Winter 1889 und 1890 ) begab er sich mit Frau und Sohn nach Tunis und Tripolis , wo er sich , mit jugendlichem Feuereifer , rastloser und angestrengtester Tätigkeit hingab . Diese rastlose Tätigkeit und mehr noch der plötzliche Wechsel von Sonnenglut und Kälte , legten den Keim zu einem quälenden Leiden . Mit rührender Geduld ertrug er die Beschwerden der Heimfahrt , ohne mit einem Wort zu klagen . Als Sterbender traf er wieder in Berlin ein und entschlief am 23. August 1890 . 12. Civibus aevi futuri 12. » Civibus aevi futuri « Es trägt Verstand und rechter Sinn Mit wenig Kunst sich selber vor . Faust Stoß deinen Scheit drei Spannen in den Sand , Gesteine siehst du aus dem Schnitte ragen , Es ist , als habe hier , am Torfmoor hin , Natur die Trödelbude aufgeschlagen . Annette von Droste-Hülshoff Unter den wenigstens durch Ausdehnung hervorragenden Gebäuden der Stadt nimmt das Gymnasium den ersten Rang ein . Es wurde nach dem Brande von 1787 auf dem Platzviereck errichtet , auf dem wenigstens drei Kölner Dome hätten stehen können , und empfing die Inschrift , die ich diesem Kapitel vorgesetzt habe : Civibus aevi futuri . Die Ruppiner lateinische Schule zählt zu den ältesten der Mark und 1865 konnte bereits das fünfhundertjährige Bestehen dieser alma mater gefeiert werden . Festgedichte von erheblicher Strophenanzahl erschienen , die das Wachsen der Schule von Jahrhundert zu Jahrhundert begleiteten und dem Ruppiner Bürger , insonderheit dem des Reformationszeitalters , das ehrende Zeugnis ausstellten , » daß er durch Beifall , Lob und reiche Spenden die herzudrängenden Jünger des Wissens tatenstark gemacht « und das Ansehen der Schule durch ganz Brandenburg hin begründet habe : » Der Schule Ruf hallt durch die ganze Mark . « So war es im sechzehnten Jahrhundert und so war es auch im neunzehnten noch . Nur die Beschaffenheit des Rufs , » der immer noch durch die Marken hallte « , war inzwischen ein anderer geworden . Wohl war das Gymnasium eine Wissensquelle geblieben , aber was wenigstens in den Tagen meiner eigenen Jugend ihren besonderen Ruf begründete , war doch vorwiegend der Umstand , daß diese Ruppiner Wissensquelle zugleich eine besondere Trostesquelle geworden war . Hier hatte der » Wilde « sein Refugium , hier fühlte der an der bekannten Klippe Gescheiterte wieder Hoffnung und sah das Rettungsboot vom Lande stoßen . Mancher schon dem Untergehen Nahe , hier ist er durch liebevoll zugeworfene Schwimmgürtel sich selbst und dem Staat erhalten geblieben . Und » Gott sei Dank ! « so füge ich in meiner Vorliebe für alle diese Anstalten » von der milderen Observanz « hinzu . Sie sind meines Erachtens ein notwendiger Ausgleich für den andern Orts geübten Rigorismus . Denn ich bekämpfe den Satz und werde ihn bis zum letzten Lebenshauche bekämpfen , daß der Normalabiturient oder der durch sieben Examina gegangene Patentpreuße die Blüte der Menschheit repräsentiere . Das Beste , was wir haben , ist ohne diese vorgängigen Proben geleistet worden . Und so seid mir denn gepriesen ihr Schlupflöcher , wo der Nicht-Mustermensch noch Chancen hat , sich glücklich durchwinden zu können ! Die bei Gelegenheit der Jubelfeier von 1865 erschienenen » Annalen « ermöglichen uns einen historischen Überblick über die Schule , den wir aber nicht allzuweit rückwärts ausdehnen . Vor etwa hundert Jahren erlangte sie während des Doppelrektorates von Lieberkühn und Stuve eine Art europäische Berühmtheit . Beide , die zu den Anhängern Basedows zählten , leisteten Bedeutendes in Erweckung eines frischen Geistes in der Jugend und » die mit Vorliebe gepflegte Anthropologie erzeugte eine praktische Diätetik , die viele Schüler selbst in den Häusern ihrer anders denkenden Eltern dazu bestimmte , freiwillig allem Luxus und aller Verwöhnung , so beispielsweise dem Kaffee , dem Bier und Wein zu entsagen . Sie tranken Wasser , schliefen und badeten kalt und gefielen sich in jeglicher Abhärtung des Körpers . « Aber dies alles war nur Episode . Die Lieberkühn-Stuvesche Herrschaft währte nur wenige Jahre , von 1777 – 1786 ; ein Jahr darauf brannten Stadt und Schule nieder und als 1791 unser jetziges » Civibus aevi futuri « aus der Asche erstand , rückten neue Prinzipes und neue Prinzipien in das Gymnasium ein . Während des ersten Drittels dieses Jahrhunderts regierte Thormeyer , der Schulmonarch , wie er im Buche steht . Ich habe selbst noch bei meinem Eintritt ins Gymnasium ein Cornelius-Nepos-Kapitel unter seinen Augen oder richtiger unter seinen Nüstern übersetzt , und was Thackeray in seinem Vanity fair erzählt , » daß ihm von Zeit zu Zeit immer noch Mr. Birch in seinen Träumen erscheine « , das kann ich auch von meinen Beziehungen zum alten Thormeyer sagen . Er war eine Kolossalfigur mit Löwenkopf und Löwenstimme , lauter Schreckensattribute , die dadurch nicht an Macht verloren , daß man sich schaudernd erzählte , » er sei überhaupt nur von Stendal nach Ruppin versetzt worden , weil er sich an ersterem Ort an