erwachsen zu können ; ich bat ihn um Offenheit und gestand ihm , daß ich selbst - Wie ? Sie wagten ? - Doch freilich , Sie wollten ihn retten ! Aber um welchen Preis ? ( Also weiß er ' s nicht ! setzte er innerlich hinzu . ) Um welchen Preis , Herr Graf ? Jetzt verstehe ich in der That gar nicht - was wollen Sie sagen ? Darf ich bitten - Mein Gott , Sie sagen ja selbst , daß Sie ihm Ihre unsinnige Schwäche bekannt , und ich sehe , daß er diesen Wahnsinn benutzt hat . Es begreift sich allenfalls , was konnte ihm am Ende eine solche Rivalität schaden ! In diesem Augenblick verwirrten sich Gotthards Ideen wie vorhin die des Grafen , er hielt den Uebergang für eine Falle ; daß Kronberg während des ganzen Gesprächs vorausgesetzt , Gotthard habe eine Neigung zu Leontinen gefaßt und deshalb ihn mit allem Stolze seines Ranges und seiner bisherigen Stellung behandelt , fiel ihm nicht entfernt ein . Er wurde verlegen und fand nicht sogleich eine Antwort . Da es jetzt auf die Möglichkeit unseres Beisammenseins ankommt , da ich nur höchst ungern die Carrière eines talentvollen jungen Mannes störend unterbrechen möchte , so erlauben Sie mir schließlich noch eine Frage . Haben Sie je gewagt , sich auszusprechen ? - irgend Jemanden eine Thorheit einzugestehen - die - weiß Leontine ? Das Fräulein ? Wie kann ich das wissen , Herr Graf ! Nun , jedermann weiß doch , ob er sein Gefühl verräth . Haben Sie irgend Gründe zu glauben , daß das Fräulein Ihre Leidenschaft errathen hat ? Ich ? eine Leidenschaft für das Fräulein ? - Gotthards Augen wurden starr , er sah blaue und rothe Funken und keinen äußeren Gegenstand mehr . Und für wen denn sonst ? fragte der Graf . Beide Männer schwiegen ; sie standen plötzlich als Todfeinde einander gegenüber . Hier konnte kein Wort mehr ausgesprochen werden . Wie bei vielen Männern , deren Eitelkeit an die Stelle einer Herzensforderung tritt , war in Kronbergs Seele ein wunder Fleck : das instinctmäßig errathende Gefühl , von seiner Frau nicht eigentlich geliebt zu sein . Der Quell dieser schmerzenden Empfindung war zugleich der eines stolzen Verbergens seiner geheimen , nagenden Eifersucht ; lieber würde er Annen einem Abgrund von Schuld und Reue zugeschleudert haben , als daß er jemals diese Schwäche einer Leidenschaft eingestanden hätte , deren Aeußerung er auf ' s Tiefste verachtete . Nach diesen Andeutungen wird man begreifen , wie er nach kaum minutenlangem Schweigen , ohne weiteren Uebergang , sogleich mit Gotthard von den Kindern zu reden begann , deren so höchst vortheilhafte Entwicklung er dankbar pries und zugleich sein höchstes Bedauern darüber aussprach , daß die neue Lebenswendung Gotthard natürlich nicht mehr erlauben werde , sich ferner mit der Erziehung derselben zu befassen , da ernstere und höhere Pflichten es ihm von jetzt an unmöglich machen müßten . Glauben Sie mir , schloß er im wohlwollendsten Tone , daß ich die Größe dieses Verlustes für meine Knaben schmerzlichst zu schätzen weiß . Indessen wäre es Thorheit , daran auch nur zu denken . Gotthard stiegen die Thränen in die Augen . Er fühlte sich mit einem Male aus jedem Zusammenhange mit der Geliebten losgerissen , er empfand den trennenden Schnitt , der die Bande des heiligsten Vertrauens zwischen ihnen löste , er sah sich auf eine ganz einfach herbeigeführte Weise gewaltsam aus dem Hause in ' s Weite hinausgestoßen , verbannt ; und doch geschah das Alles so natürlich ; die Kinder , die seinem Herzen so nahe standen , mit deren Interesse jede Faser ihres Lebens ihm verwachsen schien , sah er durch ein einziges Wort sich geraubt - er vermochte keine Erwiderung zu finden . Möchten Sie , junger Freund ! fuhr Kronberg mit fast väterlicher Güte fort , seine schöne Gestalt hoch aufrichtend , indem er jetzt mit jeder Sylbe eine größere Herrschaft über sich errang , möchten Sie jede neue Lebensstellung so zu Ihrem Vortheil einnehmen , jede Forderung so völlig genügend erfüllen , als dies bei uns geschehen ist . Ich dringe nicht in Ihr Geheimniß in Bezug auf den Grafen , ich bitte Sie Ihrerseits , nicht erforschen zu wollen , welche Verpflichtung die Meinen hatten , ihn zu retten . Nehmen Sie meinen Dank für das , was Sie , wie ich jetzt einsehe , im Einklang mit unsern Empfindungen , ohne Kenntniß der näheren Umstände gethan . Sie haben , obschon unvorsichtig , dennoch edel gehandelt , und ich freue mich , Ihnen dies als Ergebniß unseres langen Gesprächs sagen zu können . Er wandte sich , freundlich mit der Hand grüßend , der Thüre zu . Gotthard eilte ihm nach und versuchte dem fast an der Schwelle Stehenden auseinanderzusetzen , daß er wenigstens die Oberaufsicht über der Kinder Unterricht und den ferneren Gang ihrer Bildung für ' s Erste sich zu erhalten wünsche , und daß eine Stellung , wei die ihn erwartende , unmöglich seinen ganzen Tag in Anspruch nehmen könne . Er sprach beklommen . O , bester Herr Gotthard , sagte lachend Kronberg , Sie kennen Wien nicht und möchten sich einen Atlas von Unbequemlichkeiten und Unthunlichkeiten aufbürden . Nein , nein ; seien Sie überzeugt , daß ich und die Gräfin , die natürlich ganz einverstanden mit mir ist - Gotthard wurde wieder todtenbleich , der Graf sah es , aber kein Zug des triumphirenden Gesichts verrieth ihn - Niemanden lieber die Leitung der Erziehung unserer Kinder überlassen möchten ; aber Sie werden bald sehen , daß es unmöglich ist . Apropos , fuhr er fort , indem er die Hand auf den Drücker legte , Sie werden wohl thun , nach Berlin zu eilen , um sich den Herren dort zu präsentiren . Eigentlich wollte ich Ihnen das gleich sagen und vergaß es ; ich wünschte aber , Sie reisten spätestens morgen früh , damit Sie mit uns