damit du keine Fehler machst , muß ich aufrichtig mit dir sein . Sie ist fast ebenso gefährlich und langwierig wie die Pest , welche uns damals dem Tode nahe brachte . Von zehn Kranken sterben zwei - - « » Aber warum sollen grad wir diese beiden sein ? « unterbrach er mich . » Es mögen nur erst noch die acht anderen kommen ! Eher mitzurechnen , fällt mir gar nicht ein ! « » Auch ich hoffe , daß wir dem Schlimmsten entgehen . Wir sind beide in Beziehung auf unsere Gesundheit keine Durchschnittsmenschen ; also können die von mir erwähnten Ziffern nicht für uns gelten . Glücklicherweise bin ich im Besitze der besten Gegenmittel , Kampher und Chinin . Kalte Bäder müssen wir haben . Wenn es mir in den Sinn kommt , bleiben wir gleich hier . Unser Leben muß uns ebenso teuer sein , wie die Pflicht der Gastlichkeit . Aber wo nehmen wir die Pflege her , die uns so nötig ist ? « » Daher , von wo sie uns damals gekommen ist , vom Himmel Allahs , der uns nie vergessen hat und nie vergessen wird . Mein guter , mein lieber Sihdi , denke doch daran , daß wir auch damals keinen Menschen hatten , der sich unser annehmen konnte . Wir lagen in der größten Einsamkeit , unter uns die pesthauchende Erde , doch über uns das große , lichte Zelt , von welchem alle Engel auf uns niederschauten . Sie kamen mir im Traume , und auch im Wachen dachte ich an sie . Sind wir nicht gesund geworden ohne alle andere als allein nur ihre Hilfe ? « » Ja , du Wackerer , du Treuer ! Sie haben uns gepflegt , erst dich durch meine und dann mich durch deine Hand , obgleich diese unsere Hände so schwach , so hager , so elend waren . « » So werden sie es jetzt auch wieder thun ! Oder glaubst du das nicht ? « » Ich glaube es . Aber damals wurde ich erst dann von der Pest ergriffen , als du bereits wieder am Gesunden warst . Jetzt jedoch werden wir wahrscheinlich zu gleicher Zeit - - « » Zu gleicher Zeit ? « unterbrach er mich . » Fällt uns gar nicht ein ! Wenn dieses alte Weib etwa denkt , daß alles genau so zu gehen hat , wie sie es will , da irrt sie sich ! Wir haben doch auch unsern Willen ! Und den setzen wir durch ! Es kommt mir gar nicht in den Sinn , daß wir miteinander krank werden ! Wenn wir es nicht nacheinander werden können , so werden wir es lieber gar nicht ! So lange der eine krank ist und der Pflege bedarf , hat der andere gesund zu bleiben ! Der Anfang hierzu ist ja schon ganz richtig eingetreten ! Diese Flecken haben sich bei mir eher eingestellt als bei dir . Die Höhe der Krankheit wird also nicht zu gleicher Zeit eintreten . Vor dieser Höhe aber lege ich mich nicht nieder ! Ehe es mich nicht mit tausend Armen packt , habe ich den Dinarun Wort zu halten . « » Halef - - - ! « » Sihdi - - - ! Ich weiß , was du sagen willst . Morgen aber werden wir im Thale des Sackes sein , und wir sind nicht derart krank , daß wir hier liegen bleiben müssen . Uebermorgen ist der Kampf vorbei , und dann werde ich ohne Widerstreben thun , was du bestimmst . Bleiben wir hier zurück , so ziehen die Dinarun nicht als unsere Freunde , sondern als unsere Feinde weiter und kommen , sobald wir hilflos sind , zurück , um sich zu rächen . Hilflos ! Das war ja das Wort des Scheiks ! Lassen wir es nicht zur Wahrheit werden , Sihdi ! « Dieser Beweis hatte Hand und Fuß . Wie freute ich mich darüber , daß seine Denkkraft sich noch so scharf erwies ! War das dem Einflusse des kalten Bades zuzuschreiben ? Ich legte mich zu ihm , denn auch ich emfand , daß das Wasser wohlthätig auf mich wirkte . Unsere Pferde weideten draußen im saftigen Grase , ein lange entbehrter Genuß für sie . Die Schatten der hohen Eschen deckten uns so , daß uns der heiße Strahl der Sonne nicht belästigen konnte . Wir fragten nicht danach , ob ein zu langes Verweilen im Wasser uns schaden könne , und verließen es erst dann , als wir anzunehmen hatten , daß die Dinarun nun bald eintreffen würden . Als sie sich hierauf einstellten , standen wir schon zur Fortsetzung des Weges bereit . Natürlich aber hielten nun auch sie erst Rast , auf welche jedoch nur eine halbe Stunde verwendet wurde . Dann ging es weiter , wobei wir uns , wie vorher , am Ende des Zuges hielten . Es war während dieses Aufenthaltes der Dinarun am Deiche zwischen uns und dem Scheik kein Wort gesprochen worden . Für seine Leute hatten wir freundliche Augen und höfliches Benehmen , aber auch keine Reden gehabt . Das höchst fatale Wort » Mißtrauen « verschloß ihm und uns den Mund . Wir bemerkten mit Genugthuung , daß wir uns jetzt in einer wasser- und darum wald- und weidereicheren Höhenzone befanden . Das war ein Umstand , der uns Beruhigung gewährte . Uebrigens schien die Wirkung des Bades auf uns eine ganz verschiedene zu sein . Ich fühlte mich gekräftigt , während Halef mir mitteilte , daß er sehr ermüdet sei . Er war kalte Bäder nicht gewohnt , und das heutige hatte wohl eine zu lange Dauer für ihn gehabt . Später sah ich , daß er sich schüttelte . Die Sonne schien noch warm auf uns nieder , und darum nahm ich an , daß diese seine Bewegung eine rein zufällige sei . Als sie sich aber wiederholte , gestand er