daß wir Mann und Weib werden . « » Ja , aber da drunten gibt ' s gewiß schöne Jungfern , die mich bei dir ausstechen . « » Sorg du nicht für mich , hab du vielmehr acht , daß du mich nicht von den Ebersbacher Buben aus deinem Herzen vertreiben läßt . « » Ei , so laß doch endlich das Geschwätz mit den Buben sein ! « sagte sie schmollend . » Was dir recht ist , muß mir billig sein « , erwiderte er . » Such du mich nicht hinterm Ofen , dann guck ich auch nicht , ob du dahinter steckst . Jetzt laß uns aber die letzten Stunden nicht mit Zank und Trutz verderben , es ist ja doch keinem von uns beiden Ernst damit . « Nachdem sie noch längere Zeit in solchen Wechselreden verbracht , sagte Friedrich : » Ich muß jetzt gehen , ich hab noch Geschäfte mit meinem Pfleger . Ich nehm aber jetzt nicht Abschied von dir , denn ich tu ' s nicht anders , ich komm heut zu dir in deine Kammer , nachdem ' s jetzt mit deinen Eltern so gut wie richtig ist . « » Sei aber vorsichtig « , sagte sie , » und mach kein Geräusch , sonst könntest bald sehen , daß es nicht so richtig ist , wie du meinst . « » Hab du keine Angst « , erwiderte er . Er begab sich zu seinem Vormund , einem im Flecken angesehenen Ratsherrn , um ihm einen Abschiedsbesuch zu machen und zugleich aus seinem mütterlichen Vermögen einen Zuschuß zu seinen Reisemitteln zu verlangen , welche soeben einen beträchtlichen Ausfall erlitten hatten . Der Vormund aber schlug ihm sein Ansinnen rundweg ab ; er wußte ihm haarklein vorzurechnen , was er von seinem Vater zu Weihnachten und was er heute von ihm als Reisegeld erhalten habe , schärfte ihm die Tugend der Sparsamkeit ein , machte ihm derbe Vorwürfe über die dumme Liebschaft , die ihn aus dem Vaterhause treibe , und ermahnte ihn schließlich , sein Hab und Gut nicht » an Menscher zu hängen « . » Ich wär nicht zu Ihm gekommen , wenn ich nicht Geld braucht hätt ! « sagte Friedrich und wetterte im Fortgehen die Türe hinter sich zu . Mit tausend Verwünschungen kehrte er dem Hause des Vormundes den Rücken und sagte dann zu sich : » Ich darf mich wohl zusammennehmen , wenn ich bis zu meinem Ziel kommen soll , ohne unterwegs zu betteln oder zu stehlen ; und zu meinem Vetter sollt ich doch wenigstens auch noch ein paar Batzen mitbringen , sonst ist ' s ja eine Schand ; und meiner Christine muß ich doch auch was schicken , denn leerer Gruß geht barfuß . Der Teufel hol den Hornabsäger , den Kümmichspalter , der mir mein eigen Geld vorenthält . Ich darf , weiß Gott , auf dem Weg kein einzigmal was Warms essen , wenn ich mit meinem Zehrpfennig langen soll . « Er ließ aber im Bäckerhause nichts von seiner Verlegenheit merken , sondern plauderte treuherziger und fröhlicher , als es ihm eigentlich um das Herz war , mit seinen Schwägern , wie er sie offen vor den Leuten nannte , und als die Bäckerin teilnehmend bemerkte , sie sei nur noch begierig , was diese Geschichte für ein Ende nehmen werde , die sich in ihrem Haus angesponnen habe , rief er leichtfertig lachend : » Das wird eine schöne Eh geben , wo der Mann die Häfen verbricht und das Weib die Schüsseln ! « Lachend gingen seine Gesellen mit ihm fort . Auf dem Wege eröffnete er ihnen , daß er diese Nacht in ihrem Hause bei ihrer Schwester zuzubringen gesonnen sei . Sie fanden das in der Ordnung und ließen ihn mit sich ein . 13 » Und nun den letzten Kuß ! « sagte Friedrich , als kaum der Morgen graute . » Das Scheiden und Meiden ist ein schlechtes Handwerk , und der bös Gott woll ' s dem behüten , dem ' s zuerst eingefallen ist , aber es muß nun einmal sein . « » Wenn ich nicht Sorg hätte , mein Vater oder Mutter könnt aufwachen , so ließ ich dich noch nicht fort « , sagte Christine , unwillkürlich seinen Arm umklammernd . » Es hat sich ja noch nicht einmal ein Hahnenschrei hören lassen . « » Sie werden bald krähen , und dann währt ' s nicht lang mehr , so wird ' s lebendig im Ort , und ich kann nicht mehr unbeschrien fortkommen , was mir unlieb wär , weil ich des Geschwätzes mit den Leuten überdrüssig bin und nicht jedem auf die Nas binden mag , warum ich in die Fremde soll . Fort muß ich ja doch einmal , und so ist ' s eins , ob wir den bittern Kelch jetzt trinken , oder ein wenig später . Denk dir , wir seien verheiratet , was wir ja auch eigentlich sind , und ich müss verreisen auf längere Zeit . Wie mancher hat schon von Weib und Kind weg in Krieg müssen und ist gar nicht wiederkommen . « » Wann wirst auch du wieder zu mir kommen ? « seufzte Christine . » Am Sankt Nimmerlestag , wo die Eulen bocken . Frag nicht so schäckig , weißt ja doch selber wohl , daß ich komm , wenn ich kann und darf . Soll ich dir denn alles wieder herleiern , was ich dir gesagt hab und worauf unsre Hoffnung steht ? Ich müßt mich ja heiser predigen . « Christine schluchzte überlaut . » Mein Herz sagt mir , wir sehen einander nie wieder , und ich werd in Schand und Not verlassen sein . « » Und mir sagt das mein das Gegenteil . Welches hat nun recht ? Da bleibt nichts übrig , als daß wir die zwei Herzen gegeneinander wetten . Gib acht