, « unterbrach er sich , denn ihn überwältigte die Scham , daß er den Namen der Verklärten vor diesen Verführern in den Mund genommen hatte , aber seine Angst , ohne Trost heimkehren zu müssen , steigerte sich bis zum Wahnwitz , er schluckte auch das hinunter , und von neuem fing er an , während seine Gedanken schon irr durcheinander schossen : » Denkt euch mal , ihr geht jetzt ' raus zum Kirchhof ... und habt Schwestern ... die sind verführt ... und ihr , habt nicht gut achtgegeben auf die Schwestern ... und ihr wagt nicht , den Schnee zu berühren , der auf dem Grabe liegt ... und ich bin der Verführer ... was ... was würdet ihr tun ? « » Totschlagen würden wir dich , « sagte Ulrich , ihm einen verächtlichen Blick zuwerfend . Er stieß einen gellenden Schrei aus , denn jetzt kam das Bewußtsein , wie tief er sich erniedrigt , wie er seinen Stolz , seine Ehre im Kot gewälzt hatte , mit ganzer Gewalt über ihn ... Mit geballten Fäusten stürzte er auf Ulrich los . Der aber verschanzte sich hinter dem Tisch , und Fritz lief nach dem Nebenzimmer , um das Gesinde herbeizurufen . Da taumelte er hinaus . Das Hoftor war geschlossen wie vorhin . - Er wagte nicht zurückzukehren , um es öffnen zu lassen , und auf dem Bauche kroch er hinaus - wie ein Hund . - - Wie ein Hund ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 18 » Der junge Herr führt ja mit einem Male ein lustiges Leben , « sagten die Knechte , und da nun doch alles drunter und drüber ging , stahlen sie einen Scheffel Korn nach dem andern . Paul aber trieb sich auf allen Lustbarkeiten und Tanzfesten umher , die in der Gegend stattfanden . - Wer ihn mit seinen finsteren Stirnfalten und dem scheuen , spähenden Blick in dem fröhlichen Gewühl auftauchen sah , der fragte sich wohl : » Was will der hier ? « Und mancher ging im Bogen um ihn herum , als sei ein Schatten auf seine Freude gefallen . Paul war sich wohl im klaren über den Weg , den er wandelte . - Er hatte gehört , daß die Erdmänner kein Fest vorübergehen ließen , ohne mitzufeiern - so toll , wie ' s eben anging . - » Ich werde sie zu treffen wissen , « sagte er , » die Nacht ist dunkel und die Heide einsam . Unter Gottes freiem Himmel sollen sie mir und dem Tode ins Antlitz sehen . « Drei Tage nach seinem letzten Besuche auf Lotkeim war er in die Stadt gefahren und hatte sich einen Revolver gekauft , einen schönen sechsläufigen mit langem , schlankem Laufe . Wie ein wildes Tier lauerte er nun nachts in den Büschen und Hohlwegen der Heide , wenn er glaubte , daß sie vorüberkämen . Aber sie kamen nicht . Sie schienen mißtrauisch geworden und hielten sich deshalb im Haus , oder , was wahrscheinlicher , das Geld war ihnen ausgegangen . - » Ich kann warten , « sagte er und setzte sein Treiben fort . Und wenn er eines Abends zu Hause blieb und mit den Schwestern gemeinsam am Abendbrottisch saß - ein schweigendes , trauriges Mahl - dann erschrak er jedesmal , sobald er aufschaute und die Züge der Mutter in zwei bleichen , abgehärmten Gesichtchen wiederfand . - Dann jagte es ihn stets aufs neue hinaus . - - Am Fastnachtabend war ' s , da wurde in dem Saale des Bürgervereins von den Landwirten der Umgegend ein großer Ball gefeiert . » Dort werd ' ich sie fassen , « sagte er sich , denn er hatte gehört , daß die beiden Brüder zum Vorstand des Festes gehörten . Als die Dämmerung herannahte , ließ er den Schlitten anspannen , verbarg den Revolver im Gesäßkasten und machte sich auf den Weg zur Stadt . Tagüber hatte die Sonne geschienen , nun lohte der Himmel in den Flammen des Abendrots . In bläuliche Schleier eingehüllt lag die Heide , und durch die klare Winterluft sprühten leuchtende Eiskristalle . Als er an Helenental vorüberfuhr , sah er zwei Schlitten mit Tannenzweigen beladen , die in den Gutsweg einbogen . » Mir scheint , dort soll ein Fest gefeiert werden , « murmelte er , den Schlitten nachblickend , und mit einem düsteren Lächeln setzte er hinzu : » Ich brauch ' nicht neidisch zu sein , ich feiere ja auch mein Fest heute ! « Um sechs Uhr kam er in der Stadt an , verschaffte sich eine Eintrittskarte und hockte bis zur neunten Stunde in dem Winkel einer Schenke , finster vor sich hinbrütend . Als er den Festsaal betreten hatte , in dem ein sinnbetäubender Wirrwarr leuchtend durcheinanderrauschte , verbarg er sich scheu in dem Schatten einer Säule , denn ihm war zumute , als stände lesbar für jedermann auf seiner Stirn der Mordgedanke geschrieben , der ihm die Seele erfüllte . Und plötzlich fuhr es wie ein Messerstich durch seine Brust . - Er hatte die Brüder gefunden . - In der Mitte des Saales standen sie stolz und strahlend , seidene Schleifen auf den Achseln , Maiglöckchen im Knopfloch , und spähten mit siegesgewissem Lächeln die Reihe der weißgekleideten Mädchen entlang , die die Wände schmückten . » So , - jetzt sind sie mir verfallen , « murmelte er mit einem tiefen Aufseufzen . Er fühlte , daß es kein Zurück mehr für ihn gab . Und dann verkroch er sich in eine verschwiegene Ecke , von der aus er seine Opfer im Auge behalten konnte . Der Lichterglanz strahlte sonnenhaft auf ihn hernieder ,