von hier - in die Welt hinaus ! Er versprach mit heißem Gesicht dem übermütigen Fräulein , ihr so zu huldigen , daß Heini ihn noch vor Mitternacht mit allen möglichen Todesarten bedrohe . Dann lief er davon und pochte an Fannys Thür . Er wollte ihr gleich sagen , daß er fort müsse . Die Jungfer kam und bedauerte , ihre Gnädige mache eben zum Diner Toilette . Dadurch ward Joachim erst wieder daran erinnert , daß ja heute Fannys Geburtstag und ein großes Fest im Schlosse sei . Heute konnte er nicht fort , das war gewiß . Nun galt es , sich sammeln und fassen . Vielleicht konnte er Fanny im Gewühl des Balles doch ein Wort sagen , daß er gern einige Tage nach Berlin wolle . Das Schloß füllte sich mit Gästen . Wagen von den Nachbargütern und aus der nächsten Garnison kamen angefahren . Beim Diner , wo die Bestimmung der Gräfin ihm eine Comtesse Sieburg gesellt , sah er eine der glänzendsten und vornehmsten Gesellschaften , in die er je getreten war . Und , o Erstaunen , auch die » kleine Elly « , die Tochter seines vormaligen Chefs , war mit ihrem neuvermählten Gatten , dem » Krautjunker « , zugegen . Das Ehepaar war , wie er später erfuhr , auf einem Nachbargut bei Verwandten zum Besuch . Das hatte gerade noch gefehlt ! Damals , als er bei ihrem Vater als Volontär lebte , hatten sie sehr für einander geschwärmt . Das konnte er vor sich nicht ableugnen . Heute , als sie ihn von weitem erkannte , erglühte ihr Gesicht , aber er streifte sie mit kühlem Blick und bemerkte zum erstenmal , daß sie recht unbedeutend gewachsen sei . Wie anspruchslos , wie jung mußte er doch damals gewesen sein ! Oben am Tisch saß seine - seine Fanny ! Die erste in dieser glänzenden Versammlung ! Die am meisten Gefeierte ! Ein Freund des Grafen hielt eine Rede auf die Gräfin ; es war das landläufige Maß von Lob darin und mit dem landläufigen Maß von Begeisterung ward sie aufgenommen . Und dann hielt ein anderer eine Rede auf Fanny Förster , voll Entthusiasmus und voll Heiterkeit . Es ward von ihrem humanen Wirken gesprochen , von all den Gaben , die die Natur über sie ausgeschüttet , und von der weisen Klugheit , mit der sie selbst sich ihre Grenzen ziehe . Die » Wahlrede « , die sie damals gehalten , ward in ihrem offenen Eingeständnis von Frauenbescheidenheit als Muster für manchen klugredenden Parlamentarier aufgestellt . Frohes Lachen ging dazu um den Tisch , und nun stimmte alles jubelnd in Fannys Wohl ein . Joachims Herz schwoll an . Und sie liebte ihn allein ! Nachher beim Tanze gelang es ihm , sie an seinen Arm zu bekommen . Er ließ sie nicht los , als der Tanz zu Ende war - ein Walzer , den sie weltvergessen getanzt . Er ging mit ihr durch den Saal und durchwandelte alle Räume . Einmal gab ein großer Spiegel ihnen ihre Gestalten zurück . Joachim sah die schöne Frauengestalt im Glase , wie sie , von silberschimmernder weißer Seide umflossen , das Haupt schmucklos , aber um den herrlichen Nacken eine Schnur funkelnder Steine , sich leicht an seinen Arm schmiegte . » Wie Du schön bist ! « flüsterte er ; » und das alles ist ganz und schrankenlos mein . « » Ich habe mich beinahe geschämt , « sagte sie , ihm in die Augen sehend , » all dies Gewoge von Spitzen und Atlas , zugestutzt nach den neuesten Modekünsten , um mich zu hängen . Aber ich war so kindisch - ich wollte sehr schön sein . Das ist nun die Frau , die sie vorhin so großartig anredeten . « Es gibt Schwächen , welche einem Weibe besser stehen als starre Tugend . Von der eben eingestandenen fühlte Joachim sich fast zu Thränen gerührt . » Fanny , « sagte er , » o Fanny , wie hab ' ich Dich lieb ! « Es war der Laut eines unaussprechlichen , wahren Gefühls . Fanny sah ihn an ; sie schwiegen . In diesem Augenblick ging Lanzenau mit dem Rittmeister an ihnen vorüber und sah sie an . Joachim lief ein Frösteln über den Rücken . » Liebe , « sagte er , Fanny weiter führend , » ich muß fort von hier . Laß mich , ich bitte Dich . « » Fort ? Wohin ? Weshalb ? « Auf die hastig hervorgestoßenen Fragen erwiderte er : » Ich ertrage es nicht , jetzt , wo mir das Herz von dem unaussprechlichsten Glück erfüllt ist , mit so vielen gleichgiltigen Menschen zusammen zu sein , vor ihnen meine Liebe zu verbergen . « » So wollen wir sie verkünden . « » O nein , « sagte er erschrocken , » nur das nicht ! Laß uns in der Stille Deines Hauses sehen , wie wir Lanzenau vorbereiten . Und dort auch , Geliebte , habe ich Dir eine Beichte abzulegen , die vielleicht meinen Wert in Deinen Augen sehr herabmindert . « Sie sah forschend , doch keineswegs beunruhigt in sein Gesicht , auf dem sich deutlich eine große , innere Unruhe widerspiegelte . Es war der kluge , überlegene und im voraus verzeihende Blick , mit dem eine Mutter das Schuldbekenntnis ihres Sohnes erwartet . » Du Kind , « sprach sie , » als ob ich mir nicht denken könnte , welcher Art Deine Beichte sein wird . Ein junger Mann wird selten fünfundzwanzig Jahre alt , ohne einige Herzenstäuschungen durchgemacht zu haben . Wenn Du willst , so beichte , aber meinetwegen kannst Du auch schweigen . Ich habe erst Rechte an Dein Leben , seit Du mich geküßt . Aber sprich , wo willst Du denn hin ? « Sie waren bei ihrem Rundgang durch die Zimmer gekommen , wo die Kartenspieler saßen ,