wirft sich später dem Narren an die Brust und ruft mit Angst : Narr , Narr ! ich werde rasend - ich möchte nicht rasend werden - nur nicht toll ! Da er die drei letzten Worte milder sagte , gleichsam bittend , so flossen mir die Tränen über die Wangen herab , ich vergaß die Menschen herum , und glaubte die Handlung als eben geschehend . Ich stand , und sah unverwandt auf die Bühne . Der König wird nun wirklich toll , er kränzt sich in den Tagen nach jener Sturmnacht mit Blumen , schwärmt auf den Hügeln und Haiden , und hält mit Bettlern einen hohen Gerichtshof . Es ist indessen schon Botschaft an seine Tochter Cordelia getan worden , daß Regan und Goneril den Vater schnöd behandeln . Diese war mit Heeresmacht gekommen , um ihn zu retten . Man hatte ihn auf der Haide gefunden , und er liegt nun im Zelte Cordelias und schläft . Während der letzten Zeit ist er in sich zusammengesunken , er ist , während wir ihn so vor uns sahen , immer älter , ja gleichsam kleiner geworden . Er hatte lange geschlafen , der Arzt glaubt , daß der Zustand der Geisteszerrüttung nur in der übermannenden Heftigkeit der Gefühle gelegen war , und daß sich sein Geist durch die lange Ruhe und den erquickenden Schlaf wieder stimmen werde . Der König erwacht endlich , blickt die Frau an , hat nicht den Mut , die vor ihm stehende Cordelia als solche zu erkennen , und sagt im Mißtrauen auf seinen Geist mit Verschämtheit , er halte diese fremde Frau für sein Kind Cordelia . Da man ihn sanft von der Wahrheit seiner Vorstellung überzeugt , gleitet er ohne Worte von dem Bette herab und bittet knieend und händefaltend sein eigenes Kind stumm um Vergebung . Mein Herz war in dem Augenblicke gleichsam zermalmt , ich wußte mich vor Schmerz kaum mehr zu fassen . Das hatte ich nicht geahnt , von einem Schauspiele war schon längst keine Rede mehr , das war die wirklichste Wirklichkeit vor mir . Der günstige Ausgang , welchen man den Aufführungen dieses Stückes in jener Zeit gab , um die fürchterlichen Gefühle , die diese Begebenheit erregt , zu mildern , tat auf mich keine Wirkung mehr , mein Herz sagte , daß das nicht möglich sei , und ich wußte beinahe nicht mehr , was vor mir und um mich vorging . Als ich mich ein wenig erholt hatte , tat ich fast scheu einen Blick auf meine Umgebung , gleichsam , um mich zu überzeugen , ob man mich beobachtet habe . Ich sah , daß alle Angesichter auf die Bühne blickten , und daß sie in starker Erregung gleichsam auf den Schauplatz hingeheftet seien . Nur in einer ebenerdigen Loge sehr nahe bei mir saß ein Mädchen , welches nicht auf die Darstellung merkte , sie war schneebleich , und die Ihrigen waren um sie beschäftigt . Sie kam mir unbeschreiblich schön vor . Das Angesicht war von Tränen übergossen , und ich richtete meinen Blick unverwandt auf sie . Da die bei ihr Anwesenden sich um und vor sie stellten , gleichsam um sie vor der Betrachtung zu decken , empfand ich mein Unrecht und wendete die Augen weg . Das Stück war indessen aus geworden , und um mich entstand die Unruhe , die immer mit dem Fortgehen aus einem Schauspielhause verbunden ist . Ich nahm mein Taschentuch heraus , wischte mir die Stirne und die Augen ab , und richtete mich zum Fortgehen . Ich ging in das Kleiderzimmer , holte mir meinen Überrock und zog ihn an . Als ich in den Vorsaal kam , war dort ein sehr starkes Gedränge , und da er mehrere Ausgänge hatte , wogten die Menschen vielfach hin und her . Ich gab mich einem größeren Zuge hin , der langsam bei dem Hauptausgange ausmündete . Plötzlich war es mir , als ob sich meinen Blicken , die auf den Ausgang gerichtet waren , ganz nahe etwas zur Betrachtung aufdrängte . Ich zog sie zurück , und in der Tat hatte ich zwei große , schöne Augen den meinigen gegenüber , und das Angesicht des Mädchens aus der ebenerdigen Loge war ganz nahe an dem meinigen . Ich blickte sie fest an , und es war mir , als ob sie mich freundlich ansähe und mir lieblich zulächelte . Aber in dem Augenblicke war sie vorüber . Sie war mit einem Menschenstrome aus dem Logengange gekommen , dieser Strom hatte unseren Zug gekreuzt und strebte bei einem Seitengange hinaus . Ich sah sie nur noch von rückwärts , und sah , daß sie in einen schwarzseidenen Mantel gehüllt war . Ich war endlich auch bei dem Hauptausgange hinausgekommen . Dort zog ich erst meine Kappe aus der Tasche des Überrockes , setzte sie auf , und blieb noch einen Augenblick stehen , und sah den abfahrenden Wägen nach , die ihre roten Laternenlichter in die trübe Nacht hinaustrugen . Es regnete noch viel dichter als bei meinem Hereingehen . Ich schlug den Weg nach Hause ein . Ich gelangte aus den fahrenden Wägen , ich gelangte aus dem größeren Strome der Menschen , und bog in den vereinsamteren Weg ein , der im Freien durch die Reihen der Bäume der Vorstadt zuführte . Ich schritt neben den düsteren Laternen vorbei , kam wieder in die Gassen der Vorstadt , durchging sie , und war endlich in dem Hause meiner Eltern . Es war beinahe Mitternacht geworden . Die Mutter , welche es sich bei solchen Gelegenheiten nicht nehmen läßt , besonders auf die Gesundheit der Ihrigen bedacht zu sein , war noch angekleidet , und wartete meiner im Speisezimmer . Die Magd , welche mir die Wohnung geöffnet hatte , sagte mir dieses und wies mich dahin . Die Mutter hatte noch ein Abendessen für mich in Bereitschaft , und wollte , daß ich es einnehme . Ich sagte ihr