, so heißt das einfach : sie muß aus dieser Einsamkeit heraus . « » Einsamkeit . Was heißt Einsamkeit ? Ich hab es in ihre Wahl gestellt , ob sie Besuch haben wolle oder nicht , und hab ihr beispielsweise von Phemi gesprochen . Sie hat es aber abgelehnt . Das war , ehe ihr kamt , ja , ehe wir wußten , daß ihr kommen würdet . Nun seid ihr seit einem Monat hier , und jeder Tag ist so bunt wie das Laub im Park draußen und so plapperhaft wie ein Elsternest . Ist das Einsamkeit ? Du bist hier , Egon ist hier , und zum Überfluß et pour combler le bonheur sorgt auch noch der Himmel für entführte Kinder , für Schiffbruch und Abenteuer . « » Eben deshalb « , unterbrach hier die Gräfin und verließ langsam das Zimmer . Es war fast , als ob sie darauf gerechnet habe , von ihm zurückgerufen zu werden . Aber seine Verwirrung war zu groß , so groß , daß er in Schweigen verharrte . Sein Auge rötete sich , wie es stets geschah , wenn ihn ein Gegenstand erregte ; dann warf er die Zigarette durch die Balkontür , nahm ein Buch , das auf dem Nebentische lag , und blätterte mit dem Finger über den Rand hin , wie wenn man über ein Spiel Karten fährt . Er war bis ins Tiefste getroffen . Aber seine vertrauensselige Natur überwand es wieder , und indem er eine Spalte der Zeitung , aus der Judith vorgelesen hatte , mit dem Auge durchlief , ohne sich im geringsten um den Inhalt zu kümmern , sprach er vor sich hin : » Es ist Judith , wie sie leibt und lebt , und ich werde sie nicht ändern . Die hellste Seele von der Welt und dabei passionierte Schwarzseherin . Überall geheimnist sie was hinein . Das hat sie sich von den Pfaffen angenommen , die sich nichts vorstellen können ohne Dunkel , Komplott und Intrige . Welche Widersprüche leben doch in unserer Natur ; sie selbst hat nie den kleinsten Höllenfaden gesponnen , und wenn der Himmel der Hölle Preis wäre , sie würde diesen Faden nicht spinnen können . Aber weil sie von Jugend auf gehört hat , es gäbe dergleichen in der Welt , so sieht sie ' s nun überall . Übrigens ist es leicht , Rat zu schaffen . Egon hat sich eben verabschiedet , und so paßt es für heute nicht ; aber was heute nicht paßt , paßt morgen , und morgen mit dem frühesten werd ich ihn stellen und ihm rundheraus erzählen , was der Tante Judith auf der Seele brennt . « Er wiegte sich , als er so sann , in dem Schaukelstuhle hin und her und ging dabei das Gespräch , das er mit Judith gehabt hatte , noch einmal durch . » Wie verlief es doch ? Ich hatte von Egon gesprochen . Aber Egon war nicht das letzte Wort ... Schiffbruch und Abenteuer sagte ich , und dann antwortete sie : Eben deshalb . « Er sprang auf und schlug sich vor die Stirn . » Wenn ... « Aber er wurde seiner Erregung abermals Herr . » Unsinn ! Es ist Judith ; c ' est tout . Woher will sie ' s wissen . Als ob sie mit im Boot oder wohl gar mit in dem räucherigen Fährhaus gewesen wäre . Sie braucht Geschichten und macht sie sich , das ist alles , und am Ende , warum nicht ? Die Menschen machen sich ihre Götter , warum sollen sie sich nicht auch ihre Geschichten machen ? Bedürfnis und Angebot , das alte Lied . Übrigens freu ich mich auf das Gesicht , das Egon ... « In diesem Augenblicke trat Andras ein , um den Frühstückstisch abzuräumen . » Der weiß es « , schoß es dem Grafen durch den Kopf , und ehe er noch einen bestimmten Plan fassen oder zu reiferer Überlegung kommen konnte , fuhr es schon aus ihm heraus : » Andras , mein Junge , ich habe dich so gut wie noch nicht gesehen , seit du mit auf dem See warst . Hast dich tapfer und brav gehalten , hat mir die Gräfin erzählt , und Graf Egon ... « Der Junge lächelte . » Sieh , das hör ich gern , Andras , und du kannst dir auch etwas wünschen , jetzt gleich , oder wenn du mal groß bist und eine Braut hast , hier oder in Wien . Aber hübsch muß sie sein , hörst du ! Bist ja selber ein hübscher Jung . Und dann heiratest du sie ... « » Will nicht , Graf . « » Will nicht . Was heißt will nicht ? Du wirst schon wollen . Und dann kommen wir alle zu deiner Hochzeit , ich und die Gräfin und Graf Egon . Ja , die Gräfin und Graf Egon auch : die gehören ja jetzt zusammen , weil sie zusammen in dem Boot und in der Gefahr waren . Und Gefahr schließt die Menschen zusammen , das weiß ich ... Und du hast nichts auf dem Herzen ? Und hast mir nichts zu sagen , Andras ? « » Nein , Herr . « » Und weißt nichts ? « » Nein , Herr . « » Und willst auch nichts wissen ? « Andras hatte sein » Nein , Herr « schon ein drittes Mal auf der Zunge , besann sich aber rasch und sagte , während er sich vor dem Grafen aufrichtete : » Was , Herr ? « In dem Tone lag etwas , was den Grafen beschämte . » Nichts « , sagte dieser ruhiger . » Es ist gut so . Wir gehen in dieser Woche noch nach Wien . Und du mit . « Zweiunddreißigstes Kapitel Eine Woche später war man wieder in Wien . Der Graf hatte noch am