den gleichen Gedanken . Wir sind nicht mehr stumm , wir haben unsere gemeinsame Zunge auf dem Turm , die in Freude und in Trübsal spricht , was wir empfinden , aber nicht vermögen zu sagen . Und der ewige Gottesgedanke , der überall weht und webt , aber nirgends faßbar und in keinem Bilde und durch kein Wort voll und ganz ausgedrückt werden kann , im klingenden Reife der Glocke allein nimmt er Gestalt an für unsere Sinne und wird faßbar unserem Herzen . Und so bringst du uns , du süßer Glockenklang , trostreiche Botschaft von außen und von innen und von oben ! « Die Männer haben mich angestaunt , daß ich rede , und was es denn viel zu reden gäbe , wenn Kirchenglocken läuten ; das höre man draußen zu Holdenschlag doch alle Tage . Nur der gute Rüpel ist beiseite geeilt und hinter die Erlenbüsche hinauf , auf daß er unbeschadet von meiner heiseren Rede den reinen Glockenton hat hören können . Vor der Kirche sind sehr viele Menschen versammelt , um die Glocken zu vernehmen und das Kreuz zu sehen . Jenes Kreuz , das entsprossen ist aus dem Samenkorne , so das Vöglein hat gebracht , welches alle tausend Jahre einmal durch den Wald fliegt . Kirchweih 1818 . Sonntag ist ! Der erste Sonntag in den Winkelwäldern . Die Glocken haben es schon im Morgenrot verkündet , und da sind die Leute herbeigekommen aus dem Hinterwinkel , aus dem Miesenbacheck , von den Lautergräben , von den Karwassern und aus allen Klausen und Höhlen der weiten Wälder . Heute sind sie nicht Holzer oder Kohlenbrenner , oder was sie eben sonst sein mögen , heute zum erstenmal schmelzen sie zusammen in eins , in einen Körper und heißen : die Gemeinde . Die Kirche ist fertig . Über dem Altartische ragt das Kreuz aus dem Felsentale ; es steht hierorts so anspruchslos und schier so stimmungsvoll , wie es dort in der Einsamkeit gestanden . Unter den Leuten werden Äußerungen gehört , das sei das wahchaftige Kreuz des Heilandes . Wenn sie Trost und Erhebung in diesem Gedanken finden , dann ist es , wie sie sagen . Das Gezelt des Heiligsten ist ein Geschenk des Freiherrn ; die Kerzenleuchter und das Speisegitter hat der Ehrenwald geschnitzt . Wer doch die zwei schönen Altarfenster mit den Glasmalereien gespendet hat ? werde ich gefragt . Es ist gut , daß die Fenster so hoch sind , sonst müßte man es wohl merken , daß über den Glastafeln nur buntes Papier klebt . Die beiden Fenster stellen in einem grünen Dornenkranze mit roten und weißen Rosen die zwei Gesetztafeln Moses vor . Über dem Altare und dem Kreuze ist ein Rundfenster mit dem Auge Gottes und den Worten : » Ich bin der Herr , dein Gott , der dich befreit aus der Knechtschaft . Mache dir kein geschnitztes Bild , um es anzubeten . « Der Pfarrer von Holdenschlag , der hier gewesen , um die Weihe und den Gottesdienst zu vollziehen , hat mir bedeutet , die obigen Worte paßten nicht . » Du sollst allein an einen Gott glauben ! « müsse es heißen . Ich antwortete , daß ich die angewendeten Worte in einer sehr alten Bibel gelesen hätte . Der Schulmeister von Holdenschlag hat die Orgel gespielt , die einen sehr reinen , ich möchte sagen , innigen Klang hat . » Die Freuden und Schmerzen , die der Mund nicht kann sagen , sie sprudeln aus Musik , wie ein Bronnen in der Sonnen ! « sagt der alte Waldsänger . Wie ich mich auf der Zither geübt habe , so übe ich mich nunmehr auf der Orgel . Jeder liebliche Ton ist ein Eimer , der niedersteigt in das Herz des Andächtigen und die Seele emporhebt zum Altare Gottes . Der Pfarrer von Holdenschlag hat eine Predigt gehalten über die Bedeutsamkeit der Kirchweih und der Pfarrkirche und über das Leben des Menschen vom Taufstein bis zum Grabe . Da fällt mir ein , daß wir noch keinen Friedhof haben . Kein Mensch hat daran gedacht oder denken wollen , so oft auch die Rede vom Taufstein gewesen . - Meine ganze Andacht ist weg , und während hernach bei der Messe der Schleier des Weihrauches aufsteigt , habe ich immer daran denken müssen , wohin wir doch den Friedhof legen werden . Und nach dem Hochamte , da alles herausströmt auf den Platz zu den Verkaufsbuden der Hausierer , um die Schätze und Künste zu betrachten , die nun die Welt der neuen Gemeinde im Winkel hereinzusenden beginnt , steige ich den Hang hinan bis zur sanften Hebung , über die sich der finstere Hochwald hinzieht gegen das Gewände . Dort lege ich mich auf die abgefallenen Fichtennadeln des Bodens . Ich bin schier abgespannt von den ungewohnten Erregungen des Ereignisses und versuche des Friedhofes wegen , wie sich ' s hier oben ruhen läßt . Vom Platze herauf höre ich das Geschrei der Marktleute und das Gesurre der Menge . Vielen ist aber die Kirche nicht recht , weil noch kein ordentliches Wirtshaus dabei steht . Ei , der Branntweiner Hannes ist ja doch da , der hat sich unter Eschen ein Tischchen aufgeschlagen und große Flaschen und kleine Kelchgläser darauf gestellt . » Was wär ' das für eine steintrockene Kirchweih , wenn wir nicht trinken täten ! « sagen die Leute , und der Bursche will auch seiner Maid ein Gläschen zahlen . Und der Teufel ist ein frommer Mann , der will jede neue Kirche nachmachen , aber es wird halt immer ein Wirtshaus daraus . Der Schenktisch ist sein Hochaltar , die lose Wirtin sein Priester , das Gläserklingen sein Glocken- und Orgelspiel , des Wirts Säckel sein Opferstock , die Spielkarten sind sein Gebetbuch , und wenn einer im Rausch und Zank niedergeschlagen wird , so ist das sein Opferlamm . Das ist der Schatten von der Kirche . Und