Slim seine Überlegenheit kurzerhand klargemacht und das Mädchen verboten , bevor ich noch Atem geschöpft hatte . Und jetzt war er plötzlich vergnügter Laune und beantwortete die Zurufe Kelwas , der uns inzwischen bemerkt hatte , mit Witzen . Beide unterhielten sich drastisch , während wir in den Hof eingelassen wurden . Die Bildwerke , die hier herumstanden , lenkten mich ab . Der Hundegenius mit seinem langschnauzigen süffisanten Gesichte - es war in der Tat ein Gesicht - beroch noch mit der gleichen Schleckrigkeit einen Liebesakt und das Leben . Die leidende Kreatur daneben schien mir bekannt . Es war offenbar ein Puma , der sich in Hunger oder Geschlechtsnot verzehrte . Sein Unterleib war sackartig gebläht , die Kopf- und Schulterteile waren mager . Sein Maul war bis zu den Speicheldrüsen jaunend aufgerissen und gen Himmel gestreckt , dünn gewölbt wie ein Vokalzeichen . Es beherbergte einen markerschütternden Schmerzensschrei . Neben den Tierbildern machten sich die gewohnten Räckeleien von Leibern breit , Gestaltungen von zwei und drei ineinander gepfropften Akten . Ich mußte Slim ansehen . Er sprach , vor den Tafeln stehend , lebhaft mit Kelwa und klopfte ihm auf die Schultern . Da kam mir eine Idee . Hier stand er wohl und begeisterte sich für das Ganze , weil er einen Teil begriff ? Wer konnte denn diesem Seelenleben , diesem so grundverschiedenen Phantoplasma , dieser nach schweren Umwälzungen überlebten Art von Anschauung in die Nähe kommen ? Es war eine Verzweiflungstat , gottverdammte Dialektik , das war es ! Vielleicht machte das Blut , das Blut , das durch das Hirngebirge rieselt , etwas aus . Wer war nun der eigentliche Maler ? Dieser internationale und raffiniert erfahrene Abenteurer , der das Bewußtsein dieser Anschauungsformen motivierte und sich eigentlich schon auf einer Retourkutsche befand , oder Kelwa , der Eingeborene , der einfach malte , vermöge des Kontaktes zwischen seinem Hirn und seinem Handmuskel ? Ich starrte auf dieses Nebeneinander von Farben , das sich wie ein Rätsel im letzten Augenblicke , da man ' s zu fassen glaubt , verwirrte . Und plötzlich schien es zu meinen Gunsten verschoben . Der Eindruck von Wirklichem schnellte aus der Tafel , und als ich soweit gekommen war , hatte ich zum zweiten Male das Gefühl der Wandlung . Sah ich mit dem Rassenbewußtsein eines Indianers ? Eine Formenwelt eröffnete sich mir , die technisch tief stehen mußte . Aber in ihrer Deutung war das Walten der Wesen nicht weniger erklärt , denn in der verwickeltsten plastischen Gruppe . Hier war alles entsprechend und befriedigend , restloser denn je ein Versuch der Natur , heroischer gleichsam als das Urbild . Alles war : Bild . Ja , gab es überhaupt einen Fortschritt der Technik oder war es nicht vielmehr das geänderte Bewußtsein , das eine geänderte Anschaulichkeit nach sich zog ? Anschauen , beobachten heißt wollen . Wir unterziehen uns einer großartigen Suggestion . Das Wissen von Formen und Dingen ist vor der Wahrnehmung da . Im wesentlichen liegt allem das undimensional Gestaltete zugrunde . Was ist der einzelne Mensch ? Eine Symbiose von Tieren . Dieser Kelwa besaß ein Phantoplasma , das seiner Art von Jägerleben entsprach . Seine Art Augen heulten und schnupperten in meinem Kopfe wie Hunde , für sie lag das Menschliche in so wohlgefälliger Häßlichkeit ausgebreitet wie etwa auf diesem Bilde . Hat man den Hund schon gefragt , wie die Welt aussieht ? Würde er die Frauen Lionardos als Menschenporträte erkennen und würde er überhaupt Verständliches darin vorfinden ? Wohlan , ich votierte für Kelwas Sehen . Was wir aus dem Sein analytisch herauskriegen , ist nur eine Synthese dessen , was wir zu unserer Lust brauchen . Kelwas Leben ist ein vollständiges System - eine Kultur . Kehre ich in der von mir erfundenen fünften Dimension gelegentlich zu ihm zurück , gut , so ist mir das Leben nach dreißig Generationen wieder einmal Jagd . Ich sehe Mensch und Tier unter der verwandten Form - denn die Form ist ein Vorwand für meinen Lebenswillen . Alle Lüste dieses Daseinszustandes versammle ich in dem Blicke , mit dem ich sie beschenke . In meiner Dimension ist eine enthalten , die Entwickelung heißt , das Substitut der » Zeit « . Suchen wir der » Zeit « ihre Kunst . Denn jede Dimension habe ihre Kunst . Die Musik ist das Undimensionale , der Punkt , das Sein an sich und der springende Punkt : die Lust . Wir haben ja jetzt Gott sei Dank entdeckt , daß die Lust auch bei Disharmonien nicht aufhöre und daß sie mit einem Worte allgegenwärtig sei . In der ersten Dimension haben wir die Kunst der Linie , die Architektur . Sie ist bei den frühesten Völkern zu Hause . Die Schwerkraft ist die Urlinie . Hat man nicht durch alle Zeiten geahnt , daß die Architektur der nächste Blutsverwandte der Musik sei ? O wie sich alles klärt ! Kelwa ist ein großer Künstler , denn er gibt durch seine außerordentliche dimensionale Reinlichkeit das sinngemäße Weltbild wieder . Ich werde seinem braunen Weibe den Hof machen . Wer die Liebe aus diesem Quell schöpft ... Es ist begreiflich , daß Kelwa den geschärften Blick fürs menschliche Prototyp hat ! Wie sie herübersieht ! Es ist die Rührung selbst in ihren Augen . Er muß , Konterstimmungen abgerechnet , ein glücklicher Gatte und Künstler sein - - Mit kühler Studienlust fraß ich mich in die simple Symbolistik der Bilder ein . Der schreiende Puma in seiner Leibesnotdurft mochte ein Stammeszeichen sein . Ich bemerkte ihn in blauer Tätowierung auf dem Bauche von Madame Kelwa . Ich schlug mich in ihre Nähe und wies , um eine Unterhaltung anzuknüpfen , mit stummem Finger und übertrieben deutenden Blicken auf das , was an ihrem Leibe mein Interesse anzog . Ich frug nach dem Puma . Da ereignete sich eine höchst peinliche Szene . Das Weib warf sich plötzlich , mit einem Ausdruck unnennbaren Grauens im Gesicht