die Thür ! Nur für den Fall , daß ein Kurier - « Damit war der Sprecher schon davon . Der Diener vollendete mimisch den Satz , indem er den Kopf ehrfürchtig neigte und die Arme auf der Brust kreuzte . » Seiner Majestät allerunterthänigster Diener . « Gabriel humpelte an die Hausthür und wollte den Riegel vorschieben . Zuvor steckte er den Kopf lauernd hinaus . » Ah , ah , ah , ' s Wäschermädel ... Pst , pst ! ... Leise herein ; so , weiße Unschuld , das hast Du schlau erwischt , Anna . « » Die Wäsche für den gnädigen Herrn ! « wollte die Prinzeß vom Waschkessel heraustrompeten und ihren Korb auf die Schwelle stellen , um die betreffenden Wäschestücke herauszunehmen . Schnell hielt ihr Gabriel den Mund zu und zog sie hinter die Thür , schob den Riegel vor und geleitete das erstaunte Wäschermädchen in das Schlafzimmer , immer auf den Zehenspitzen und mit dem Finger an den Lippen Schweigen gebietend . Er schob Anna , die sich leise sträubte , in die Fensternische , hinter den Vorhang ; mit großen verwunderten Augen blickte das Mädchen bald auf den drolligen Diener , bald durch die Scheiben in den kleinen heimlichen Garten . » Ja , was ist ' s denn ? « fragte sie schüchtern . » Jetzt dürfen wir schon lauter schwatzen , hübscher Schneck . Da hört uns niemand . Der gnädige Herr hat hohen Besuch . Ein Lateiner ! Da geht ' s auf Leben und Tod ! « » O Gott , « machte das Mädchen . » Lassen Sie mich gleich wieder fort , ich fürcht ' mich . Dort im Korb - « » Pressiert nicht , « grinste der Exklown , nahm seine süßeste , verführerischste Maske vor , tätschelte Annas Wangen , strich wie zufällig über ihre Hüften hinab und schwatzte dabei in einem Zuge , ein Gesicht dem ihrigen nähernd : » Das ist die merkwürdige Geschichte von dem Ding an sich , Wie der Philosoph Schopenhauer gesungen hat : Es fühlt wohl jeder Mann einmal ' neu Hang zum Wäscherpersonal . Hast gut gewaschen ? Ordentlich gebügelt ? Recht steif gemacht ? Der gnädige Herr mag ' s recht steif . O , weißt Du , der will ' s extra ; die Hemden , die Kragen , das heißt , besonders die Manschetten recht steif , wie Blech . Du bist ein süßer Schneck . « Das Mädchen machte sich von dem Zudringlichen los , schlüpfte unter den Vorhang weg , packte eilig die Wäsche aus und legte sie aufs Bett . » Und da ist die Rechnung , die zwei letzten sind auch noch dabei . Ich soll das Geld ja mitbringen , sagte die Frau Huber . « » O das pressiert nicht , und dann schau , Schneckerl , Du könntest ' s verlieren . Wir schicken Dir ' s mit der Post , mit der Eisenbahn , mit dem Telegraphen , mit dem Telephon , oder mit einem noch neueren Instrument , das g ' rad erfunden wird . Heut nicht und morgen auch nicht , schau , Schneckerl , aber im nächsten Schaltjahr , da haben wir einen Tag mehr , den heben wir uns extra auf fürs Schuldenzahlen . Also einen recht schönen Gruß an die Frau Huber . « Dabei bemühte er sich wieder , das Mädchen in seine Arme zu bekommen . Der frische Geruch ihrer Kleider , der warme Duft , den ihr junger , gesunder Leib atmete , dazu ihre Angst , in dem fremden Schlafgemach mit dem dämmerig verhüllten Fenster durch ein zu lautes Wort Skandal herbeizuführen , und zugleich ihr Bemühen , den verliebten Possenreißer abzuwehren , wodurch ihre Aufregung nur vermehrt wurde : das alles berauschte den sinnlichen Menschen und machte ihn kühner und frecher . » Schau , « flüsterte er heiß und seine Augen zwinkerten lüstern , » wir sind abgebrannt , wir brennen immer ab , das Lehel ist überhaupt feuergefährlich , gestern hat ' s auch in der Schneiderei gebrannt - « Jetzt umschlang er sie mit beiden Armen und zog sie zu sich nieder auf das alte Ledersopha , das dem Bette gegenüber an der Wand stand - » Erzähl ' mir von dem Feuer in der Schneiderei , komm ' Schneckerl , das interessiert mich . Der Schneider ist ein guter Freund von mir und die Schneiderin ist auch eine gute Freundin von mir ... « » O Sie Schwindler , es ist ja gar keine Schneiderin da . Die Frau ist längst gestorben . « » Das macht nichts . « » Hören Sie auf ! Sie thun mir weh ... « Sie preßte die Beine zusammen , machte sich ganz steif und versuchte mit dem Ellbogen zu stoßen . » Warum wehrst Du Dich denn so ? « » Oh , aber nein ... Pfui . Lassen Sie mich los ! « » Wie ist denn ' s Feuer angegangen ? « » Ich erstick ' ja ... « stöhnte Anna und mühte sich verzweifelt , aus der leidenschaftlichen Umklammerung des Gewaltthätigen sich loszuringen . » Das Feuer ... « » Ich mag nicht . Sie halten mich auch für so eine ... « Schon glaubte der Exklown mit der Ermattenden gewonnenes Spiel zu haben , als Anna durch eine geschickte Bewegung ihren rechten Arm freimachen und dem Zudringlichen eine so saftige Ohrfeige und einen Schlag auf sein Kunstgebiß versetzen konnte , daß er die Engel im Himmel in allen Tonarten singen hörte . Am liebsten hätte sie ihn erdrosselt . » Mit mir geht ' s nicht so leicht , wie mit der Monika , « schrie zornig das Mädchen , schüttelte ihre Kleider und steckte sich flink die Haare zurecht . » Wir wissen schon , was Sie mit der gemacht haben , Sie ... « » Pst , pst ! « jammerte Gabriel und hielt sich vor