weil ich Ihnen alles Gute zutraue , demnach auch Verschwiegenheit . « Bestürzt erhob ihr Blick sich zu ihm , er hatte den seinen abgewendet und eilte rasch vorwärts , sie hielt Schritt mit ihm , in wenigen Minuten war die Allee erreicht . » Wir sind so fröhlich ausgegangen und kommen nun so traurig heim « , sagte Ronald , » und ich bin schuld daran ... « » Es tut nichts « , erwiderte Röschen , » traurig sein ist auch gut . « » Sie sind es nie gewesen ... niemals - sagten Sie nicht ? « Sie schüttelte den Kopf und lächelte ihn mit feuchten Augen an . » O Röschen ! « sprach er ... » Willkommen ! « rief eine Stimme , und aus dem Schloßhofe trat ihnen der alte Graf entgegen , den Hut auf dem Ohr , gerade aufgerichtet , mit Augen so frisch und hell wie die eines Jünglings . Erbarmungslos ließ er seinen Blick auf dem Gesichte seines Sohnes ruhen und weidete sich an dessen Verwirrung mit herzlichstem Ergötzen . » Nun , mein Fräulein « , sagte er zu Röschen , » ich hoffe , Sie haben meine Begleitung bitter vermißt ? « » Ja - nein - - ja « , stotterte sie in größter Verlegenheit und entfloh in das Haus . » Ich lege mich Ihnen zu Füßen ! « rief der Greis ihr nach und klopfte mit einer plötzlichen Anwandlung von Zärtlichkeit seinem Sohn auf die Schultern : » Nicht übel , die kleine Person - - Was sagst du ? - Flößt dir Aversion ein ? ... Schade ! « Er lachte , und als Ronald stockend erwiderte : » Was denken Sie , lieber Vater ? « sprach er : » Nichts - was sollte ich denken ? - ein alter Mann - wer kümmert sich heutzutage um die Gedanken eines alten Mannes ? ... « Er sah Ronald an , und es ward ihm weich und liebevoll zumute wie lange nicht . » Basta ... Lassen wir das gut sein ... « und wieder klopfte er ihm auf die Schulter . » Wir verstehen uns ! « Er war davon überzeugt . Dieses Mal aber hatte er seltsamerweise recht . Röschen wurde aus dem Schlafe , in den sie gesunken war , sobald sie ihr Haupt auf das Kissen gelegt hatte , durch melodische Klänge geweckt , die leise und lieblich durch das offene Fenster hereinschwebten . Aus einem Zimmer des Erdgeschosses stiegen sie zu der Schlummerstätte des jungen Mädchens empor . Eine Geige sang in ihrer wortlosen Sprache ein beredtes Lied ... Kein Lied der Sehnsucht und der werbenden Liebe ! - Wie innig und heiß auch seine Töne erklangen , sie sprachen nicht von den ungestümen Wünschen der Menschenbrust , sie sprachen von überwundenem Schmerz , von gebändigter Leidenschaft , von Frieden und von seliger Erhebung über alles Erdenweh . Röschen lauschte , aufrecht sitzend auf ihrem Lager , mit halbgeöffneten Lippen , mit gefalteten Händen . Wie durchsichtig schimmerte ihr Angesicht im Mondenschein . Sie hörte nicht , daß eine Tür aufgestoßen worden , daß jemand sich näherte , sie zuckte zusammen , als eine wohlbekannte Hand sie berührte , und - lag im nächsten Augenblicke weinend in den Armen Bozenas . Diese schloß das Kind an ihre Brust und sprach ihm beruhigend zu , bis Röschen in den süßen und tiefen Schlummer fiel , der sich so rasch auf müde junge Augenlider senkt . Bozena beugte sich über die Schlafende : Armes Kind , streckst du die Hand nach dem Gute deiner Feindin aus ? ... Was hat der Himmel mit dir vor ? - Will er sie strafen durch dich , oder mußt auch du zugrunde gehn , damit drüben noch eine steht , die Klage führt über sie vor Gottes Thron ? ... Über sie - und über mich ! Bozena rang die Hände : O hätt ich noch meine alte Kraft ! Im Nebenzimmer hatte sich indessen folgendes begeben : Regula erhob sich , nachdem sie eine Weile dem Spiele Ronalds gelauscht , aus ihrem jungfräulichen Bett , zog ihre gelben Pantoffel an und trat an den Tisch , auf dem in einem Glase eine Rose stand , die die Baronin von Waffenau ihr verehrt hatte . Diese Rose nahm Regula und warf sie zum Fenster hinaus , das sie möglichst geräuschlos geöffnet hatte . Sie dachte dabei an » Des Sängers Fluch « . Sodann schlüpfte sie wieder unter ihre Decke und schlief unter den Klängen von Ronalds Geige ein . Gegen Morgen träumte sie , Napoleon I. sei angekommen und werbe um ihre Hand . 18 Fremdes Eigentum ! dachte Ronald , als er um die Mittagszeit , von der Eisenbahnstation zurückkehrend , auf welcher er Schimmelreiter erwartet hatte , über die Rondsperger Grenze ritt . Ein Fußsteig führte durch die Felder , den schlug er ein . Das Korn stand dicht und mannshoch , vom Winde bewegt , beugten sich die Halme , als ob sie grüßten , und trauliches Geflüster erhob sich in ihren goldig schimmernden Wogen . Wie bald , und ich werde nicht mehr dein pflegen dürfen , du mütterliche Erde , dachte Ronald . Wer liebt den Boden nicht , den er bebaut ! Dem Landmann war zumute , als er so dahinritt zwischen seinen Feldern , wie einem Herrscher , der scheiden muß von seinem treuen Volke . - Baronin Thilde hatte soeben ihre anspruchslose Dinertoilette beendet , da pochte es an ihre Tür , und Ronald trat ein . Sie empfing ihn mit der Frage : » Nun , das Geld erhalten ? « » Ja . « » Auf dem Heimwege den Notar gesprochen ? Mit den Pächtern unterhandelt ? « » Mit zweien schon abgeschlossen . « » Ja , ja , es ist unglaublich , was man auf dem Lande mit barem Gelde ausrichten kann « , sagte die Baronin seufzend . Sie ließ