freue mich , daß ich Sie hergeführt habe , und um Ihnen meinen Dank zu zeigen , gebe ich Ihnen , da ich eben nichts Schöneres habe , diese Rose , so frisch und blühend als Sie . Dabei brach er eine Rose von einem nahestehenden Strauche , reichte sie Agnes und schickte sich an für Eva eine zweite zu pflücken , als eine Stimme dicht hinter ihnen rief : Es sind nicht die ersten Blumen , die Du brichst ! Die drei Plaudernden sahen sich verwundert um , eine Nonne trat hinter dem Schirme hervor und sagte vorüberschreitend : Wüßtest Du , wie schnell gebrochne Blumen welken , Du würdest barmherziger werden . Julian sprang empor und wollte der Nonne erbleichend folgen , als Alfred ihm entgegentrat und hastig und leise zu ihm sagte : Sophie ist auf dem Balle . Ich weiß es , antwortete Julian . Bleibe einen Augenblick bei den Beiden hier . Wo ist meine Schwester ? Ich verließ sie im Saale mit Theophil . Gut denn ! tragt Sorge für die Frauen und , falls ich nicht gleich wiederkehre , begleitet sie nach Hause . VIII Fast alle Personen unserer Erzählung waren am Morgen nach der Maskerade verstimmt oder traurig . Eva ' s gehoffter Triumph war durch das Erscheinen von Agnes gestört , die Aufmerksamkeit Julian ' s und Theophil ' s zwischen ihr und Agnes getheilt gewesen , und das plötzliche Auftreten der Nonne hatte beide junge Damen unheimlich berührt . Der Präsident hatte Sophie nicht mehr eingeholt , da noch andere Männer außer ihm und Alfred sie erkannt , und dieser sie beschworen hatte , den Ball zu verlassen , zu dem sie sich eine Einladung verschafft . Eine unwiderstehliche Sehnsucht , Julian noch einmal zu sprechen , Therese und Eva kennen zu lernen , die sie durch Alfred ' s Erzählung auf dem Feste wußte , hatte sie zu dem auffallenden Schritte verleitet , der dem Präsidenten ein peinliches Gerede zugezogen und ein wiederholtes Stadtgespräch über dies Verhältniß zuwege gebracht hatte . In der gereizten Stimmung hatte er noch in der Nacht an Sophie geschrieben , ihr heftige Vorwürfe gemacht und dem Diener den Brief zur Besorgung übergeben , der ihn in aller Frühe an seine Adresse befördert hatte . Jetzt am Morgen bereute er seine Härte . Das Andenken an ihre Liebe sprach versöhnend für sie , aber der Brief war abgesendet , die Sache unabänderlich . Er tadelte sich lebhaft und war in der Unzufriedenheit mit sich nicht aufgelegt , die Vorstellungen gelassen hinzunehmen , die ihm seine Schwester machte . Wie kann ich von Agnes Vertrauen fordern , wie soll ich mich gegen ihre Mutter rechtfertigen , sagte Therese , wenn Du selbst sie zu Heimlichkeiten verleitest ? Was das nun für ein Aufhebens ist , liebe Therese , weil ich dem Kinde eine Freude ohne Deine Erlaubniß gemacht habe ! Bilde Dir doch nicht ein , daß das Mädchen Dich wie einen Beichtvater betrachtet . Hast Du zu sechszehn Jahren nicht Deine kleinen Geheimnisse gehabt ? Was soll die unnöthige Strenge ? Agnes war unter meinem Schutze wohl aufgehoben und ich übernehme die Verantwortung , entgegnete Julian ablehnend . Sie ist aber meinem Schutze anvertraut , bemerkte Therese , und es war Dir gewiß weniger um ihr Vergnügen , als um das Deine zu thun . Agnes bedarf so rauschender Feste noch nicht und ich finde Deine Handlungsweise in diesem Falle unvorsichtig . Quäle mich doch nicht mit Gouvernantenmoral ! sagte Julian verdrießlich , Agnes ist erwachsen genug , über sich selbst zu bestimmen , und Eltern , die ihre Tochter unbedenklich verheirathen , sie ganz selbständig machen würden , verlangen eine Beaufsichtigung , wie Du sie meinst , gewiß nicht mehr . Darum verschone mich mit Vorwürfen , die mir lästig sind , sie klingen wirklich ganz altjüngferlich . Gewöhne Dir diese unnöthige Strenge doch nicht an . Mit den Worten ging er hinaus und ließ Therese , die dergleichen Ermahnungen von dem Bruder nicht gewohnt war , unmuthig zurück . Später am Tage kam Eva , sie zu fragen , ob sie etwas dagegen hätte , wenn man den Abend bei ihr , statt bei Therese zubrächte , wie man es verabredet hatte . Therese nahm den Vorschlag an und Eva plauderte von dem Balle , von dem sonderbaren Einfalle des Präsidenten , Agnes gegen Theresen ' s Willen hinzuführen , von den Eroberungen , die sie selbst gemacht , und von tausend andern Dingen . Uebrigens sei auf Deiner Hut , Therese ! sagte sie , Dein Bruder ist von Agnes wie bezaubert . Ich glaube , er denkt daran , sie zu heirathen . Das ist ein thörichter Einfall von Dir , meinte Therese , wie kommst Du nur darauf ? Mein Bruder und das kaum erwachsene Kind , das ist ein unmögliches Paar . Nicht so unmöglich als Du glaubst , rief Eva eifrig . Du solltest nur hören , wie er seit Wochen von der reinen Natürlichkeit , von der häuslichen Tüchtigkeit und dem Verstande von Agnes spricht ; wie er ihre gleichgültigsten Aeußerungen mir als etwas Besonderes wiederholt ; wie er es sich reizend denkt , sie zur Tochter zu haben , sie zu bilden und zu erziehen - Dir würde , wie mir , die Vermuthung kommen , daß er noch lieber als eine solche Tochter eine solche Frau zu haben wünsche . Therese hörte nachdenkend zu . Die Möglichkeit , daß Julian sich verheirathen , daß er Agnes heirathen wolle , war ihr befremdend . Er hatte so oft seine Abneigung gegen die Ehe ausgesprochen , sie war an das Zusammenleben mit dem Bruder so sehr gewöhnt , ihre ganze Zukunft so fest darauf gebaut , daß sie nicht an einen Zustand denken mochte , in dem sie von ihm getrennt werden konnte . Indeß war Eva ' s Vermuthung nicht unmöglich . Sie dachte der großen Theilnahme , mit der Julian das Mädchen betrachtete , ihr