» Jetzt gieb Acht , « und er sang : » Was hat keinen Kopf und doch einen Hals ? Und was schmeckt gut ohne Salz und Schmalz ? « Amrei erwiderte rasch : » Die Flasch ' hat keinen Kopf und doch einen Hals , Und Alles was gezuckert ist schmeckt ohne Schmalz und Salz . « » Du hast ' s nur halb errathen , « lachte Johannes , » bist in der Küche stecken geblieben « ; ich hab ' s so gemeint : » Die Flasch ' hat keinen Kopf und doch einen Hals , Und der Kuß von deinem Mund schmeckt ohne Schmalz und Salz . « Und nun sangen sie noch den letzten Vers des vielgewundenen Räthselliedes : » Was für ein Herz thut keinen Schlag ? Was für ein Tag hat keine Nacht ? « » Das Herz an der Schnalle thut keinen Schlag , Der allerjüngste Tag hat keine Nacht . « » Ei Jungfrau , ich kann ihr nichts aufzurathen geben , Und ist es ihr wie mir , so heirathen wir . « » Ich bin ja keine Schnalle , mein Herz thut manchen Schlag , Und eine schöne Nacht hat auch der Hochzeitstag . « Am ersten Wirthshaus vor dem Thor kehrten sie ein und Amrei sagte , als sie mit Johannes in der Stube war und dieser einen guten Kaffee bestellt hatte : » Die Welt ist doch prächtig eingerichtet ! Da haben die Leute ein Haus hergestellt und Stühle und Bänke und Tische und eine Küche , darauf brennt das Feuer und da haben sie Kaffee und Milch und Zucker und das schöne Geschirr und das richten sie Alles her , wie wenn wir ' s bestellt hätten , und wenn wir weiter kommen , sind immer wieder Leute da und Häuser und Alles drin . Es ist gerade wie im Mährlein : Tischlein deck ' dich ! « » Aber Knüppel aus dem Sack ! gehört auch dazu , « sagte Johannes , griff in die Tasche und holte eine Hand voll Geld heraus , » ohne das kriegst du nichts . « » Ja freilich , « sagte Amrei , » wer diese Räder hat , der kann durch die Welt rollen . Sag ' Johannes , hat dir je in deinem Leben ein Kaffee so geschmeckt , wie der ? Und das frische Weißbrod ! Du hast nur zu viel bestellt ; wir kennen das nicht Alles ermachen ; das Weißbrod das steck ' ich zu mir , aber es ist schad um den guten Kaffee ; o ! wie manchem Armen thät ' der wohl , und wir müssen ihn da stehen lassen und du mußt ihn doch bezahlen . « » Das macht nichts , man kann ' s nicht so genau nehmen in der Welt . « » Ja , ja , du hast Recht , ich bin halt noch genau gewöhnt ; mußt mir ' s nicht übel nehmen ; wenn ich so was sage , es geschieht im Unverstand . « » Das hast du leicht sagen , weil du weißt , daß du gescheit bist . « Amrei stand bald auf , sie glühte vor Hitze , und als sie jetzt vor dem Spiegel stand , rief sie laut : » O lieber Gott ! bin denn ich das ? Ich kenn ' mich gar nicht mehr . « » Aber ich kenn ' dich , « sagte Johannes , » du heißt Amrei und Barfüßele und Salzgräfin , aber das ist noch nicht genug , du kriegst jetzt noch einen Namen dazu : Landfriedbäuerin ist auch nicht übel . « » O lieber Gott ! kann denn das sein ? Ich meine jetzt , es wäre nicht möglich . « » Ja es giebt noch harte Bretter zu bohren , aber das ficht mich nichts an . Jetzt leg ' dich ein wenig schlafen , ich will derweil nach einem Bernerwägele umschauen ; du kannst am Tag nicht mit mir reiten , und wir brauchen ohnedies eins . « » Ich kann nicht schlafen , ich muß noch einen Brief nach Haldenbrunn schreiben ; ich bin so fort und hab ' doch auch viel Gutes genossen da , und hab ' auch noch andre Sachen anzugeben . « » Ja , mach ' das , bis ich wieder komm ' . « Johannes ging davon , und Amrei schaute ihm mit seltsamen Gedanken nach : da geht er und gehört doch zu dir , und wie er so stolz geht ! Ist es denn möglich , daß es wahr ist , er ist dein ? Er schaut nicht mehr um , aber der Hund , der mit ihm geht ; Amrei winkt ihm und lockt ihn , und richtig , da kommt er zurück gerannt . Sie ging ihm vor das Haus entgegen , und als er an ihr hinauf sprang , sagte sie : » Ja , ja , schon gut , es ist recht von dir , daß du bei mir bleibst , daß ich nicht so allein bin ; aber jetzt komm ' herein , ich muß schreiben . « Sie schrieb einen großen Brief an den Schultheiß in Haldenbrunn , dankte der ganzen Gemeinde für die Wohlthaten , die sie empfangen , und versprach : einstens ein Kind aus dem Ort zu sich zu nehmen , wenn sie es machen könne , und verpflichtete nochmals den Schultheiß , daß man der schwarzen Marann ' ihr Gesangbuch unter den Kopf lege . Als sie den Brief zusiegelte , preßte sie ihre Lippen dabei zusammen und sagte : » So , jetzt bin ich fertig mit dem was in Haldenbrunn noch lebt . « Sie riß aber doch schnell den Brief wieder auf , denn sie hielt es für Pflicht , Johannes zu zeigen , was sie geschrieben . Dieser aber kam lange nicht und Amrei erröthete , als die gesprächsame Wirthin sagte : »