das inzwischen von den Unsern erobert sein werde . Begab mich hierauf zu dem Posten bei den Pferden und befahl ihm , sie außer dem meinigen in einen bezeichneten Busch zwischen Schönebeck und Barby zu führen . Dann bekam mein Renner die Sporen , und ich jagte zu meiner Schwadron zurück . Kaum hatte ich dem Rittmeister den Vorfall berichtet , so ging er auch schon auf meinen Plan ein und ließ aufsitzen . Zunächst umritten wir Barby , da wir für ein Pappenheimsches Detachement gelten wollten und also von Süden her kommen mußten . Die Dämmerung war allbereits hereingebrochen , als wir vor Barbys südlichem Tore anlangten . Ich und der Rittmeister trabten der Schwadron voran . Wir hatten grüne Feldbinden umgetan , wie sie die Pappenheimer trugen . Als wir eines Flüßleins Brücke passieren wollten , wurden wir von einem Posten angerufen : » Gebt Losung ! « » Maximilian ! « entgegnete der Rittmeister . » Passieret « , sagte der Posten . Da brachte der Rittmeister sein Pferd an ihn heran und fragte : » He , Kamerad ! Habet Ihr zu Barby auch einen guten Trunk ? « Gleich darauf sank der Posten lautlos vom Pferde , da ein hurtiger Hieb des Rittmeisters seinen Kopf getroffen hatte . Ich erhielt nun den Befehl , am Mauertor Einlaß zu begehren . Ritt also hin und sagte dem Trupp Soldaten , die dort Wache hielten und ihre Karbiner auf mich anlegten , die Losung » Marximilian . « Man beleuchtete mich mit einer Fackel und sah meine grüne Feldbinde . » Gut ! « sagte der Wachthabende . » Was ist Sein Begehr ? « » Daß Ihr das Tor auftuet für ein Detachement vom Regiment Kufstein . « Da der Wachthabende zögerte , fuhr ich fort : » So gebet mir einen Mann zum Herrn Kornet mit , der Euch befehligt . « Hierauf schwand das Mißtrauen der Pappenheimer , und sie taten das Tor auf . Zugleich trabten die Meinen heran und hieben auf die verdutzte Torwache ein , die sich dann ergab . Nun jagten wir durch Barbys Gassen und bemächtigten uns der übrigen Tore . Unser Verlust war gering ; die Feinde gaben sich gefangen , sofern sie nicht niedergemacht waren . Im Ratskeller fanden wir mindestens dreißig Mispel Korn , Speck , Brot und Bier , ferner fünf Zentner Pulver , wonach wir sehr Verlangen trugen . Da auch eine Herde Rinder im Städtlein war , und meine Kameraden mit dem Kahne anlangten , so hatte dieser Handstreich uns reiche Beute eingebracht . Mein Rittmeister beorderte mich , die angenehme Meldung Herrn Falkenberg zu überbringen . Ich brach sogleich auf und traf am späten Abend den Obersten zu Schönebeck . Genau mußte ich alle Einzelheiten berichten ; hierauf sandte Falkenberg Verstärkung nach Barby und traf Anstalten , den erbeuteten Proviant nach Magdeburg einzuheimsen . Zu mir aber sprach er : » Tielsch , Er ist Korporal ! « Bevor ich diese Nacht einschlief , flogen meine Gedanken zu Thekla , und ich sahe mich allbereits als Offizier vor ihr stehen , während sie liebevollen Auges ihre Hand in die meine legte . Doch in mein Triumphieren mengete sich eine Beklommenheit . Des Märleins von der Abendburg gedachte ich , und Worte meines Vaters kamen mir in den Sinn , die er in meiner Kindheit gesprochen : » Das Menschenherz ist die wahre Abendburg ; verwunschen ist es von einem bösen Geiste , in seinen tiefen Kammern aber ruhet ein Reichtum , den nimmer Motten noch Rost fressen . Den sollst du heben , mein Johannes ! « Und traurig ward mein Gemüte . Zwischen Schlaf und Wachen kam ich mir vor wie jenes Weib , dem sich in der Johannisnacht die Abendburg aufgetan . Wohl hatte sie Goldes eine Last herausgeholt ; doch wie sich der Felsen hinter ihr schloß , ward sie gewahr , daß ihr lieb Kindlein innen geblieben . So hatte auch ich mich bereichert an kalten Schätzen und dabei das Kindlein Unschuld verloren . Nun wimmerte es gleich dem eingemauerten Mägdlein im Krökentore . Morgens , als mein Roß mich im Galoppe wiegte , schalt ich mich einen Grillenfänger , jubelnd : » Vivat Soldateska ! « Wie ohnmächtig der Feind sich fühlte , ward in einer Sitzung der Magdeburger Ratmannen von Herrn Falkenberg dargetan . Der Oberste wies einen Brief , darin ihm Pappenheim viermal hunderttausend Taler und ein Landgut anbot , sofern er die Stadt preisgeben wolle . » Da sehet ihr - sprach Falkenberg - wie der Feind seiner Tapferkeit also wenig zutraut , daß er zum schleichenden Verrate seine Zuflucht nimmt . Was bleibet ihm auch anders übrig ? Lebensmittel haben wir genung , um die Blockade noch etliche Monde auszuhalten . Inzwischen wird die schwedische Majestät ihr königlich Wort einlösen und uns entsetzen . Schon jetzo spüren wir , wie König Gustavus uns Luft macht , indem er viel Feindesvolk von der Stadt ablockt und im Lande umherschleppt . So harret aus , Glaubensbrüder , und lachet , weil der alte Ligistenkorporal an euern Mauern sich die morschen Zähne ausbeißet . « Und es sangen die Bürger : » Erhalt uns , Herr , bei deinem Wort Und steur ' des Papst und Türken Mord ! « Wie aber auf den Tag die Nacht folget , also brach nach dieser schönen Abendröte unseres Waffenglückes bange Finsternis herein . Es erschien nämlich wider Erwarten Tilly mit seiner Hauptmacht . Dieweilen er den ausweichenden Schwedenkönig nicht zu fassen gekriegt , war er nun resolvieret , mit unserer Stadt aufzuräumen , um nicht länger vor den Blicken ganz Europiens am Narrenseile herumgeführet zu werden . Das siebente Abenteuer Die Magdeburgische Bluthochzeit Wenige Tage vor Tillys Anrücken erhub sich ein Sturmwind , wie seit Menschengedenken nicht erhöret worden . Riß von den Dächern Ziegel , daß mehrere Leute erschlagen wurden , und auf den Straßen Haufen von Schutt lagen . Fünf Windmühlen und drei Schiffmühlen sind zerbrochen