nur kalt ! « entgegnete ich ; und das war ganz richtig . Mein Benehmen mogte einen Anstrich von Großmuth haben , wie das oft geschieht für oberflächliche Beobachter ; aber sie war nicht im Herzen : ich that was ich that aus Gleichgültigkeit , nicht aus Liebe , drum wurde mir nicht warm und nicht wol trotz der Versöhnlichkeit und Milde meiner Handlungsweise . Wer nicht aus voller Seele handelt wird sich selbst in seinen besten Thaten elend fühlen . Sie glänzen und stehen ihm gut ; ja ! sehr gut ! wie funkelnde Diamanten die ihn prächtig schmücken , aber ihn nicht froh und nicht schön machen . Doch ein Lächeln , ein Blick in dem die volle Seele sich ausstralt - die stehen ihm ganz anders gut und machen ihn schön und froh . Ich schleppte meine Diamanten ! - - - Bevor ich abreiste mußte ich noch einmal mit Otbert über unser künftiges Verhältniß sprechen . » Es ist an Dir es zu bestimmen « sagte er . » Dann bleiben wir getrennt , Otbert . « » Aber Freunde , Sibylle ? « » Freunde .... insofern unsre heterogene Natur das gestattet . Wir sind es aber eigentlich nie gewesen - bedenke das . Die Freundschaft will auch eine Basis haben auf der sie sich feststellen könne und ich - habe weder Vertrauen zu Dir noch Verehrung für Dich - woher soll da Freundschaft kommen ? « » Du bist streng geworden , Sibylle . « » In meiner unbefangenen Zeit - Du wirst es wissen ! - war ich immer so gegen Dich gesinnt . Die der Selbsttäuschung ist dahin und ich nehme wieder meinen früheren Standpunkt ein . Wenn ich Dich jedoch nicht überschätze , so glaube mir , daß ich mich noch tausendmal geringer anschlage : man muß sehr erbärmlich sein um eine Komödie für Wahrheit halten zu wollen . Sie mit möglichster Wahrheit darzustellen , sich mit äußerster Geschicklichkeit in die Rolle hinein zu arbeiten - das ist reizend und dazu gehören manche Gaben ; ich begreife das .... und Dich . Deine Bethörung , die doch wenigstens activer Art war , kann ich entschuldigen . Meine passive unmöglich . « Während ich sprach war Astrau im Zimmer auf und nieder gegangen . Nun blieb er vor mir stehen , schlug die Hände zusammen und rief in einem Ausbruch der qualvollsten Ungeduld : » Sibylle ! Deine Räsonnements sind fürchterlich ! .... sind gradezu tödtend ! Sie sind nicht falsch , nicht ungerecht - aber daß Du sie machen kannst in einem Augenblick wo Dir das Herz zittern und Deine Seele wund und Dein Geist gedrückt sein müßte - daß Du mit Analyse zu Werke gehst statt mit Empfindung , und gelassene Betrachtungen anstellst statt eine heimliche Thräne zu trocknen - sieh , das ist mir fürchterlich ! Ich erstarre neben Dir , Sibylle ! und glaube mir , kein Mensch kann neben Dir glücklich sein . Paul , der Dich so liebte .... war nicht glücklich ! Ich , der ein unbeschreibliches Interesse für Dich hegte - bin nicht glücklich ! Es ist nichts Erquickendes in Deinem Wesen , Sibylle ; nicht die Wärme , die Frische , die Innigkeit , die uns so wol thut , daß wir ihretwegen tausend Fehler und zehntausend Mängel übersehen ! Es geht keine Belebung von Dir aus .... und Du bist doch reich und schön begabt , bist umflossen vom Glanz der Verheißung , wie ich ihn nennen mögte - der aber nie zur Erfüllung wird . « » Und welche Verheißung wird denn überhaupt je zur Erfüllung ? unterbrach ich ihn trübe . Keine , Otbert , keine . Meine Erscheinung ist der Ausdruck des Zwiespalts , der ewig zwischen sehnen und erreichen obwaltet , und der meine Seele in unfruchtbaren Exaltationen und ebenso unfruchtbaren Desolationen aufzehrt . Ich kann mich nicht umbilden .... allein ich kann mich fern von den Menschen halten , denen ich allerdings mehr weh als wol thun mag . Ich habe nicht die liebliche Gabe der demüthigen Seelen : mich an dem Kleinen zu freuen das aus dem Untergang des Großen übrig bleibt . Und ich habe auch nicht jenen mächtigen Schwung der starken Seelen , durch den sie zu einem Höhepunkt getragen und auf ihm gehalten werden , wo sie den Ariadnesfaden der durch das Leben läuft stets übersehen indem sie von oben herab in das Labyrinth alles Daseins schauen . Ich bin drin .... in diesem Labyrinth ! Ich ergreife jauchzend den rettenden Faden - siehe ! da zerreißt er in meiner Hand ! Ich finde ihn wieder .... aber stückweise ! immer reißt er ab ! immer hat er ein Ende ! immer gerathe ich auf Fragmente ohne Zusammenhang und daher ohne Sinn . So verbleibe ich im Chaos , Otbert ! Gott hat noch nicht das Schöpfungswort : es werde Licht ! über mir gesprochen . « » Und denken zu müssen daß ich Dein Retter hätte sein können ! « rief Astrau heftig bewegt . » Dazu hättest Du eben eine andre Seele haben müssen , Otbert ! eine Seele wie ich sie träume voll ganz göttlicher Unwandelbarkeit . Und hättest selbst Du sie , so ist es immer noch die Frage , ob ich sie würde ertragen haben . Beklage das nicht .... und laß uns scheiden . « » Aber nicht auf immer , Sibylle ! « » Und Arabella ? « fragte ich streng . » O ! rief Astrau , ich bin unselig . « » Ja , das bist Du ! entgegnete ich ; aber nicht durch mich .... nicht durch Arabella .... durch Niemand als durch Dich , denn die Poesie welche Du im Leben finden mögtest ist nicht der besinnungslose egoistische Rausch , in den Du Dich aus Eitelkeit oder Genußsucht verlierst .... um nach einiger Zeit zu erwachen . « » Mein Gott ! mein Gott ! rief Astrau in gewaltiger Aufregung , was