ob auch Verliebte , weiß ich nicht , aber so den Nathan oder den Schajelock - mir wässert schon der Mund , und Sie können mir glauben , mein Schajelock wird gut sein , ausgezeichnet wird er sein - natürlich nach Ihnen ! Indem ich mich Euer Hochwohlgeboren fernerer Geneigtheit empfehle , zeichne ich in ausgezeichneter Hochachtung Hochdero ganz ergebenster Sender Kurländer , künftiger Schauspieler . Barnow , 8. Februar 1853 . N.S. Die Frau Wohltäterin laß ich schön grüßen und alle Ihre Mitglieder . P.S. Wenn Sie mir schreiben wollen , immer an Fedko Hayduk im Kloster in Barnow , denn es darf ja niemand wissen , daß ich lesen kann . Nachschrift . Was ich da geschrieben habe vom Schajelock und Nathan , natürlich mein ich das nicht für den Anfang . Im Anfang spiel ich Bediente , und wenn Sie wollen , kehr ich ein ganzes Jahr nur das Theater aus und werd doch glücklich sein , daß ich dabei bin . « Diesen Brief schrieb Sender in der dritten Nacht nach Empfang der Bücher , und schon brach der fahle Schein des Wintermorgens durch das Fenster seines Kämmerchens , als er ihn beendete . Denn das war ein schwer Stück Arbeit für ihn gewesen , weil er ja nicht nach eigenem Gutdünken schreiben , sondern , wie Nadler gewünscht , den » Briefsteller « als Muster benutzen mußte . So nahm er denn in den beiden ersten Nächten dies Buch durch , aber so eifrig er las , ein Entwurf , der auch nur entfernt für seine Lage gepaßt hätte , fand sich nicht , und er mußte endlich ihrer zwei kombinieren , um halbwegs zustande zu kommen , einen » Dankbrief an einen Gönner « und einen » Geschäftsbrief an eine große Firma « . Er arbeitete eifrig ; auch wenn unten das Glöckchen erklang , zum Zeichen , daß ein Wagen den Schlagbaum passieren wollte , blickte er kaum auf . Das war Frau Rosels Sache , bei Tag und bei Nacht , so heut ' wie vor zwanzig Jahren . Die wenigen Haare , die ihr unter dem » Scheitel « ( der enganliegenden Kopfkappe der östlichen Jüdinnen ) hervorquollen , waren nun weiß , das hagere , knochige Antlitz wies tiefe Furchen , aber die Gestalt war noch so ungebrochen , das Auge so scharf wie einst . Auch nun noch verrichtete sie den Dienst selbst . Und doch war die Heerstraße auch vom Abend bis zum Morgen viel befahren ; wohl zehnmal mußte sich die Mautnerin des Nachts vom Lager erheben . Aber die tatkräftige Frau wollte von keiner Hilfe wissen , duldete auch nie , daß Sender für sie eintrat . Er war es so gewohnt und dachte nicht darüber nach , ob es so recht sei - auch in jenen Nächten nicht . Nur eines ging ihm zuweilen durch den Sinn , wenn er das Glöckchen vernahm : wie , wenn die Mutter den Lichtschein bemerkte , die Leiter emporklomm und an seine Tür pochte ? Aber seine Kammer lag ja im Dachgiebel des ebenerdigen Häuschens , und nach hinten hinaus ; Frau Rosel konnte den Schein nicht gewahren . Und so las und schrieb er eifrig drauf los , obwohl er sehr müde war - aber er mußte nun fertig werden , der Dank für solche Wohltat ließ sich nicht länger verzögern . Als der Brief endlich vorlag , gefiel er ihm wohl . » Nadler hat recht , wie immer « , dachte er , » mit dem Briefsteller ist es schwerer , aber dann kommt alles auch viel feiner heraus . « Er streckte sich auf sein Lager hin , noch etwas vom versäumten Schlaf nachzuholen , bis er den Gang zur Werkstätte antreten mußte . Sonst schlief er ein , kaum daß der Kopf den Polster berührte ; diesmal ging es nicht . In seinen Schläfen pochte es schmerzhaft , die Augen brannten , und so oft er in Halbschlummer verfiel , riß ihn ein angstvoller Traum wieder empor . Da stand sein Meister Jossele vor ihm und holte höhnisch den eben geschriebenen Brief hervor , den Sender unter dem Kopfpolster geborgen , oder die Mutter hatte die Lade aufgemacht , wo er die Bücher versteckt , und warf sie unter Verwünschungen zum Fenster hinaus ... Dazu der Husten , der nicht enden wollte . » Wenn ich nur nicht krank werde « , dachte er angstvoll , als er sich erhob , mühsam ankleidete und wankenden Schritts in die Wohnstube trat , die Frühstückssuppe einzunehmen , » um Gottes willen , jetzt gesund bleiben , gesund ! « Frau Rosel saß bereits auf ihrem gewohnten Platz am Fenster , wo sie jeden Wagen , der sich nahte , gewahren konnte . Sie blickte nicht auf , erwiderte auch seinen Gruß nicht . Er setzte sich an den Tisch , griff nach dem Löffel , schob aber bald das Töpfchen von sich . Auch mit dem Essen war es heute nichts . Als er sich erhob , begegnete er dem Blick der Mutter ; sie sah ihn so recht sorgenvoll an . » Bist du krank ? « fragte sie ; es klang ungewohnt weich . Er verneinte . » Es ist doch so ! « sagte sie und trat auf ihn zu . » Dein Husten wird immer schlimmer , er läßt dich jetzt auch nicht mehr schlafen ... « » O doch , Mutter ... Warum glaubst du ? ... « » Weil du immer Licht brennst - gestern - heute - « Er fühlte sich erröten . » Ja ... aber es hat nichts zu sagen . « Er griff nach der Mütze . » Du kannst wirklich ruhig sein , Mutter ! « Sie faßte ihn scharf ins Auge . » Du fühlst keine Schmerzen ? « fragte sie . » Spuckst kein Blut ? « » Nein ! « beteuerte er . » Sonst müßte man den Doktor fragen «