' s Mäu halt ! Oba do ! « Und jedesmal , wenn Metz zu reden anfing , erhob sich der Lärm von neuem . Er bohrte mit dem Zeigefinger in die Luft und bewegte die Lippen . Daran erkannte man , daß er sprach , aber man hörte keine Silbe in dem Lärmen . Die rauhen Stimmen übertönten ihn ; ganze Reihen schrien im Takte die gleichen Worte : » Metz oba ! « Zwischenhinein gellten Schimpfworte und Pfiffe ; viele schlugen mit Maßkrügen oder Stöcken auf die Tische . Der Amtsrichter , die geistlichen Herren gestikulierten heftig zur Tribüne hinauf , und wenn sich einer mit unwilligen Gebärden gegen die Versammlung wandte , verdoppelte sich der Lärm . Der Hirner stampfte seinen Stuhl auf den Boden und schrie , daß ihm die Adern anschwollen , zwei andere hatten eine lange Bank gefaßt , hoben und stießen sie nieder , wieder einer hatte den Bierschlegel gepackt und trommelte auf einem leeren Fasse ; der Knecht auf der Galerie hatte ein neues Mittel gefunden . Er hielt die Hand vor den Mund und heulte ; das gefiel den jungen Leuten , und sie machten es nach . Metz blieb auf seinem Platze . Er lächelte und zuckte die Achseln . Seine Amtsbrüder schrien zu ihm hinauf und schüttelten die Köpfe . » Was ist zu machen mit diesem Volke ? « Es war nichts zu machen mit ihm . Das Volk zeigte , daß es absolut und durchaus gar nichts mit sich machen lassen wolle . Und dann erhob sich der Assessor und setzte seine Mütze auf . Die Versammlung war geschlossen . Den anderen Tag erfuhr die Welt durch das Nußbacher Wochenblatt , daß im Anschlusse an die Versammlung zweihundertsiebenundvierzig Leute sich als Mitglieder des bayerischen Bauern- und Bürgerbundes anmeldeten , daß in sechs Gemeinden Marktgenossenschaften gegründet wurden , daß die schweren Anklagen , welche Vachenauer und Wanninger gegen das Zentrum erhoben , einen immerwährenden Stachel in den Herzen der Landbevölkerung hinterließen , und daß sich Herr Dekan Metz schwerlich von der Niederlage erholen dürfte , welche sichtlich einen so niederschmetternden Eindruck auf ihn wie auf seine Kumpane - darunter einen vorlauten Beamten - gemacht habe . Die animierte Versammlung habe den geradezu glänzenden Beweis dafür geliefert , daß auch im Nußbacher Bezirk die Morgenröte angebrochen sei . Die Nußbacher Nachrichten erzählten ihren Lesern von einer Versammlung , welche zu einem allerdings unbeabsichtigten Triumphe des Zentrums geführt habe , indem sich die bodenlose Unwissenheit der neuen Bauernapostel im hellen Lichte gezeigt habe und selbe auch von dem hochwürdigen Herrn Metz mit wenigen , aber zutreffenden Worten gebrandmarkt worden sei . Nach Schluß der Versammlung habe man viele , und gerade die besseren Bauern mit nachdenklichen Mienen stehen sehen , indem sie offenbar die Frage aufwarfen , wie töricht es sei , wenn das Landvolk einer solchen Sache unter solchen Führern Gefolgschaft leiste . Damit sei diese Bewegung schon im ersten Aufflackern kläglich erstickt . So verschiedenartig wurden in Nußbach nicht nur die Meinungen , sondern auch die Tatsachen dargestellt . Man war schon mitten im politischen Getriebe . Vierzehntes Kapitel In das Haus vom Schuller war eine schlechte Stimmung eingezogen . Der Mißmut war obenauf , und die Fröhlichkeit hatte nirgends mehr Platz . Den Tag über war der Schuller in seinem Walde bei der Holzarbeit ; wenn er heimkam , saß er schweigsam auf der Ofenbank . Die Bäuerin wollte ihn zum Reden bringen . Sie schimpfte über den Pfarrer und den Hierangl , über den Geitner und den Bürgermeister Kloiber . Sie brachte neue Geschichten heim , welche die Schlechtigkeit dieser Feinde offenbar machten , und sie erzählte alte Geschichten , welche das nämliche bewiesen . Alles , was der Schuller selber einmal getadelt hatte , brachte sie vor und meinte , das müsse ihm ein Gefallen sein . Aber er gab ihr nicht an oder sagte , sie solle sich um ihre Weiberleute kümmern und das andere mit Ruhe gehen lassen . Dann ging die Schullerin seufzend in die Küche und beredete mit der Ursula , wie sich der Vater herunter kümmere . Auch mit den Dienstboten redete sie darüber ; sie sagte zu den Mägden zornige Worte über die Nachbarn und fragte die Knechte , was sie im Wirtshaus gehört hätten . Eine solche Vertraulichkeit tut nicht gut ; sie ist gegen den Respekt und das ordentliche Regiment . Jetzt hatten Knecht und Magd ihr heimliches Getue und wisperten sich Neuigkeiten in die Ohren , wenn sie arbeiten sollten . Und wenn einer faulenzen wollte , stellte er sich in die Küche hin und erzählte der Schullerin , wie er es dem Knecht vom Hierangl hingerieben habe , daß sein Herr kein Pfund Lumpen tauge . Dafür bekam er Dank und billige Nachsicht für seine Faulheit . Die Weibsleute waren zufrieden , wenn sie recht viel Bedauernis und Mitleid sahen . Was die Schullerin davon übrig ließ , brauchte die Ursula für ihren besonderen Zustand . Die Dienstboten nützten es aus und machten sich darüber lustig . Wenn sie bei den gemeinsamen Mahlzeiten saßen , gaben sie sich heimliche Zeichen und stießen sich mit den Ellenbogen an . Eine üble Nachrede findet bei niemandem schneller Boden als bei Untergebenen . Wer vor ihnen etwas entschuldigen oder erklären will , ist übel daran . Gehorsam muß Achtung haben . Der Schuller merkte an vielen Dingen , daß in seinem Hause die Ordnung gelockert war . Früher hätte er sich schnell geholfen ; jetzt schien es ihm nicht der Mühe wert . Alle seine Gedanken waren nur auf das eine gerichtet . Da lag im Kirchenbuch ein Zettel , der ihm zeitlebens Schande anhing . Und noch länger . Wenn die Männer von heute einmal tot waren und die Jungen ans Ruder kamen , dann war das Papier noch da , auf dem es geschrieben stand , daß er ein schlechter Kerl war , dem jeder aus dem Wege gehen mußte . Und dann glaubten es alle