trösten konnte . Eine sehr unbedeutende und nur mit lächelndem Nichtssagen zugaffende Rolle spielte die reiche Madame Pfannenstiel , geborene Drossel , die die frühere Wirthschaftsinspectorin nicht verleugnen konnte , trotz ihrer dicken goldenen Erbskette und der großmächtigen Brillantuhr , die sie fast bis unten auf die Hüfte ihres schmächtigen Körpers trug . Melanie war die Seele dieses bunten Kreises , den das Geld hier zusammengewürfelt hatte . Geist , Neigung , hatte sie früher gesagt , bringen Gleichartiges zusammen . Das Geld kann nur Vermittler des Zufälligen sein . So beschloß sie denn , Geist und Neigung in diese widerstrebenden Elemente zu bringen . Es gelang ihr aber nur theilweise und durch nichts Anderes als durch ihre eigene Persönlichkeit . Wie reizend stand sie da im Schloßhofe ! Das lange , enganschließende Reitkleid war von einem silbergrauen leichten Stoffe und ließ die lieblichsten Formen der schönen Gestalt bewundern . Von der Halskrause , die über dem ganz oben geschlossenen Kleide zierlich gefältelt lag , bis zu den Hüften herab zeigte sich das schönste Ebenmaß der äußern Bildung . Die Schultern hoch und gerundet . Wenn sich der holde , liebliche Kopf , mit den braunen brennenden Augen , dem schönen Munde und den weißen Perlenreihen der Zähne lächelnd über die Schulter wandte , gab der Winkel , der sich dann aus dem Kopf und der Schulter bildete , die reinste Schönheitsform . Halb noch auf den schwarzen , hinten über Flechten zurückgekämmten Locken , saß ein kirschrothes , silbergesticktes kleines Sammtgewinde , über dem der Reithut mit blauem Schleier gebunden war . Längst hatte sie diesen Hut weggeschleudert . So hoch Melanie und fast mit dem Wuchse der Pappel aufgeschossen war , so behend ließen doch ihre Bewegungen . Ihr Fuß schien kaum den Boden zu berühren , so schwebte sie dahin , mit der linken Hand die lange Schleppe des Kleides nach vorn an sich drückend , mir der Rechten die am Griff von blauen Steinen geschmückte elegante Reitpeitsche in die hohe kräftige Hüfte stemmend . Mit innigster Herzlichkeit gab sie ihrer Mutter einen Kuß , worauf sie den Kopf in den Nacken warf und mit komischer Feierlichkeit erklärte : Ich danke Ihnen , meine Herren , für Ihre ritterliche Begleitung ! Sie haben Noth und Gefahr mit mir getheilt ! Sie haben , als wir im Walde einem scheu gewordenen Einspänner , auf dem zwei Handwerksbursche sich vom Fußwandern auszuruhen schienen , begegneten , die mögliche Gefahr des eigenen Durchgehens Ihrer Rosse muthvoll überstanden ! Sie haben an der Försterwohnung vor einer alten roth- und weißhaarigen Hexe , die alle Pferde stutzigmachte , hochherzigen Muth bewiesen . Sie haben sich würdig gezeigt , von mir , der dermaligen Fürstin von Hohenberg , heute Abend beim Thee zu meinen Cavalieren und Vasallen geschlagen zu werden . Ich hoffe , daß Keiner meiner Getreuen fehlen wird ! Und damit seid Ihr für jetzt entlassen ! Die Herren applaudirten . Melanie entschlüpfte in eines der unten geöffneten Schloßfenster und verschwand . Die Gesellschaft trennte sich vorläufig mit dem Versprechen , um acht Uhr an den geöffneten Fenstern der Zimmer , die Schlurck für die Seinigen gewählt hatte , sich zum Genuß der milden Abendluft und zum Thee zu versammeln . Die Einen begaben sich in den Garten , die Andern ins Schloß , Andere wandten sich hinunter dem Orte zu . Mit großem Wohlgefallen hatte diese Scene von fern der Geheimerath Henning von Harder beobachtet . Se . Excellenz standen am offenen Fenster eines der ihm zur Disposition übergebenen Zimmer der verstorbenen Fürstin und kniffen eine goldene Lorgnette so scharf in die Augenhöhle , daß ihm auch keine Miene der schönen und verlockenden Melanie Schlurck entgehen konnte . Als sie sprach mit ihrem wohllautenden , vollen , aus der Brust quellenden Organe , bedeutete er seine beiden Bedienten , Ernst und Franz - die auf dem Fußteppich saßen und hämmerten und packten - , einen Augenblick in ihrem Diensteifer innezuhalten . Er verschlang Melanie ' s Worte und täuschte sich dabei keineswegs in der Voraussetzung , daß sie sich von ihm beobachtet glaubte . Er gehörte zu den Männern , die sich in ihrer Jugend wol hatten sagen können : Du bist glücklich bei den Frauen , weil du eine schöne Gestalt hast und eine gewisse Kunst sie geltendzumachen . Sein Haar war einst lockig gewesen , sein Auge nicht ohne Feuer . Er konnte diese Triumphe seiner Jugend nicht vergessen . Daher kam es , daß er an Jahren zunehmend , immer wieder einen neuen Reiz an sich zu entdecken glaubte , der ihm ebenso fesselnd vorkam , wie es früher seine Jugend gewesen war . Nur schlimm , daß er diesen Reiz nicht in geistigen Dingen , sondern in äußerlichen fand ! Geist verleiht dem Äußern des Mannes mit den Jahren einen veränderten Ausdruck , der wol die Frische der ersten Jugend ersetzen kann . Die Liebe des Jünglings ist eine andere als die des Mannes und wer würde so oberflächlich und sinnlich sein , die Poesie und die fesselnde Schwärmerei allein nur dem zwanzigjährigen Blute zuzuerkennen ? Im Gegentheil mischt sich in die erste süße Liebe des Jünglings nur zu wild und bitter oft die Gährung der noch unfertigen Charakterbildung , während eines älteren Mannes Liebe eine Kette reinster Hingebung , uneigennütziger Aufopferung und jener höhern Poesie sein kann , die aus einem gebrochenen wehmüthigen Bewußtsein fließt . Mit diesen Erscheinungen hatte das noch immer lodernde Feuer des fast sechzigjährigen Henning von Harder zu Harderstein nichts gemein . Er gehörte zu den Thoren , die im zwanzigsten Jahre ihre Eroberungen auf ihre wirkliche Schönheit fußen können , im dreißigsten auf das Glück dieser Schönheit und den Ruf ihrer Eroberungen , im vierzigsten Jahre aber schon nur noch auf ihre gesellschaftliche Stellung und gewisse jugendliche Reminiscenzen , vom funfzigsten an aber auf die verzweifeltste Eitelkeit , die sich an diesen oder jenen kleinen Rest früherer Vorzüge klammert , an eine weiße kleine Hand , einen zierlichen kleinen Fuß