Aber hinter ihr stand eine ganze Finsternis bereit , sie mit dem Verderben für uns vollständig anzufüllen ! Und es war so viel , so ganz unerwartet viel , was ich erfahren hatte ! Ich zog mich unter die Bäume des Gartens zurück , um nachzudenken . Zunächst hielt ich es für begründet , dem Ustad diese Neuigkeit einstweilen zu verschweigen . Ich durfte ihm seine Reise nicht durch Sorgen erschweren , die ihm sehr leicht den klaren Blick beeinträchtigen konnten . Sodann war diese Pekala für mich jetzt in ein ganz neues , in ein drittes Stadium getreten . Von der Krankheit geschwächt , hatte ich sie für ein herzliebes , wenn auch recht unbedeutendes Wesen gehalten . Dann war ein gewisses Mißtrauen gegen sie erwacht , von welchem ich auch dem Ustad gegenüber kein Geheimnis gemacht hatte . Jetzt aber wurde es ernst , sehr ernst ! Ein Mensch , welcher Charakter und Inhalt besitzt , kann berechnet werden , eine Pekala aber nicht . Sie ist trotz aller ihrer Liebenswürdigkeit gefährlicher als mancher Bösewicht . Solche Menschen gleichen freundlichen Schmetterlingen , die um ihrer Raupen willen unschädlich gemacht werden müssen . Es tut einem leid , doch hat man sich zu wehren . Wer war dieser Aschyk , dessen Spionin sie in so unglaublich lächerlicher Weise geworden war ? Jedenfalls ein Sill , ein Untergebener von Ahriman Mirza . Er kam monatlich einmal zu ihr , und stets Sonntags . Am Montag aber war der » Tag des Soldes « , also der Versammlungstag . Jedenfalls fragte er sie da nach allem aus , was hier bei den Dschamikun inzwischen geschehen war , und berichtete es dann weiter . So waren die Sillan stets vorzüglich unterrichtet . Das ganze Lebenswerk des Ustad hing also von der Schwatzhaftigkeit einer Person ab , die weiter nichts , als eine Törin , eine Närrin war ! Wer weiß , wieviel sie bisher schon geschadet hatte ! Stand sie allein mit ihrem Verrate , oder besaß sie noch andere Vertraute ? Ich war sehr geneigt , anzunehmen , daß wenigstens Tifl , ihr » Kind « , auch mit beeinflußt worden sei . Konnte man es überhaupt für möglich halten , daß die geheimen Zusammenkünfte der » Schatten « hier in den Ruinen so ganz ohne Verrat und Unterstützung von seiten der Dschamikun abgehalten wurden ? Mir erschien dies beinahe undenkbar . Mochte das aber sein , wie es wollte , ich hatte mir schon gestern vorgenommen gehabt , nach den hiesigen Geheimnissen der Sillan zu forschen , und nach dem jetzigen Gespräch mit der Köchin verstand es sich ganz von selbst , daß bei ihr der Anfang zu machen sei , und zwar so bald wie möglich . Nun ging ich nach dem Hofe . Dort stand Agha Sibil mit seinem Enkel jetzt bei den fertiggeschirrten Kamelen . Ich erkannte den Ersteren sogleich an dem fast beispiellos starken Schnurrbarte , der so riesig war , wie ich noch keinen gesehen hatte . Man mochte auch mich ihm schon beschrieben haben , denn sobald er mich sah , kam er auf mich zu , nannte seinen und meinen Namen , stellte mir seinen Enkel vor und bat mich , bei ihnen im Baumesschatten Platz zu nehmen , damit sie von mir ausführlicher erfahren könnten , was ihnen von Andern nur andeutungsweise mitgeteilt worden sei . Es verstand sich ganz von selbst , daß ich diese Bitte mehr als gern erfüllte . Noch während ich erzählte , kam der Ustad mit dem Pedehr aus der Halle . Sie gesellten sich zu uns . Der Erstere hatte gar nicht geschlafen und mich soeben wecken wollen , aber von dem Letzteren erfahren , daß ich schon aufgestanden sei . Der Pedehr verhielt sich so zu mir , als ob gar nichts vorgefallen sei , was man ihm vorzuwerfen habe , und darum zeigte auch ich mich unbefangen . Der Ustad aber schien sehr ernst mit ihm gesprochen zu haben und vermied es sogar jetzt noch , seinem Blicke zu begegnen . Der Kaufmann war ein hochehrwürdiger , braver Herr , der unendlich glücklich und dankbar war für das , was ich ihm erzählte . Er hätte mir noch gern stundenlang zugehört , mußte sich aber bescheiden , weil nun aufgebrochen werden mußte , weil es in der Absicht des Ustad lag , die verwandten Kalhuran noch heut zu erreichen , um ihnen Nachricht über das zufriedenstellende Befinden ihres Scheikes zu bringen . Doch blieb uns Zeit , das Nötigste zu besprechen . Der Ustad übergab mir seine Wohnung mit dem sämtlichen Verschluß , und ich machte ihn noch einmal besonders auf den Brief aus Basra aufmerksam , den er in Isphahan an den » Henker « zu besorgen hatte . Als ich eine Bemerkung über die Gefahr aussprach , welche ihm seitens der entflohenen Soldaten drohen könne , teilte er mir mit , daß unten im Dorfe eine Schar bewaffneter Dschamikun auf ihn warteten , welche ihn begleiten würden , bis alle Gefahr vorüber sei . Hierauf wurden alle Bewohner des » hohen Hauses « herbeigerufen , damit er sich von ihnen verabschieden könne , grad als Kara Ben Halef von einer Tour heimkehrte , die er unternommen hatte , um sein Pferd wegen des Wettrennens geschmeidig zu erhalten . Er wendete sofort wieder um , weil er es für eine Ehrenpflicht hielt , den Ustad bis an die Grenze seines Gebietes zu begleiten . Mir war es leider nicht möglich , mich ebenso höflich zu erweisen . Ich mußte bleiben , wo ich war , und konnte nur hinauf auf meine Plattform steigen , um erst mit dem Auge und dann mit dem Herzen dem zu folgen , von dem ich mich trotz aller äußerlichen Entfernung innerlich unzertrennlich fühlte . Ich war nun Herr seines Hauses und nahm mir vor , es im allerbesten Sinne zu sein , der menschenmöglich ist ! Eigentlich hatte ich mich jetzt wieder niederlegen wollen und auch sollen