abgerissenen Worten der Schwester , daß es ihm an Mut fehle , um seinem Leben ein Ende zu machen , denn das sei ja doch der einzige Ausweg . Als er das sagte , schrie sie laut auf und verhüllte ihr Gesicht ; der Vater wendete sich langsam zu ihr und fragte sie nach der Ursache ihres Schreiens , und indem er an den Wortwechsel über das Salzfaß dachte und in seinen trüben Gedanken meinte , daß es sich bei diesem um etwas Wichtiges handle , das auch seine Tochter schwer betrübe , suchte er mit der alten Gewohnheit liebenswürdiger Gesinnung sie zu trösten , indem er sagte , daß dieses Salzfaß sich schon noch wiederfinden werde , und sie als ein Kind brauche sich nicht solche Sorgen zu machen wie die Erwachsenen . Bei diesen Reden wurde dem jungen Ivo der Zustand seiner Eltern endlich ganz klar , und er verspürte mit Erschrecken , daß er zu seinen eignen verworrenen Verhältnissen nun auch noch das Bedenken der Familienangelegenheiten auf sich nehmen müsse , und nur geringer Trost war es ihm , daß er jetzt die Möglichkeit in der Hand habe , seine Lage in die Richte zu bringen , denn es ahnte ihm wohl , wie arg alles verwickelt war . Indessen besprach er sich nun mit der Schwester , was zu tun sei , und beruhigten die beiden die Eltern und brachten die mit Schonung dahin , daß sie ungestört von ihnen blieben und sich mit Ruhe beraten konnten . Die ganze Nacht brannte in dem Arbeitszimmer des alten Grafen eine schlechte Lampe ohne Glocke , die sie sich aus der Küche hatten heraufbringen lassen ; bei ihrem Schein lasen sie Aufzeichnungen , Ausgabenberechnungen , Einnahmenverzeichnisse und allerhand Aufstellungen über die Vermögensverhältnisse , und als letztes fiel ihnen das Blatt Bolkos in die Hand und die Urkunden über die Unterhandlungen mit dem Wucherer . Es war den Ungeübten nicht möglich , ein klares Bild aus dem Wirrwarr zu gewinnen , in dem sich der alte Herr selbst ja schon seit langen Jahren nicht mehr zurechtgefunden hatte ; aber eine recht deutliche Vorstellung von ihrer Lage gewannen sie doch vornehmlich aus einem Schreiben , in welchem der frühere Vermögensverwalter um seine Entlassung bat , der eine andre Stellung angenommen hatte . Indessen drängte die Zeit , denn Ivos Hauptschuld war fällig , und er hatte seine Ehre verpfändet , und so ersparte die Notwendigkeit eines schnellen Entschlusses ihnen die Verzweiflung , die sie überfallen hätte , wenn sie sich länger hätten bedenken können , und es blieb kein weiterer Ausweg , als daß sich Ivo an den Wucherer seines Vaters wendete , da dieser die Verhältnisse am besten kannte und deshalb am leichtesten geneigt sein mußte zur Aushilfe . Was dann weiter geschehen sollte , insbesondere mit dem Vater , und wie Ivo die Ordnung und Verwaltung der Geschäfte in die Hand nehmen würde , das mußte man nachher bedenken . Eine kurze Zeit war noch bis zur Abfahrt des Wagens für den Zug , den Ivo benutzen mußte . Er trat zu seiner Schwester , und sein Gesicht , das gestern noch leichtfertige und leere Züge aufgewiesen hatte , erschien gealtert und männlicher geworden ; und indem er ihre Hand erfaßte , sprach er zu ihr in einem neuen und tiefen Ton , den sie bis dahin nicht von ihm gehört . » Liebe Schwester , wir sind die letzten von einem alten Geschlecht , zu dem viele Menschen durch Jahrhunderte aufgesehen haben . Nun gehe ich einen schweren Weg , denn ich weiß nicht , ob ich bekommen werde , was ich suche ; bekomme ich es aber nicht , so muß ich sterben , denn wenigstens liegt mir das ob , zu achten , daß unser Name nicht in Unehren erlischt . Du bleibst dann allein zurück , aber ich habe um dich keine Sorgen , denn du wirst schon eine Stelle für dich finden in der Welt ; das sehe ich jetzt mit ruhigen Augen , denn seit mir offenkundig geworden ist , vor welcher Entscheidung und Ernsthaftigkeit ich stehe , habe ich plötzlich einen neuen Blick bekommen , Leben und Menschen zu betrachten , über die ich vorher gar nicht nachgedacht . Ich weiß , daß mein Bruder meinte , unseres verfehlten Lebens Ursache seien unsre Eltern , und ich selbst habe wohl dieser Meinung beigepflichtet in Stunden , wo das Gewissen mich mahnen wollte ; aber dabei wußte ich doch immer im Herzen , daß ich nur eine schlechte Ausflucht meiner Angst suchte , und im Innern wußte ich mit großer Furcht , meines verfehlten Lebens Ursache sei ich selbst , denn ich gab mich hin an schlechte Menschen und war gedankenlos und überlegte nicht meiner Schritte Folgen , und alles , was ich tat , verstrickte mich immer mehr in das Netz , dessen Maschen mich nun so eng umschnüren ; und schon daraus , daß ich bisher immer mehr gefesselt wurde , würde ich annehmen , wie auf die Stimme eines Dämons hörend , daß mein Suchen vergeblich sein wird und meines Lebens Ende unabwendbar nahe ist . Nicht wenig aber hat die heimliche Gewissensangst selber zu meiner Verstrickung beigetragen , denn sie selbst machte blind , und gleicherweise das Streben , ihr zu entgehen , indem ich sie mir leugnete , machte blind . Nun aber , in dieser Nacht der Verzweiflung , habe ich ein neues Licht gesehen , und ich weiß nun , daß niemand eine Schuld hat , nicht meine Eltern und nicht ich , sondern wir sind getrieben durch eine Macht zu dem Ende , das sie gewollt hat , und ich glaube , daß ihr Wille gut und nützlich ist . Denn wenn die Macht den Willen hat , daß einer ins Licht kommen soll und sein Geschlecht in die Höhe führen , so ist der pflichtlos und heiter , sorgt nicht und ringt nicht , und ohne sein Zutun wächst er , wie der