und fand dabei eine innere Beruhigung , die ihm während der Blütezeit seiner Hoffnungen gefehlt hatte . Das stattliche , überall neu angeschindelte Haus , in welchem die Schwester wohnte , nahm sich noch viel stolzer aus neben dem alten Stadel , der jetzt nur noch als Holzbehälter und zum Aufbewahren der Wagen und Schlitten benutzt wurde . Zusel ging jeden Schritt langsamer . Was für eine Ausrede für ihr Kommen sollte sie brauchen ? Aber sie kam ja nur ins Haus ihres Schwagers , zu eigenen Leuten , sagte sie sich , emporblickend zu den Reihen grün angestrichener Fensterläden und zum hohen Dachstuhl , wo noch der Busch zu sehen war , welchen die Zimmerleute nach Vollendung ihres Werkes aufgesteckt hatten . Es tat ihr wohl , ihre Schwester in diesem schönen Hause zu wissen . Ihre Entsagungswilligkeit schwand schneller noch , als sie kam . Zusel dachte an Stighansens stattlichen Hof - vielleicht zum erstenmal - und stellte sich vor , wie prächtig es nun wäre , wenn sie beide , die Kinder des vom Neide so vielgeschmähten Krämers , so stolz neben der Gasse im Herrendorfe wohnen und den Neidhämmeln hinter schneeweißen Vorhängen auf die Gasse herab nachlachen könnten . In so einem Hause konnte man sich schon auch etwas gefallen lassen , und für gar zu unglücklich brauchte sich Angelika doch nicht zu halten , wenn ihr auch manches an ihrem Gatten nicht gefiel . Sie war doch etwas wunderlich , altmodisch , und ein lustiger Mann wie der Andreas konnte mit ihr unmöglich gut auskommen . Mit solchen Gedanken beschäftigte sich das Mädchen , noch immer stille stehend , und vielleicht wäre sie gar nicht mehr zu der wunderlichen Schwester hinein , wenn sie nicht den neugierigen Blicken einiger Vorübergehender zu entrinnen gewünscht hätte ; sie ging schnell durch den Schopf , öffnete geräuschlos die Türe und ließ sich durch den Empfang der Schwester , wie wenig ermutigend er auch sein mochte , nicht im mindesten erschrecken . Die auf dem Wege zusammengestellte Einleitung hatte sie freilich vergessen , aber die wäre doch in der jetzigen Stimmung auch nicht mehr zu brauchen gewesen . » Du wohnst recht schön hier « , begann sie , nachdem sie sich für den etwas kühlen Gruß der Schwester bedankt hatte . » Hohes Haus , großes Kreuz drin « , antwortete die Schwester , indem sie sich wieder mit der Umkleidung der Puppe zu beschäftigen begann , die ihr wunderliebliches Kind ihr lächelnd reichte . » Ich möchte dir tragen helfen « , sagte Zusel wehmütig . » Gelt « , fuhr sie , sich zu einem heiteren Tone zwingend , fort , » du meinst , wir Ledigen sollten gar nicht wissen , wie wohl euch Eheleuten ist , wenn ihr mit euern Kindern wieder zu spielen beginnt . Ja , Schwester , ich möchte dir tragen helfen an deinem Kreuz und trage vielleicht auch schon mehr daran , als du glaubst . « » Jedermann hat zu tragen genug an den Früchten seiner eigenen Torheit . « Dieser ernste Ton in einer so freundlichen Stube , neben so holdem Kinde , mitten im Wohlstand , den die Verschwendung des Mannes ja noch kaum zu verkleinern vermochte ! » Bist du denn noch immer nicht glücklich ? « fragte Zusel eigen weich . » Wer ist das und weiß es ? Wer ? Etwa dein - unser Vater ? Er hat mehr , als er sich früher träumte , aber um so größer sind seine Wünsche jetzt . Du könntest der Stolz der Gemeinde sein , aber eben weil du das fühlst , bist auch du nicht glücklich . « » Du nimmst die Sache zu ernst . « » Für dich wohl , denn du spielst . Mit dem Größten und Heiligsten , selbst mit deiner , nicht nur mit der Ehre und Zukunft anderer spielst du . Das hab ' ich nie getan und muß doch schon so schmerzlich büßen . « » Ich weiß , was du meinst , aber ich halte mich nicht für schuldig . Nur eine Kleinigkeit , einen Schneeballen gleichsam hab ' ich fallen lassen . Was kann ich dafür , daß er im Rollen zur Lawine heranwuchs , die mich selbst gewaltsam mit fortriß ? « » Laß mich gehen , ich kenne das « , sagte Angelika bitter . » Mich haben alte Weiber erzogen , die ärgsten Schwätzerinnen im Lande , nur haben sie die Sache feiner zu treiben verstanden als die Leute , mit denen du jetzt umgehst . Ja , da konnte man etwas lernen . Alle Gemeindeangelegenheiten sogar wurden von Vorsteherin und Rätin verhandelt und dabei geprüft , was wohl am besten zum Einschlag in ihren Zettel passe , denn immer hatte man Günstlinge , denen man gern das Wasser auf ihre Mühle richten , und andere , denen es zerstörend durch den angesäten Acker geleitet werden sollte . Waren einmal die Weiber eins , dann hatte die Meinungsverschiedenheit der Männer nicht mehr viel zu bedeuten . Die ganze Gemeinde hatten meine Basen und ihr Kreis am kleinen Finger . Alle menschlichen Fähigkeiten , Kräfte und Leidenschaften , Stand , Besitz , Abstammung , kurz alles ward hier geschätzt , gezählt , abgewogen und verhandelt , ohne Liebe , rein nach Willkür , wie es jetzt auch die Betschwestern tun möchten , nur etwas anständiger noch , da man damals noch nicht jeden Gegner gleich einen Gottlosen nennen durfte . Alles kam auf diesen Markt , jede Veränderung im Dorf mußte , es mochte eine Hochzeit oder ein Testament sein , zuerst hier gutgeheißen werden . Schon da aber hat mich das angewidert , und die Leute , die sich ziehen und treiben ließen wie Schafe , sind mir so erbärmlich vorgekommen , daß ich ' s ums Leben nicht geglaubt hätte , eines Tages meine stolze , eigensinnige Schwester in einem noch schlechteren Netze zappeln sehen zu müssen . Nicht einmal an meiner