Lachen geblieben , Klaus Mewes ? Warum singst du nicht , der du doch sonst im Sturm gesungen hast ? Denkst du du deines Jungen ? Der sitzt warm im Bauch des Ewers und lacht aus der Koje : So geiht he god ! - und obgleich Hein Mück ihn stören will und sagt , es sei nichts Genaues , bleibt er fröhlich und lacht sorglos : » Vadder is jo boben ! « An Deck ist das Halsen glücklich gelungen . Gezogen von der halb aufgeholten , angebundenen Fock und dem als Sturmsegel gesetzten Klüver am Großmast , geschoben von den immer gröber und ochsiger werdenden Seen , wühlt der Ewer sich durch das kappelige Wasser . Südwest liegt an . Es ist eine böse Gelegenheit , denn Hagelschauer und Regenflagen benehmen alle Sicht . So weit sie sehen können , ist kein Licht zu erblicken : sie sind allein auf der See . Ihr Zeug ist durchnäßt , denn die Seen laufen über den Setzbord , wie sie wollen . Die Frau am Deich ! In Klaus Mewes ist alles aufgestanden , nichts schläft oder träumt in ihm , alles wacht . Wie der Deich bei der Sturmflut schwarz ist von Menschen , so hat er seine Gedanken auf dem Haufen : taghell sind alle Stuben und Kammern beleuchtet , und über die Treppen eilen die aufgejagten Diener . Die Seen werden hohler und hohler , und donnerartiger klingt ihr Lärm , wie aus der Tiefe gequollen . Klaus will ihm erst nicht glauben , bis er sich dermaßen verstärkt , daß er es muß . » Lot ut ! « ruft er dann jäh und reißt das Blei aus dem Nachthaus . Der Knecht peilt die Tiefe . » Fief Fohm ! « » Denn sünd wi uppe Grünnen ! « Fünf Faden Wasser nur . Wie weit sind sie abgetrieben ! Sie sind in leeger Wall ! Bis jetzt ist alles Spiel gewesen , verglichen mit dem Ernst , der nun kommt ! Klaus Mewes fühlt sich von kalten , eisernen Fäusten gepackt , die ihn erdrosseln wollen . Gefahr ! gurgelt das Wasser , Gefahr ! braust der Sturm , Gefahr ! schreit der Ewer . » Nu geiht op Leben un Dod « , ruft der Knecht . Klaus aber verkettet das Ruder und gröhlt : » Seil upsetten ! « denn er will sich nicht geben . Mit großer Mühe setzten sie das Sturmsegel am Besansmast , binden das dritte Reff an und ziehen das Großsegel halb auf und geben der Fock etwas mehr Bott . Der ringende Ewer luvt auf und legt sich dwars in die schweren Seen . Argewaltig wird der Kampf mit Wind und Wasser , verzweifelt wehrt der kleine Menschenewer sich gegen die beiden Großen , die ihn tot machen wollen . Mit unbeschreiblicher Wildheit und Wut branden die Seen ununterbrochen über den Setzbord , daß das Deck ein Wasser ist , die Segel wie Dachrinnen lecken und die Spritzer bis zum Flögel fliegen . Wenn eine der großen Unsulten von Sturzseen gigantisch und eisern heranwuchtet , duckt der Ewer sich wie ein Bulle und nimmt sie von Steuerbord über , richtet sich hoch und steil auf und schüttelt sie nach Backbord ab . Dann duckt er sich wieder , ein Wal im Kampf mit Schwertfischen , die von allen Seiten auf ihn eindringen . Wehr dich , Ewer ! Kap Horn , halt aus ! Denk an die Stürme im südlichen Atlantik , an den düstern Felsen , nach dem du genannt bist , und laß die Kette nicht los ! Steh fest auf dem glatten Deck , laß dich nicht über Bord spülen ! Denk an die vielen Hochzeiten , zu denen du noch mit deiner Harmonika aufspielen sollst ! Klaus Mewes , du Leu von Finkenwärder , der du immer in der ersten Reihe gestanden hast , muß ich dich aufrufen ? Nein , - das braucht es nicht : da steht er am Ruder im zerrissenen Ölrock , naß wie ein Kater , knietief im Wasser , und wankt und weicht nicht , er hält den Ewer , er hält ihn ! Damit er nicht über Bord schöle , hat er sich mit einem Tauende festgebunden . So steht er da , ein ganzer Seemann , ernst und wachsam , und späht durch Nacht und Regen nach Land und Feuern . Zeit gibt es nicht mehr , es gibt nur noch Sturm ! Wer will wissen , ob es Minuten oder Stunden sind , die sie durchleben , bis an Steuerbord ein Licht erscheint ? » Rodensand ! « ruft der Knecht , aber der Schiffer schüttelt ungläubig den Kopf . Da taucht neben dem hellen Licht ein schwächeres auf , und er muß glauben , was er erst nicht glauben wollteweil er sich nicht denken konnte , daß sie so weit abgetrieben sein könnten : das Licht voraus ist das Feuerschiff Bremen ! Sie müssen hoch auf den Gründen sein ! Hastig knotete er sich los und wirft das Lot ! Er wirft es zum zweiten Mal , denn es kann ja nicht sein , die Leine muß gehakt sein . Aber es bleiben drei Faden . » Dree Fohm ! Dree Fohm ! Dree Fohm ! « ruft er durch den Sturm . » Hest hürt , Kap Horn ? « gröhlt er , als er keine Antwort bekommt . In diesem Augenblick schiebt Störtebeker , dem die Zeit zu lang wird , die Kapp auf , um auszugucken : da schlägt ihm die See dermaßen ins Gesicht , daß er das Gleichgewicht verliert und holterdipolter die Treppe hinuntersaust . Er krabbelt sich aber gleich wieder auf , schiebt die Kapp zu und sagt zu Hein , der ihn ungeachtet seiner Bangigkeit auslacht : » Junge , dat do ik ne wedder , Hein ! Wat hebb ik een kreegen ! Meist , as wenn Vadder mi een fixen Backs geef ! «