. Schließlich ist es gleich , wer uns äußerlich vereinigt , sind wir es doch längst in uns . Wie mir das Herz dabei schlägt . Ewig der Deine . Leopold . « Corinna zerriß den Brief in kleine Streifen und warf sie draußen ins Kochloch . » Es ist am besten so ; dann vergeß ich wieder , was er heute geschrieben , und kann morgen nicht mehr vergleichen . Denn mir ist , als schriebe er jeden Tag dasselbe . Sonderbare Verlobung . Aber soll ich ihm einen Vorwurf machen , daß er kein Held ist ? Und mit meiner Einbildung , ihn zum Helden umschaffen zu können , ist es auch vorbei . Die Niederlagen und Demütigungen werden nun wohl ihren Anfang nehmen . Verdient ? Ich fürchte . « Anderthalb Wochen waren um , und noch hatte sich im Schmidtschen Hause nichts verändert ; der Alte schwieg nach wie vor , Marcell kam nicht und Leopold noch weniger , und nur seine Morgenbriefe stellten sich mit großer Pünktlichkeit ein ; Corinna las sie schon längst nicht mehr , überflog sie nur und schob sie dann lächelnd in ihre Morgenrocktasche , wo sie zersessen und zerknittert wurden . Sie hatte zum Troste nichts als die Schmolke , deren gesunde Gegenwart ihr wirklich wohltat , wenn sie ' s auch immer noch vermied , mit ihr zu sprechen . Aber auch das hatte seine Zeit . Der Professor war eben nach Hause gekommen , schon um elf , denn es war Mittwoch , wo die Klasse , für ihn wenigstens , um eine Stunde früher schloß . Corinna sowohl wie die Schmolke hatten ihn kommen und die Drückertür geräuschvoll ins Schloß fallen hören , nahmen aber beide keine Veranlassung , sich weiter um ihn zu kümmern , sondern blieben in der Küche , drin der helle Julisonnenschein lag und alle Fensterflügel geöffnet waren . An einem der Fenster stand auch der Küchentisch . Draußen , an zwei Haken , hing ein kastenartiges Blumenbrett , eine jener merkwürdigen Schöpfungen der Holzschneidekunst , wie sie Berlin eigentümlich sind : kleine Löcher zu Sternblumen zusammengestellt ; Anstrich dunkelgrün . In diesem Kasten standen mehrere Geranium- und Goldlacktöpfe , zwischen denen hindurch die Sperlinge huschten und sich in großstädtischer Dreistigkeit auf den am Fenster stehenden Küchentisch setzten . Hier pickten sie vergnügt an allem herum , und niemand dachte daran , sie zu stören . Corinna , den Mörser zwischen den Knien , war mit Zimmetstoßen beschäftigt , während die Schmolke grüne Kochbirnen der Länge nach durchschnitt und beide gleiche Hälften in eine große braune Schüssel , eine sogenannte Reibesatte , fallen ließ . Freilich zwei ganz gleiche Hälften waren es nicht , konnten es nicht sein , weil natürlich nur eine Hälfte den Stengel hatte , welcher Stengel denn auch Veranlassung zu Beginn einer Unterhaltung wurde , wonach sich die Schmolke schon seit lange sehnte . » Sieh , Corinna « , sagte die Schmolke , » dieser hier , dieser lange , das ist so recht ein Stengel nach dem Herzen deines Vaters ... « Corinna nickte . » ... Den kann er anfassen wie ' ne Makkaroni und hochhalten und alles von unten her aufessen ... Es ist doch ein merkwürdiger Mann ... « » Ja , das ist er ! « » Ein merkwürdiger Mann und voller Schrullen , und man muß ihn erst ausstudieren . Aber das Merkwürdigste , das ist doch das mit den langen Stengeln , un daß wir sie , wenn es Semmelpudding un Birnen gibt , nicht schälen dürfen un daß der ganze Kriepsch mit Kerne und alles drinbleiben muß . Er is doch ein Professor un ein sehr kluger Mann , aber das muß ich dir sagen , Corinna , wenn ich meinem guten Schmolke , der doch nur ein einfacher Mann war , mit so lange Stengel un ungeschält un den ganzen Kriepsch drin gekommen wär , ja , da hätt es was gegeben . Denn so gut er war , wenn er dachte , sie denkt woll , das is gut genug , dann wurd er falsch un machte sein Dienstgesicht un sah aus , als ob er mich arretieren wollte ... « » Ja , liebe Schmolke « , sagte Corinna , » das ist eben einfach die alte Geschichte vom Geschmack und daß sich über Geschmäcker nicht streiten läßt . Und dann ist es auch wohl die Gewohnheit und vielleicht auch von Gesundheits wegen . « » Von Gesundheits wegen « , lachte die Schmolke . » Na , höre , Kind , wenn einem so die Hacheln in die Kehle kommen un man sich verschluckert un man mitunter zu ' nem ganz fremden Menschen sagen muß : Bitte , kloppen Sie mir mal en bißchen , aber hier ordentlich ins Kreuz - nein , Corinna , da bin ich doch mehr für eine ausgekernte Malvasier , die runtergeht wie Butter . Gesundheit ... ! Stengel un Schale , was da von Gesundheit is , das weiß ich nich ... « » Doch , liebe Schmolke . Manche können Obst nicht vertragen und fühlen sich geniert , namentlich wenn sie , wie Papa , hinterher auch noch die Sauce löffeln . Und da gibt es nur ein Mittel dagegen : alles muß dran bleiben , der Stengel und die grüne Schale . Die beiden , die haben das Adstringens ... « » Was ? « » Das Adstringens , das heißt das , was zusammenzieht , erst bloß die Lippen und den Mund , aber dieser Prozeß des Zusammenziehens setzt sich dann durch den ganzen inneren Menschen hin fort , und das ist dann das , was alles wieder in Ordnung bringt und vor Schaden bewahrt . « Ein Sperling hatte zugehört , und wie durchdrungen von der Richtigkeit von Corinnas Auseinandersetzungen , nahm er einen Stengel , der zufällig abgebrochen war , in den Schnabel und flog damit auf das andere Dach hinüber . Die beiden Frauen