gut , « rief Martha , » ich hab ' es immer gesagt . Ich lasse mich schönstens bedanken , der liebe Gott mag ' s ihr vergelten , die Armen haben Nichts zu geben als fromme Wünsche . « So ging denn Martha ihres Weges . Friederike that auch einige Schritte weiter und sah sich überall um . So stand sie eine Weile . Da rief plötzlich eine Stimme : » Also endlich einmal ! « Es war Wilhelm Bürger , welcher hinzutrat und ihre Hand erfaßte . » Guten Abend , Wilhelm . « Wilhelm hatte gleich am andern Tage , als er erkannt hatte , daß es ein großer Irrthum von seiner Seite gewesen , seinen Freund Franz für seinen Mitbewerber zu halten , Friederiken am Feierabend am Brunnen aufgesucht und ihr einfach gesagt , wie lieb er sie habe . Das gute Mädchen hatte verschämt und erröthend das angehört , und ihm durch einen herzlichen Händedruck versichert , daß sie ihm gar nicht gram sei , daß sein Wort ihr eine wahre Herzensfreude gegeben . So pflegten sie nun seitdem sich oft auf gleiche Weise zu sehen . Wilhelm war heute ziemlich ernst und sagte nach einer Weile : » Ist es wahr , daß Deine Herrschaft , ich meine Mamsell Paulinchen , seit einiger Zeit so kränklich ist ? « » Da habe ich Nichts davon bemerkt - das müßte ich wissen . « » Verändert sieht Sie mir auch nicht aus - gleichwohl hat es der junge Herr , ihr Bruder Georg gesagt . « » Was hat der gesagt ? Er weiß gar Nichts von ihr , denn die Beiden sind verschieden wie Tag und Nacht . « » Du weißt , daß sie den Chirurgen für das Kind der langen Liese bezahlt hat . « » Und daß sie mit Franz selbst zu dem unglücklichen Kinde gegangen ist , seitdem sind aber Wochen vergangen und Franz hat sich nicht wieder blicken lassen , wie doch sonst . « » Es ist ihm schwer genug geworden . « » Warum ist er also nicht gekommen ? Und was meinst Du mit dem jungen Herrn und dem Chirurgen ? « » Das wollt ich ja eben erzählen . « » So rede schnell , denn ich kann jetzt nicht lange hier bleiben und weiß wirklich nicht , was Du eigentlich zu sagen hast . « » Drum eben lass ' mich zu Worte kommen . Wie der Chirurg das zweite Mal wieder gekommen ist , hat er Franz aufgesucht und gesagt , es sei unrecht von ihm , daß er Fräulein Pauline immer so mit Erzählungen von Unglücklichen quäle , und sie dann berede , das Elend selbst mit anzusehen . Eine junge zärtliche Dame , wie sie , könne so Etwas nicht vertragen , sie werde dadurch selbst noch krank , weil es sie immer so angreife ; ihre Gesundheit sei dadurch schon ganz zerrüttet - sie setze ihr Leben auf ' s Spiel , wenn sie es noch länger so treibe ; sie selbst habe freilich davon keine Ahnung , um so mehr sei es jedes Menschen Gewissenssache , sie zu schonen . Franz war ungläubig gewesen - ich war es auch , dann sagte ich mir : die armen Leute müssen in diesem Elend leben und es selbst ertragen und die vornehmen Leute sollten gleich daran sterben , wenn sie es nur ein Mal erzählen hören , oder von Weitem einen flüchtigen Blick darauf werfen ? « » Mein Fräulein ist ganz wohl - und was will denn der Chirurg von ihr wissen , der sie niemals behandelt hat ? Sie hat Gott sei Dank noch gar keinen Arzt gebraucht , seitdem sie hier ist . Und dieses alberne Mährchen hat Franz glauben können ? « » Er hat es auch nicht so recht geglaubt , aber ängstlich hat es ihn doch gemacht . Sie gönnen uns diesen Engel nicht ! « sagte er ernst und bitter - aber wie er es sich näher überlegte , so hatte die Sache doch auch etwas Wahrscheinliches - » diese Mädchen sind einmal so zart , « sagte er , » und wäre ich dann daran Schuld , daß sie wirklich litte - ich vergäb ' es mir nie - und geistig leidet sie durch mich - nein , nein , ich will ihr Nichts mehr sagen - - « so meint ' er . » Aber welch ' dummes Zeug ! « rief Friederike : » Und warum hat er da nicht mich gefragt , oder warum es Dir nicht aufgetragen ? « » Er hat sich genug mit seinen Gedanken gequält und wie sie ihm nicht mehr Ruhe ließen , ist er selbst hergegangen , um sie zu sehen oder Dich zu sprechen . Der junge Herr hat ihn da zuerst getroffen und gefragt , zu wem er wolle ? Er habe jetzt hier Nichts zu thun . Er hat Dich genannt , da hat ihn Georg sehr hart angelassen und gesagt - aber das ist zu hart ! « » Was hat er gesagt ? Rede nur gerade heraus ! « » Er hat gesagt , daß ihn seine Schwester beauftragt habe , nicht länger den Skandal zu dulden , daß ihre Dienstmädchen mit den Fabrikarbeitern unpassenden Umgang hätten und daß es so schon eine Schande sei , daß die Christiane - « Wilhelm hielt inne und besann sich , daß er hier nicht weiter fortfahren könne . Friederike ward roth und sagte : » Das ist eine Niederträchtigkeit ! Die Christiane wäre lange aus dem Hause , wenn er sie nicht selbst hielte , und wir wissen recht gut , wer an ihrem Unglück Schuld ist - die armen Fabrikarbeiter nicht , aber so will er freilich thun . Und nun gar dem Franz gleich das Schlechteste unterzuschieben - und nur weil er nach mir gefragt hat ; das ist abscheulich ! « Sie stampfte mit dem Fuß und hielt