Zeit , wo ein feiger Verräther Spott mit mir trieb , mit mir , Fürst Lichninsky , und dieser feige Verräther warst Du ! - - - - Zurück ! - drohte der Fürst der immer näher auf ihn eindringenden Ines , welche wie eine Rachegöttin ihr schwarzes Auge auf ihn heftete . - Wie , Du fliehst vor mir , Felix ? - sagte sie mit dem Tone einer girrenden Taube , der fürchterlicher in den Ohren des Fürsten klang , als der entsetzlichste Hohn . - Umfingst Du mich doch sonst so feurig und drücktest glühende Küsse auf meinen Mund , wenn ich Dir nahte . Sieh , wie meine Wangen Dir rosig entgegenglühen , mein Busen Dir entgegenwallt . - - Hinweg von mir , Weib ! - rief der Fürst , dessen Haare von einem nie gefühlten Grauen anfingen , sich zu sträuben - hinweg , oder bei Gott ! - - Stolz richtete sich Ines auf , als der Fürst die Spitze seines Degens erhob . - Gelüstet ' s Dich nach meinem Blute ? - - Nicht doch , Du bist ein Renommist , Felix ; ein erbärmlicher großsprecherischer Industrieritter , weiter nichts . Ich hasse Dich schon nicht mehr , denn Du bist es nicht werth , zu klein für die Größe meines Hasses . Ich verachte Dich . - - - Alice und der Pater hatten in gleicher Stille , aber mit verschiedenen Empfindungen der sonderbaren Scene zugeschaut . Alice fühlte Mitleid mit ihm , obschon ihre Liebe zu ihm durch den Verrath an der guten Sache vernichtet wurde . Sie liebte den Phantasten in ihm und achtete den Mann , aber ihre Liebe und ihre Achtung hatten genau dieselbe Grenze . Konnte sie den Mann nicht mehr achten , so hatte der Phantast für sie alles Interesse verloren . - Dennoch fühlte sie jetzt Mitleid mit ihm und legte ein fürsprechendes Wort beim Pater für ihn ein . - Sind Sie noch nicht überzeugt von seinem Verrath ? - fragte dieser . - Wenigstens gebe ich ihn noch nicht ganz verloren ; in jedem Falle ist er jetzt unschädlich Pater , Sie wissen die Bedingung : » Der Fürst darf nicht eher fallen , als bis jede Hoffnung , ihn für die Volkssache zu gewinnen , verschwunden ist . « Es ist zu wichtig für uns , einen solchen Namen auf unserer Seite zu haben . - Gestehen Sie es , daß Sie noch Interesse für ihn empfinden . - Wahrlich , nein - sagte betheuernd Alice . - So mag ' s drum sein - sagte er zögernd - haben Sie Salvador nicht gesehen ? - Nein , ich ließ ihn bei Lydia . Vielleicht wird er sie zum Prinzen begleitet haben . - Ich werde ihn aufsuchen . - So werde ich Sie begleiten . - - Nein , bleiben Sie , aus Rücksicht für den Kranken , von dessen Worten keines verloren gehen darf , und aus Rücksicht für - - Ich kenne die Dame nicht . - - Sie ist die Mutter Salvadors und Salvador der Sohn Lichninsky ' s. Jetzt werden Sie Alles begreifen . - Du wirst gerächt werden , armes Weib - sagte Alice in sich hinein , einen finstern Blick auf den Fürsten werfend , dessen Folterqualen in diesem Augenblicke bis auf den höchsten Grad gestiegen waren . Der Pater verließ das Gemach . Alice setzte sich an das Lager des Verwundeten und schien nun dessen unzusammenhängenden Phantasien zu lauschen . Doch verfolgte sie zugleich mit lebhaftem Interesse das seltsame Zwiegespräch des Fürsten mit der unglücklichen Mutter Salvadors , das sich allmälig in einen Monolog der Letzteren verwandelte . - Ich kam zu Dir , um Dich zu tödten . Aber ich fand Dich nicht , und als ich Dich endlich fand , da jammerte mich Deine Angst . - Und als Du da lagst , stumm und bleich - - - da gedachte ich der ersten Nacht im Thale Valencias , da Du nach langer Trennung wieder bei mir weiltest - - ich gedachte des Kusses , den Du auf die kleinen , frischen Lippen Deines Knaben drücktest - - - und ich konnte Dich nicht tödten . - - - - - Sie schwieg , ihr Kopf neigte sich auf die zitternde Brust und eine große Thräne entfiel ihren Augen . - Laß die Vergangenheit ruhen - sagte kalt der Fürst , welcher die weiche Stimmung Ines ' benutzen wollte , um sich aus der peinlichen Lage zu ziehen , in der er sich befand . - Schweig - entgegnete mit Härte Ines . - Meinst Du , Deine Heuchelstimme wird mich nochmals berücken können ? Ich sage , damals dachte ich daran , weil Dein Auge geschlossen und Dein Mund stumm war . Aber ich habe meine Schwäche bereut . Seitdem lebt nur ein Gedanke in meiner Seele , der Gedanke an jenen Augenblick , wo ich flehend zu Deinen Füßen lag und Du , mich von Dir stoßend , enteiltest , um nimmer wiederzukehren . Damals that ich einen Schwur - - - und ich werde ihn halten . Und dieser Schwur lautete : Sein eigenes Kind soll ihm einst den Dolch ins falsche Herz bohren . - Wahnsinnige ! - rief entsetzt der Fürst . Ines lachte . Fürchte nichts - heute werde ich Dich nicht tödten . Die Sühne wäre zu leicht . - - Nein , der Gedanke des Todes soll von nun an Deinen Fersen haften , er soll Dich als Dein Schatten begleiten , wenn der helle Tag scheint ; er soll Dir in jedem Lichtschimmer entgegen leuchten , welcher Dir in der Nacht zuwinkt - - - denn wisse es - - - bei dem dreieinigen Gott , daß Du sterben wirst von Deines Sohnes Hand , ehe Deutschland den Jahrestag der heiligen Nacht feiern wird , deren heiligen Kampf dein schwarzer Verrath befleckt hat . - - - Gehe hin und das