ist . - O ein Vergnügen , Frau Becker ; denn wenn ich Abends müd ' und matt nach Hause komme und küsse die Locken , die ich von ihm habe , so bin ich wahrhaft frisch und munter und schlafe ohne viel Beschwerden , weil es mir dann im Traume erscheint und sich an meine Brust drückt , an meine Brust , die mich oft so seht schmerzt ! - « Die Frau machte ein Zeichen der Ungeduld . » Ich komme schon zu Ende , « fuhr die Andere fort , nachdem sie tief Athem geholt und einen Augenblick geschwiegen . » Aber wissen Sie , Frau Becker , « sagte sie matt lächelnd , » Sie müssen mir schon verzeihen , wenn ich das Kind so oft erwähne , ich habe ja Anderes nichts zu denken . - Nun , also ! Er schien sich auch , Gott sei Dank ! um das kleine Ding gar nicht mehr zu bekümmern , ich erfuhr überhaupt nichts mehr von ihm , bis vor drei oder vier Wochen , da sagte mir die Babett , die mit mir zusammen nähte : weißt du auch schon , daß er heirathen will ? - Es ist mir gleichgültig , entgegnete ich ; habe ich doch mein Kind . - Ja , aber das Kind möchten sie gern haben . - Wer ? rief ich erschrocken . - Nun , sie , seine Familie ; sei doch nicht so dumm , das kannst du dir ja denken , es kann ihnen doch wahrhaftig nicht gleichgültig sein , daß ein Kind von ihm und dir lebt und gedeiht . « » Das dumme Schwatzmaul ! « murmelte die Frau in sich hinein . » Bei den Worten , « fuhr die arme Person fort , indem sie sich über die Stirne wischte , » brach mir der kalte Angstschweiß aus , - wie jetzt , und ich wäre gleich zu der Frau hinaus gerannt , aber es war mir unmöglich . Auch war es Freitag , und den Sonntag darauf ging ich ja hin , das war , wie ich Ihnen vorhin sagte : sie war ausgegangen und hatte das Kind mitgenommen . - Wie mich das bestürzt machte , Sie können es sich gar nicht denken , Frau Becker . Ich konnte mich nur etwas wieder trösten , als ich das kleine Bettchen sah und seine Alltagsschuhe , die daneben standen . - - Nun , nehmen Sie mir ' s nicht übel , deßhalb bin ich eigentlich hier , Sie will ich ja nur fragen , auf ' s Gewissen fragen , wie es mit der Sache steht . Sie kennen ja die Familie und haben vielleicht sogar mit ihm zu thun . Ob er sich verheirathet , ist mir ja ganz gleichgültig , aber das Kind ist mein ; von dem Kinde darf er nichts mehr wollen . Nicht wahr , das sehen Sie auch ein ? - Und er hat ja kein Recht an das Kind , hat sich ja auch nie darum bekümmert , und ich habe auf der weiten , weiten Welt nichts Anderes , was mich an dies Leben festhält ! « Madame Becker hatte sich bei dieser längeren Rede eine neue Tasse Kaffee zurecht gemacht und besorgte dies Geschäft absichtlich sehr langsam , wahrscheinlich um Zeit zu gewinnen , ihre Antwort zu überlegen . Sie mußte von der Sache wissen , denn während die arme Person ihr gegenüber sprach , räusperte sie sich ein Paarmal nicht ohne Verlegenheit , schaute auch wohl gegen die Straße hinaus und nach ihrer Nichte , der Tänzerin , hin , die sich aber so fest in die Fensternische hinein gedrückt hatte , daß die Frau nicht wußte , ob das Mädchen da sei oder ob sie in ' s Nebenzimmer gegangen . » Sieht Sie , Katharine , « sprach sie endlich sehr langsam , um ihre Worte überlegen zu können , » was ich vorhin sagte ist wahr . Sie handelt immer vorschnell und oben hinaus und denkt immer das Schlimmste von den Männern . Das muß man nicht thun . Am Ende freilich ist was Unangenehmes passirt ; wer kann für so ein kleines Kind einstehen ? « » Nicht wahr ? - nicht wahr ? - o mein Gott ! « » Ja , ich sage , es sei möglich , ohne daß ich das weiß . Daß die Frau Bilz zweimal nach einander nicht zu Haus war , hätte an sich nicht viel zu bedeuten ; das kann vorkommen . Aber neulich ist sie mir begegnet und hat den Kopf geschüttelt , als ich nach dem Kinde fragte , - ich frage immer darnach , Katharine , - da sagte sie : ja , es ist recht kränklich , und selbst bei der sorgfältigsten Pflege weiß man doch nicht , was mit dem armen Wurm geschieht . « » Aber mein Kind war nicht kränklich , « sagte ängstlich die Nähterin , » wenigstens noch nicht vor vierzehn Tagen ; da fand ich es frisch und gesund . « » Na ! frisch und gesund wollen wir gerade nicht behaupten , « entgegnete die Frau , nachdem sie aus einer kleinen Dose verstohlen eine Prise genommen ; » einen Treff hat das Kind leider schon bei der Geburt gehabt . Denkt nur an den Jammer , mit dem Ihr es getragen . « » Ja , ich habe damals unendlich viel Jammer ausgestanden . « » Und das feste Schnüren in der ersten . Zeit ! Ihr hattet damals eine reputirliche Kundschaft , Katharine , lauter feine , solide Häuser , und da läßt man so was nicht gern merken . Aber die armen Würmer leiden darunter . « Die Nähterin schüttelte ungläubig den Kopf und sah gedankenvoll vor sich hin . » Nein , nein ! « sagte sie nach einer Pause , » dem Kinde hat nichts gefehlt , das hat mich der Arzt